MÜNCHEN

Stoibers Wirken auf 320 Seiten

Edmund Stoiber Foto: dpa

„Weil die Welt sich ändert“ – so lautet der Titel von Edmund Stoibers Autobiografie, die am Montag erschienen ist. Darin schildert der frühere Ministerpräsident und CSU-Chef auf 320 Seiten aus seiner Sicht, was er für Bayern geleistet hat. Die Tage von Kreuth erwähnt er nur kurz.

Auf Seite 250 schließlich ist es soweit. 249 Seiten lang hat Edmund Stoiber über die verschiedensten Facetten seines langen politischen Lebens geschrieben, da kommt er auf Kreuth 2007 zu sprechen. Jene CSU-Fraktionsklausur in den Tegernseer Bergen, die sein politisches Ende besiegelte. Doch Stoiber berichtet über die Stunden von Kreuth in seiner neuen Autobiografie: fast nichts.

„Natürlich kenne ich die Erwartungen an dieses Buch, aus dem Kreuther Nähkästchen zu plaudern“, schreibt der langjährige bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef. „Nur: Viel ist nicht drin in diesem Nähkästchen, war doch die Öffentlichkeit Zeuge und in diesen Tagen des Januar 2007 gewissermaßen live dabei.“ Die Bevölkerung habe sich ihr Urteil längst gebildet. „Und im Interesse unserer Partei liegt es mit Sicherheit nicht, die damaligen Diskussionen noch einmal auf die Bühne zu holen“, schreibt er.

Wenige Worte zu Kreuth

Stoiber zitiert lediglich eine Interview-Aussage im „Stern“ von Sommer 2007: „Klar ist, dass ich natürlich nicht von mir aus in Kreuth meine Ämter zur Verfügung gestellt habe oder zur Verfügung stellen wollte und niemanden selbst für die Nachfolge vorgeschlagen habe.“ Es bleibt damit also bei Aussage gegen Aussage: Denn Günther Beckstein, der Stoiber damals zusammen mit Erwin Huber beerbte, berichtete vergangenes Jahr in seinem eigenen Buch, die Initialzündung für den Ämterwechsel sei von Stoiber ausgegangen.

Natürlich ist Stoibers Buch Gesprächsthema bei der CSU, deren Vorstand sich am Montag zur einer Sitzung in München trifft. Und natürlich werden die Hauptpersonen von damals vor der Tür befragt. „Nach dem, was ich gelesen habe, habe ich keinen Anlass zu meckern“, meint Huber. Und Beckstein sagt über Stoibers Werk: „Ich werde es mit Interesse und Freude lesen.“ Beckstein betont aber auch: „Es ist ja auch kein Zufall gewesen, dass es zu Kreuth 2007 gekommen ist.“ Und Horst Seehofer sagt zu dem Buch schlicht: „Eine sehr realistische Darstellung, das ist sehr ausgewogen.“

Tatsächlich liefert Stoiber mit seinem Buch seine ganz persönliche Sicht der Dinge auf die Jahre, in denen er selbst Bayern geprägt hat – liefert den Lesern aber auch Einblicke in seine eigene Jugend. Er berichtet über das Leben in seiner Familie nach dem Krieg und wie er „mit sehr überschaubarem Erfolg“ Klavier und Geige lernen durfte. Oder wie er 1965 FC-Bayern-Mitglied wurde – „Mitgliedsnummer 462“. Er erzählt, wie er 1968 eine ganz persönliche Entscheidung traf („die wichtigste meines ganzen Lebens“) und seine Frau Karin heiratete.

Und schließlich schildert Stoiber, wie seine Karriere seinen Lauf nahm: vom Redenschreiber für den damaligen Umweltminister Max Streibl und vom Ziehsohn von Franz Josef Strauß an die Spitze von CSU und Freistaat. Er berichtet vom fast schon sagenumwobenen Frühstück in Wolfratshausen 2002, bei dem ihm Angela Merkel die Kanzlerkandidatur antrug. Und er legt relativ ausführlich dar, warum er 2005 quasi in letzter Sekunde doch nicht Bundesminister werden wollte: „Am Ende hat sich bei mir ebenso wie bei Strauß die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein CSU-Vorsitzender, der zugleich bayerischer Ministerpräsident ist, nicht nach Berlin gehen sollte, sondern für die CSU und Bayern außerhalb der Kabinettsdisziplin mehr bewirken kann“, schreibt er. „Ich habe die CSU gelebt“, heißt es in dem Buch an anderer Stelle.

Von seiner Leistung überzeugt

Die Tonlage, in der Stoiber sein Buch geschrieben hat, zeigt: Hier schreibt einer, der von seiner eigenen Lebensleistung aufs Äußerste überzeugt ist – innenpolitisch wie außenpolitisch. „Überaus zufrieden“ sei er gewesen, dass er den ersten ausgeglichenen Haushalt Bayerns habe vorlegen können, schreibt der Ex-Ministerpräsident beispielsweise. Andererseits berichtet er immer wieder, wen er während seiner Amtszeit alles getroffen habe – sogar George W. Bush. Bereits im Vorwort schildert Stoiber ein persönliches Gespräch mit Wladimir Putin. „Unter vier Augen, ohne Dolmetscher“, betont er. Und Stoiber schreibt im Vorwort: Über 70 Jahre Leben und über 30 Jahre politische Verantwortung passten „nicht zwischen zwei Buchdeckel“.

Am Ende seines Buches aber geht es Stoiber auch noch ums große Ganze – um die europäische Einigung, den Euro, die Demokratie an sich. In den allerletzten Zeilen ruft er die jüngere Generation auf, selbst Verantwortung zu übernehmen. „Weil die Welt sich ändert!“

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