BAMBERG

Tatort: Was sich Eli Wasserscheid für Wanda Goldwasser wünscht

Eli Wasserscheid. Foto: Thomas Obermeier

Im Franken-„Tatort“ spielt Eli Wasserscheid (38) die Kommissarin Wanda Goldwasser. „Energisch, erotisch aktiv und geradeheraus lässt sie nichts an sich vorbeiziehen, was sich zu leben lohnt“, so beschreibt die ARD die Rolle. Im richtigen Leben gehört die gebürtige Bambergerin zum Ensemble des Münchner Metropoltheaters. In Kino und Fernsehen war sie unter anderem in „Karl Valentin und Liesl Karstadt“ (2007, Regie: Jo Baier), „Polizeiruf 110: Cassandras Warnung“ (2010, Dominik Graf), „Die abhandene Welt“ (2014, Margarethe von Trotta), „Schweinskopf Al Dente“ (2015, Ed Herzog) und „Moni's Grill“ (2016, Franz-Josef Bogner) zu sehen.

Frage: Der neue Franken-„Tatort“ behandelt mit dem Schicksal von Flüchtlingen ein aktuelles politisches Thema. Ein Wagnis?

Eli Wasserscheid: Es war die Entscheidung von Redaktion, Produktion, Regisseur und Autor, dieses Thema zu wählen. Weil es gesellschaftlich relevant ist, weil es uns alle beschäftigt. Ich finde diese Entscheidung sehr gut. Das ist es, was Theater und Film gut können, nämlich Geschichten erzählen und so auf einer emotionalen Ebene zu versuchen, einen Zugang zu einer aktuellen Debatte zu legen.

Zusätzlich zu den rationalen Fakten und Bildern aus den Nachrichten.

Nimmt der Krimi Haltung ein?

Wasserscheid: Ich finde den „Tatort“ sehr vielschichtig, weil er viele verschiedene Haltungen zeigt. So, wie es sie auch in der Realität gibt. Der Film spiegelt die öffentliche Debatte. Wir Kommissare, wir sind fünf unterschiedliche Menschen. Jeder nimmt in seiner Rolle eine Haltung ein.

In welchem Sinne?

Wasserscheid: Ich glaube, das sagt schon der Titel „Am Ende geht man nackt“. Die Basis von allem ist das Menschsein.

Und Sie persönlich?

Wasserscheid: Ich persönlich kann mich sehr gut einklinken bei Wanda. Wir sind uns da, glaube ich, sehr ähnlich.

Macht es für Sie als Schauspielerin mehr Spaß ein zeitgeschichtliches Thema zu spielen als beispielsweise eine Komödie?

Wasserscheid: Ich finde beides gleichermaßen wichtig. Wenn wir alle immer nur die dunklen Seiten des Lebens zeigen, ist das Gleichgewicht nicht mehr gegeben. Es gibt das Leichte, das Helle – und das Dunkle.

Kann Fernsehen die Einstellungen der Zuschauer verändern?

Wasserscheid: Fernsehen hat unterschiedliche Funktionen. Dazu gehört auch, auf ein aktuelles Thema aufmerksam zu machen, andere, neue Blickwinkel zu zeigen. Meiner Meinung nach ist es möglich, mit Geschichten im Theater oder im Film Empathie zu erzeugen oder jemanden zum Überdenken seiner bisherigen Sichtweise zu bewegen.

Im „Tatort“ spielen viele Schauspieler mit Migrationshintergrund mit. Wirkt sich das aus?

Wasserscheid: Es unterstützt sicher die Authentizität einer Geschichte, wenn die Darstellerinnen und Darsteller Ähnliches selbst oder in ihrem Umfeld erlebt haben.

Sie sind gebürtige Bambergerin. Wie war das, in der Heimat zu drehen?

Wasserscheid: Für mich war?s ein Extra-Zuckerl obendrauf, weil ich schon längere Zeit nicht mehr in Bamberg wohne. Mein Lebensmittelpunkt ist München. Wenn ich sonst in Bamberg bin, bin ich auf Urlaub, im Freizeitmodus. Ich habe es genossen, mal wieder Alltag in Bamberg zu erleben. Es war einfach schön, an den drehfreien Tagen zu Hause bei meinen Eltern zu sein. Es war Sommer, meine Geschwister kamen mit Nichten und Neffen vorbei. Und ich habe mich gefreut, diese Stadt, die ich sehr mag, die mir am Herzen liegt, den anderen, Fabian (Hinrichs), Dagmar (Manzel) oder Markus Imboden nahezubringen, ihnen meine Lieblingsorte zu zeigen, meine Lieblingswege durch diese Stadt.

 

Was ist so ein Lieblingsort?

Wasserscheid: Einer meiner Lieblingsorte ist die Villa Remeis oben hinterm Michelsberg. Ein Café mit einer unglaublichen Sicht auf die Stadt. Das ist wahnsinnig schön. Und der Michelsberg natürlich auch. Ich mag diese Draufsichten auf Bamberg. Es gibt ja einige Hügel. Nicht zu vergessen der Spezial-Keller abends im Sonnenuntergang. Der ist auch Wahnsinn.

Ist der Franken-„Tatort“ bei den Franken angekommen? Zuletzt gab es nach der Anfangseuphorie ja auch Kritik, etwa in den sozialen Netzwerken.

Wasserscheid: Das Echo ist so vielschichtig wie die Menschen, die zuschauen. Ich habe im Laufe meines Berufslebens gelernt, damit umzugehen. Und die Meinung bei dem zu lassen, der sie hat. Sie sich anzuhören, sich selbst zu überprüfen, das ist wichtig und okay. Aber sich nach einer Meinung zu richten, fände ich falsch. Welche soll dann maßgeblich sein?

Welche Rolle spielt die Quote?

Wasserscheid: Quoten sind ein schwieriger Gradmesser. Natürlich wünscht man sich, dass möglichst viele Leute einen Film sehen. Aber an der Quote allein wird die Wertigkeit eines Films nicht festgemacht.

Im Würzburg-„Tatort“ durfte sich Kommissarin Wanda verlieben. Haben Sie Wünsche für die Figur?

Wasserscheid: Wanda hat die tolle Eigenschaft, sich vorbehaltlos auf das Jetzt einzulassen. Sie versucht offen dem zu begegnen, was gerade ist. Sie denkt nicht in Schubladen. Da wünsche ich mir als Schauspielerin, dass meiner Filmrolle Wanda spannende Dinge entgegengestellt werden. Ob das jetzt Liebesgeschichten sind oder andere Herausforderungen, da bin ich offen (lacht).

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