NÜRNBERG

Vierter Franken-Tatort: Krimi mit emotionaler Härte. Und Erodig?

Fototermin bei der „Tatort“-Polizei mit den Schauspielern (von links) Dagmar Menzel, Andreas Leopold Schadt und Eli Wasserscheid. Foto: Michael Czygan
 

Einen „Krimi der emotional harten Gangart“ verspricht Redakteurin Stephanie Heckner vom Bayerischen Rundfunk (BR). Zum Abschluss der Dreharbeiten zum vierten Franken-„Tatort“ präsentierten sich Macher und Schauspieler im ehemaligen Quelle-Hochhaus in Nürnberg den Medien. Allzu viel zum Inhalt der Folge mit dem Arbeitstitel „Ich töte niemand“ wollten sie aber allesamt noch nicht verraten. Ausgestrahlt werden soll der Film im Frühsommer 2018.

Groß ist die Freude der Beteiligten, dass Max Färberböck wieder die Regie übernommen hat. Er hat nicht nur die mit 12,11 Millionen Zuschauern erfolgreiche Premierenfolge gedreht, sondern ganz entscheidend die Figuren der Kommissare entwickelt. Stark im Mittelpunkt steht diesmal Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel). Der Tod eines engen Freundes und Kollegen führt sie an ihre Grenzen, heißt es bedeutungsschwanger beim BR. Konkreter will man noch nicht werden.

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Dreharbeiten Franken-Tatort

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Menschliche Abgründe

Der Krimi beginnt mit einer gemeinsamen Feier der Mordkommission Franken, bei der reichlich Alkohol fließt. In der gleichen Nacht wird ein Ehepaar, das vor vielen Jahren aus Libyen nach Deutschland gekommen ist, brutal ermordet entdeckt. Ihr Ziehsohn, ein „allseits umschwärmter und hochbegabter Student“, ist verschwunden. Ob er Täter oder Zeuge ist, bleibt zunächst offen. Zwei Tage später stirbt ein Polizist während einer Autofahrt an der Wechselwirkung von Medikamenten. Ein Indiz bringt die beiden Fälle zusammen.

Der Film tauche tief in menschliche Abgründe ein, sagt Heckner. Es gehe – neben der polizeilichen Ermittlungsarbeit – um den „menschlichen Zusammenhalt“, um Würde, um „Bindungen und Beziehungen“ zwischen den Menschen, erklärt Fabian Hinrichs, der in der Rolle als Ringelhahns Kollege Felix Voss diesmal besonders gefordert scheint. Die „Themen im Hintergrund“ machten diesen Film für ihn reizvoll, so Hinrichs. Insofern sei auch dieser „Tatort“ wieder politisch, auch wenn das Thema Ausländerfeindlichkeit nicht explizit „ausgeflaggt“ werde.

Keine Vorgaben beim fränkischen Dialekt

Andeutungen, die einen spannenden Fernsehabend versprechen, nachdem das Interesse an den Franken-Ermittlern, zu denen auch Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid), Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) und Michael Schatz (Matthias Egersdörfer) zuletzt etwas abgenommen hat. Nur noch 8,16 Millionen Menschen sahen im Mai bei der dritten Folge zu. Für Heckner kein Grund zur Beunruhigung, mit dieser Quote liege man immer noch im oberen „,Tatort'-Mittelfeld“.

Ein Thema, das viele Franken in den sozialen Medien beschäftigt ist der Film-Dialekt. „Zu künstlich“, „zu unecht“, glauben Kritiker zwischen Aschaffenburg und Hof. „Unsinn, so vielfältig ist das Fränkische eben“, sagt Andreas Leopold Schadt. Selbstverständlich dürften die Franken beim „Tatort“-Dreh so wie im richtigen Leben sprechen. „Da gibt es keine Vorgaben, aber ich als Hofer rede eben anders als die Bambergerin Eli.“ Kollegin Wasserscheid nimmt die Debatte auch eher amüsiert wahr. „Nicht bei jedem Franken ist doch der Dialekt gleich ausgeprägt.

“ Nur für die Berlinerin Manzel „sprechen alle gleich“, egal ob Ober-, Mittel oder Unterfranke. Das fränkische „Bassd scho“ habe sie gar in ihren aktiven Wortschatz übernommen. Nach dem neuen Krimi könnte die „Erodig“, die fränkische Erotik, noch hinzukommen, wenn man Anspielungen aus der Crew glauben darf.

Ganz Franken rief an

Für Heckner und Produzentin Kirsten Hager ist die Diskussion um den wahren Dialekt nur ein weiteres Zeichen für die hohe Identifikation der Franken mit ihrem „Tatort“. Wieder sei der Run auf Komparsenrollen groß gewesen. Und als man kurz vor Drehbeginn via Facebook noch ein Haus als Motiv gesucht habe, „war es, als rief plötzlich ganz Franken an“, so Hager. In Großstädten wie München oder Berlin stießen die Filmemacher nicht auf ähnliche Begeisterung.

Der Pressetermin fand im früheren Quelle-Sitz statt. In der ehemaligen Chefkantine hatte Szenenbildner Dominik Kremserskothen mit viel Liebe zu Details das Kommissariat Franken aufgebaut. Ein Büro-Sammelsurium von den 60er Jahren bis heute mit Polizei-Teddy, Orchidee und Zauberwürfel zwischen Handakten, Fahndungsfotos und Fingerabdrücken.

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