MÜNCHEN/WÜRZBURG

Viele Varianten für SuedLink in Unterfranken

Höchstspannungs-Erdkabel       -  Höchstspannungskabel sollen die oberirdischen etwa 70 Meter hohen Strommasten ersetzen. Was in der Landschaft deutlich weniger auffällt, ist leider auch deutlich teurer. Foto: Roland Weihrauch
Höchstspannungskabel sollen die oberirdischen etwa 70 Meter hohen Strommasten ersetzen. Was in der Landschaft deutlich weniger auffällt, ist leider auch deutlich teurer. Foto: Roland Weihrauch

Die Stromtrassen-Diskussion in Unterfranken kommt erneut kräftig in Fahrt: Denn der Netzbetreiber Tennet hat am Dienstag verschiedene neue Planungsvarianten unter anderem für die geplante Erdverkabelung der SuedLink-Leitung auch in der Region veröffentlicht.

Denkbar sind demnach zwei Trassenverläufe: Eine westliche Variante, die von Fulda kommend über Zeitlofs und östlich von Gemünden verläuft, dann an Karlstadt vorbei und durch den westlichen Landkreis Würzburg Richtung Baden-Württemberg führt. Grafenrheinfeld als Knotenpunkt würde an diese Variante von Karlstadt aus über Arnstein angeschlossen.


Der alternative Trassenverlauf weiter östlich kommt von Meiningen in Thüringen entweder über Fladungen oder Mellrichstadt Richtung Bad Neustadt und dann entlang der Autobahn 71 bis Grafenrheinfeld. Diese Trasse könnte von Oerlenbach Richtung Karlstadt an den südlichen Verlauf der Variante 1 angeschlossen werden oder von Grafenrheinfeld aus vorbei an Dettelbach, Sommerhausen und Giebelstadt Richtung Main-Tauber-Kreis führen.

Ab Oktober Bürgerdialog

Eine Suedlink-Trasse durch Grafenrheinfeld hindurch war allerdings beim Stromtrassen-Kompromiss der Großen Koalition in Berlin im Sommer 2015 ausdrücklich ausgeschlossen worden, weshalb eine Streckenführung östlich an Würzburg vorbei laut CSU-Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer eher unwahrscheinlich ist.
 

Die Planungsvorschläge waren von Tennet zunächst den Landtagsabgeordneten aller Parteien vorgestellt worden. Am Mittwoch sollen nun betroffene Kommunalpolitiker informiert werden. Ab Oktober sind dann Diskussionsforen mit interessierten Bürgern in der betroffenen Regionen vorgesehen. „Mit dem Bürger zu planen, ist für uns das zentrale Anliegen“, beteuerte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Bis März soll sich so je eine „Vorzug-Trasse“ für SuedLink und die in Ostbayern geplante SuedOstLink herauskristallisieren, für die dann Planungsverfahren eingeleitet werden sollen. „Wenn alles optimal läuft, ist ein Baubeginn 2020 möglich“, hofft Pschierer. Denn die Zeit drängt: Bereits 2022 soll in Bayern das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen.

Verzögerungen beim Bau der Erdkabel würden laut Aigner zudem die Stromkunden belasten: Bereits für 2020 erwarte man in Deutschland Zusatzkosten wegen der durch Leitungsengpässe verursachten Ersatzbeschaffung von Strom von vier Milliarden Euro, so die Ministerin. Dies relativiere auch den Mehrpreis für die Erdverkabelung von rund sechs Milliarden Euro – weil die Leitungen durch die Erdkabel weniger Protest provozierten und so schneller realisiert werden könnten, hofft Aigner.

„Seehofer-Säumnisaufschlag“?

Die Politik in der Region reagierte vorsichtig optimistisch auf die neuen Pläne: Für die versprochene Bürgerbeteiligung „ist es gut, dass noch eine Vielzahl von Optionen im Raum stehen“, sagte etwa der Bad Kissinger CSU-MdL Sandro Kirchner.

 Der Main-Spessart-MdB Alexander Hoffmann (CSU) begrüßt, „dass der Sinngrund komplett unberührt bleibt“. Ob der Landkreis Main-Spessart überhaupt tangiert werde, zeige sich aber erst im April 2017, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schwab. Es sei aber ein großer Erfolg von CSU-Chef Horst Seehofer, dass nun zu hundert Prozent Erdverkabelung komme, so Schwab.

Diesen Punkt sieht die Opposition komplett anders: Zwar seien die neuen Pläne „eine deutliche Verbesserung für alle“, findet etwa der Ochsenfurter SPD-MdL Volkmar Halbleib. Seehofer habe aber viel zu lange den Eindruck erweckt, die Trassen seien unnötig: „Jetzt muss er den Menschen vermitteln, dass sie doch kommen werden“, verlangt Halbleib.

 

Stromkunden müssten wegen der vom CSU-Chef verursachten Verzögerung beim Trassenbau mit einem teuren „Seehofer-Säumnisaufschlag“ rechnen, schimpft der Grünen-MdL Martin Stümpfig. Auch habe Seehofer „Vorbehalte gegen die Energiewende geschürt und den Menschen falsche Hoffnungen gemacht.“

Anders als SPD und Grüne lehnen die Freien Wähler (FW) neue Stromtrassen in Bayern weiter kategorisch ab – selbst wenn sie unterirdisch verlegt werden. Die Trassen würden erst nach dem Ende der Atomkraft fertig und seien deshalb „nutzlos“, zürnte FW-Chef Hubert Aiwanger. Notwendig sei vielmehr eine „dezentrale Bürger-Energiewende“ in Bayern.

Rückblick

  1. SuedLink-Pläne: Schweinfurter Landrat reagiert verärgert
  2. 380-Kilovolt-Stromleitung: Wie ein eiserner Vorhang
  3. Kommentar: Die SuedLink-Firmen sind sich ihrer Sache sicher
  4. SuedLink-Firmen schaffen Fakten: Milliardenauftrag vergeben
  5. Corona und der Stromnetzausbau: Neue Regeln für Verfahren
  6. SuedLink: Trassengegner scheitern mit Antrag auf Planungsstopp
  7. SuedLink: "Die Trassen zu bauen wäre bedauerlich und teuer"
  8. Aussetzung von SuedLink-Verfahren wegen Corona beantragt
  9. SuedLink: Könnten Klagen den Trassenbau jahrelang verzögern?
  10. Behörde legt ersten Abschnitt der Stromtrasse SuedLink fest
  11. SuedLink: Trasse soll einen Bogen um Rheinfeldshof machen
  12. SuedLink-Gegner: Studie stellt Netzplanung in Frage
  13. Planung der umstrittenen SuedLink-Trasse stockt in Unterfranken
  14. Bayernwerk: Hochspannungsleitungen bei Bergrheinfeld umbauen
  15. Behörde: Entscheidung über SuedLink-Trasse zum Jahreswechsel
  16. SuedLink: Hubert Aiwanger hadert weiter mit Stromtrassen
  17. Würzburg wird zentraler Projektstandort für SuedLink
  18. SuedLink-Trasse bei Strahlungen: Bürger wollen sich wehren
  19. Milliardenprojekt SuedLink: Ist die Stromtrasse notwendig?
  20. SuedLink verzögert sich: Warum Strom wohl erst 2026 fließt
  21. Bad Kissingen: Was die ÖDP von der P 43 durch den Landkreis hält
  22. Bad Kissingen: Kreis-Kommunen melden Protest gegen P 43 an
  23. Netzausbau: Eine Trasse entfällt, die zweite kommt als Erdkabel
  24. SuedLink-Trasse: Bürgermeister wollen mitreden
  25. SuedLink: Wie eine Stromautobahn die Region polarisiert
  26. Nicht viel Neues zu "Südlink" im Wirtschaftssausschuss
  27. SuedLink: Strahlungen will eine andere Strecke
  28. Infomarkt zu Suedlink
  29. Tennet informiert über Stromtrasse
  30. Landrat kritisiert SuedLink-Pläne scharf
  31. SuedLink: Begeisterung hält sich in Grenzen
  32. SuedLink-Planung: Wie die Trasse in Unterfranken laufen soll
  33. Südlink: Nächster Schritt Ende Februar
  34. Jahresrückblick: Harte Fronten beim Stromnetzausbau
  35. Suedlink wirft seine Schatten voraus
  36. Peter Altmaier in Bergrheinfeld: Wohin mit den Stromtrassen?
  37. Linke: „Suedlink“ dient nur dem Profit
  38. Netzprobleme machen Strom teurer
  39. Rückblick 2017: Weiter Kritik an Stromtrassen
  40. SuedLink: Steht die Planung?
  41. Thüringen schlägt alternativen Verlauf für SuedLink vor
  42. Fehlende Stromtrassen bereiten Sorge
  43. SuedLink: Kritik aber auch Einigkeit mit Grünen
  44. Protest und viele offene Fragen zur Erdverkabelung
  45. SuedLink-Erdkabel: Höchstens eine Trasse bei Arnstein
  46. SuedLink weiter im Auge behalten
  47. Streit sauer über Tennet-Vorstoß
  48. SuedLink strapaziert Landkreis schwer
  49. Landkreis verfolgt SuedLink-Verfahren „kritisch“
  50. SuedLink: Viel Arbeit für den "Bürgerdialog"

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Henry Stern
  • Tilman Toepfer
  • Suedlink-Stromtrasse
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
4 4
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!