UNTERFRANKEN

Staatsarchiv kommt nach Kitzingen

Behördenumzug

346 neue Stellen sollen in den nächsten Jahren in Unterfranken entstehen. Die Reaktionen aus der Region fallen überwiegend positiv aus.

Im Zuge der Behördenverlagerung der bayerischen Staatsregierung werden in den kommenden Jahren 346 Stellen in Unterfranken angesiedelt werden. Es profitieren die Landkreise Rhön-Grabfeld, Kitzingen, Main-Spessart, Miltenberg, Bad Kissingen und Haßberge. In den betroffenen Regionen überwog die Freude.

Eine bezirksinterne Verlagerung stellt der geplante Umzug des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen dar. Es geht dabei um 17 Arbeitsplätze und eine Archivfläche von rund 7000 Quadratmetern, die derzeit in der Würzburger Residenz sowie der Festung untergebracht sind. Für die Verlegung gibt es laut Otto Hünnerkopf (CSU), Landtagsabgeordneter aus Kitzingen, zwei zentrale Gründe: Auf der Festung stehen Umbauten an – insgesamt sollen bis 2026 rund 100 Millionen Euro in vier Bauabschnitten investiert werden. Bis jetzt war vorgesehen, dass das Staatsarchiv vom Fürstenbau in einen Neubau auf dem Uni-Campus am Hubland in Würzburg zieht. Grund Nummer zwei für den anvisierten neuen Standort ist die Konversion in Kitzingen. „Wir haben immer gefordert, dass Stadt und Landkreis einen wie auch immer gearteten Ausgleich für die Folgen des Abzugs der Amerikaner kriegen müssen“, so Hünnerkopf. Das Staatsarchiv soll in einer der Konversionsflächen unterkommen, das Staatliche Bauamt habe ein fest ins Visier genommenes Gebäude bereits begutachtet und für geeignet erklärt.

„Wir sind stolz, wenn so eine renommierte Behörde wie das Staatsarchiv nach Kitzingen kommt. Die Zahl der Arbeitsplätze ist zwar nicht hoch, aber schon durch den regen Publikumsverkehr wird die Stadt zumindest bayernweit noch bekannter“, sagte Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller. Er bringt neben Larson- und Harvey-Barracks auch das Alte Zollamt ins Gespräch, das wie die Konversionsflächen von der Bundesanstalt für Immobilien-Angelegenheiten (Bima) vermarktet werden soll.

Neues Museum in Würzburg?

Der Würzburger Landtagsabgeordnete Oliver Jörg (CSU) hält den Umzug des Staatsarchivs für richtig: Im Rahmen des Nordbayernplans profitiere Würzburg vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Dazu sei die Residenz ein „Filetstück mit interessanten Räumlichkeiten“. Durch den Abzug des Staatsarchivs könnte über eine neue, attraktive Nutzung nachgedacht werden. Jörg plädiert für die Unterbringung einer naturkundlichen Sammlung. Solch ein kleines Museum könnte besonders für Schulklassen ein interessantes Angebot sein. Ähnlich sieht es Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt: „Ein Umzug des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen klingt zunächst nach einem Verlust von Behördenstellen im Oberzentrum. Wenn man allerdings berücksichtigt, welch wertvolle Räumlichkeiten dadurch in der Residenz und auf der Festung Marienberg frei werden und entsprechend für alternative Nutzungskonzepte zur Verfügung stehen, bin ich mir sicher, dass – wenn die Details stimmen – grundsätzlich eine Win-win-Situation für beide Städte erreicht werden kann.“

Überrascht zeigten sich die Verantwortlichen in Main-Spessart über die Zuteilung von 29 Stellen in den Bereichen Finanzamt und Krebsregister. Die Orte stehen noch nicht fest. „Ich wusste bisher von dieser Zuteilung gar nichts. Ich freue mich, dass wir überhaupt was kriegen“, sagte Landrat Thomas Schiebel (Freie Wähler). Frank Beifuß, Leiter des Finanzamts Lohr mit 170 Beschäftigten, davon 65 in den Außenstellen Karlstadt und Marktheidenfeld, sagte: „Das ist in jedem Fall etwas Positives, wenn man Arbeitsabläufe strafft und zusammenführt.“ So sei Lohr beispielsweise schon seit vielen Jahren zuständig für Erbschafts- und Schenkungssteuer – und zwar für ganz Unterfranken und das westliche Mittelfranken. Das Krebsregister Bayern ist bislang am Universitätsklinikum Erlangen angedockt. Seit 1998 werden dort neu auftretende Krebserkrankungen in Teilen Bayerns, seit 2002 alle bösartigen Neubildungen und ihre Frühformen flächendeckend in ganz Bayern erfasst. Martin Meyer, Leiter der Registerstelle, zeigte sich „erst mal überrascht“ von dieser Nachricht. Die Verlagerung nun scheint mit einer Personalaufstockung einherzugehen. Bislang hat Meyer drei Mitarbeiter, in Main-Spessart sollen es 16 werden.

Die Ankündigung, das Haus für Gesundheitsmanagement aus dem Landesamt für Gesundheit mit 100 Stellen nach Bad Kissingen auszulagern, ist vor Ort sehr positiv aufgenommen worden. Diese Verlagerung sei „eine Riesenaufwertung der Gesundheitsregion“ und „eine passende Ergänzung“ zur in Bad Kissingen besonders gepflegten Telemedizin, so Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU) aus Premich (Lkr. Bad Kissingen). Zusammen mit dem, was die Verlagerung für die Landkreise Rhön-Grabfeld und Haßberge bringe, handle es sich für die „Gesamtregion um ein schlüssiges Konzept“. Landrat Thomas Bold (CSU) unterstrich die Bedeutung der Pläne für eine Region, die durch den Abzug der US-Armee, die Verkleinerung der Bundeswehrstandorte oder Strukturreformen im Gesundheitswesen „stark gefordert wurde“. Eine Behörde, die sich mit dem Thema Gesundheitsmanagement beschäftige, sei im Bäderlandkreis sinnvoll angesiedelt.

„Klasse!“, kommentierte Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg die Botschaft. „Die Gesundheit kommt nach Hause zurück.“ Mit Spannung warten die Kissinger darauf, welches Gebäude in der Stadt bei der Verlagerung konkret angesteuert wird. Dazu gibt es noch keine Information. Das ehemalige Luitpoldbad, das zurzeit zum Behördenzentrum umgebaut wird, ist verplant.

100 Arbeitsplätze entstehen in Ebern

„Es ist nicht der Hammer, aber es ist ein gutes und wichtiges Zeichen.“ So bewertet Miltenbergs Landrat Jens Marco Scherf (Grüne) die 30 neuen Stellen beim Finanzamt Obernburg am Main mit der Außenstelle in Amorbach. Das Problem im Landkreis Miltenberg sei vor allem das starke Nord-Süd-Gefälle. Das zeige sich deutlich in der Wirtschaftskraft der einzelnen Regionen. Der nördliche Landkreis profitiere stark von der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet. Im Südspessart und im bayerischen Odenwald sei die Situation hingegen schwieriger. „Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung sind verheerend“, sagt Amorbachs stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Härtel (SPD). Auch er begrüßt die Entscheidung der bayerischen Landesregierung. „Das ist gut für unsere Stadt.“

Mit der ehemaligen Kreisstadt Ebern (Lkr. Haßberge) hat indes eine in den vergangenen Jahren arg gebeutelte Stadt den Zuschlag für eine Behördenverlagerung bekommen. Die Landesbaudirektion der Autobahndirektion Nordbayern soll von Nürnberg nach Ebern verlagert werden. Damit verbunden: 100 neue Stellen in der früheren Kreisstadt. Aus Ebern war nicht nur die Bundeswehr abgezogen worden, die Stadt verlor zudem das Amtsgericht und das Forstamt. Schon deshalb sehen Landtagsabgeordneter Steffen Vogel (CSU) sowie Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) in der Verlagerung einen Beitrag, den nördlichen Bereich des Landkreises zu stärken. Hennemann: „100 Arbeitsplätze sind für uns immerhin ein mittlerer Betrieb.“

„Hocherfreut“ zeigen sich sowohl Landrat Thomas Habermann (CSU/Rhön-Grabfeld) wie auch Bad Neustadts Bürgermeister Bruno Altrichter über die insgesamt 70 Stellen, die in den nächsten Jahren hierher verlagert werden sollen. Grund dafür ist nicht nur die Zahl der Stellen, sondern deren Qualität. Das gilt wohl zum einen für die 50 neuen Mitarbeiter des Finanzamtes in Bad Neustadt, auch wenn noch nicht genau bekannt ist, welche Aufgaben sie übernehmen werden. In jedem Fall aber für die fünf Arbeitsstellen am regionalen IT-Zentrum „BayernLab“ sowie die 15 Mitarbeiter beim „Bayern-Cert“, einem Spezialistenteam für IT-Sicherheit bei Landes- und Kommunalbehörden. Diese Arbeitsplätze seien zukunftsträchtig und ihre Zahl aufgrund der wachsenden Bedeutung der Themen Internet und IT-Sicherheit vielleicht sogar ausbaufähig, sind sich beide einig.

Die Gemeinsamkeiten enden bei der Standortfrage. Während Bad Neustadts Bürgermeister natürlich keine Einwände dagegen hat, dass nach ersten Planungen alle neuen Stellen in Bad Neustadt entstehen, hätten es Habermann und Landtagsabgeordneter Steffen Vogel lieber gesehen, wenn auch das wirtschaftsschwächere Bad Königshofen berücksichtigt worden wäre. Mitarbeit: mim/dix/sas/ach

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