ERLENBACH

Wanderweg: Immer dem Rotweinglas folgen

Durch die Weinberge Von Erlenbach bis nach Klingenberg führt die schönste Etappe des Fränkischen Rotwein- wanderwegs.
Blick über das Maintal: Vom Fränkischen Rotweinwanderweg aus hat man immer einen herrlichen Blick, hier auf den Main und auf Klingenberg. Foto: Claudia Kneifel

Erlenbach ist mit 10 000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Miltenberg. Am Bergschwimmbad wartet bereits der Winzer Reinhold Hillerich. Er ist Gästeführer und bietet geführte Wanderungen auf dem Fränkischen Rotweinwanderweg an.

Seit 1990 verbindet der 70 Kilometer lange Weg in sechs Etappen die Weinlagen in Churfranken. Er beginnt in Großwallstadt und wer stets der Markierung mit dem Rotweinglas folgt, beendet die Wanderung im Bürgstadter Centgrafenberg.

Die Etappe zwischen Erlenbach und Klingenberg ist zwar nur drei Kilometer lang, hat dafür aber einiges zu bieten: einen Klettersteig, eine Kletterwand und einen Kräutergarten. „Das Einzigartige sind unsere historischen Buntsandsteinterrassen“, sagt Hillerich. Nach einem kurzen Anstieg hoch in die Weinberge beginnt der Weg und verläuft die ganze Zeit eben, parallel zum Main.

Gleich oben angekommen hat man eine herrliche Aussicht auf das Maintal, entdeckt die Schiffswerft von Erlenbach und die gleich neben der Werft, in einem Weinberg gelegene ehemalige Werftbesitzer-Villa. Gebaut im Jahr 1923 gehörte sie dem damaligen Direktor der Erlenbacher Schiffswerft, Robert Mundt, einem Kompagnon der alteingesessenen Schiffbauer-Familie Schellenberger.

Doch jetzt geht es drei Kilometer lang um Wein, vor allem Rotwein. Denn mindestens die Hälfte der Anbaufläche ist für rote Reben reserviert. „Seit 1870 die Reblaus von Amerika nach Deutschland eingeschleppt wurde, pflanzen die Winzer sogenannte Unterlagsreben“, erklärt Reinhold Hillerich. Die Unterlagsreben werden mit einheimischen Edelreisern gepfropft oder veredelt.

Buntsandstein: Steile Stufen führen hinauf in den Weinberg.

„So kann der komplizierte Fortpflanzungszyklus der Reblaus unterbrochen werden.“ Heute macht die Kirschessigfliege den Winzer weit größere Sorgen und ist zum Schädling Nummer eins geworden. „Die setzt sich gerne in dunkle Früchte wie Kirschen, Heidelbeeren, Himbeeren und Trauben. Durch ihre schnelle Vermehrung hat sie 2014 bereits große Schäden an den roten Reben verursacht.“

Immer wieder bleibt Hillerich stehen und erklärt Interessantes über den Wein. Zum Beispiel wie man die verschiedenen Rebsorten schon an den Blättern erkennen kann: „Müller-Thurgau hat ein fünfblättriges Blatt, Scheurebe hat zwei Blätter gegenüber dem Trieb, Portugieser hat glänzend dunkle Blätter und Dornfelder erkennt man am roten Holz“, verdeutlicht der Winzer. Damit die Trauben vor zu viel Sonneneinstrahlung geschützt sind, brauchen Sie mindestens sieben Blätter, die Schatten spenden.

Die Buntsandsteinterrassen sind denkmalgeschützt. Über eine steile Treppe gelangt man in den Churfranken Kräutergarten. Dort wachsen 70 verschiedene Küchenkräuter, wie Rosmarin, Lavendel, Minze, Thymian, Liebstöckel, Basilikum und mehr. Der Kräutergarten ist öffentlich zugänglich und es ist sogar erlaubt, sich Kräuter mitzunehmen. Gegenüber befindet sich über eine steile Stahlleiter der Einstieg in den Klettersteig, der einen halben Kilometer lang ist. Hier sollte man allerdings schwindelfrei, trittsicher und leitersicher sein. Der Pfad führt über Stock und Stein. Endpunkt ist eine Kletterwand.

Auf dem Weg kommt man an den Weinbergen von Reinhold Hillerich vorbei. Für einen Hektar Anbaufläche muss der Winzer 1000 bis 1200 Stunden im Weinberg verbringen. „An diesem Steilhang ist alles Handarbeit“, erklärt er. Alle Trockenmauern, die die Wärme so wunderbar speichern, sind von Hand errichtet. Ihr Erhalt wird mit Fördermitteln der Europäischen Union gesichert. Immer wieder führen schmale Treppenstufen ganz nach oben. Den 60-Jährigen hält die Arbeit am Weinberg fit: „Ich war in meinem Leben noch in keinem Fitnessstudio“, sagt Hillerich und grinst.

Im August und September, wenn die Weinberge voller reifer Trauben sind, ist der Rotweinwanderweg am schönsten. Hillerich ist der einzige Winzer in Franken, der Portwein ausbaut. Die Idee ist ihm dazu auf einer Weinfachreise durch Portugal gekommen. Der Portwein, oder einfach kurz Port, ist ein Süßwein und gehört seit Jahrhunderten zu den Klassikern in der Weinwelt. „Ich habe Parallelen zu den steilen Weinberglagen am Douro und in Churfranken gesehen“, erklärt Hillerich. In Eichenfässern reifte 2011 der erste Portwein aus fränkischen Regent-Trauben. Bei der Berliner Wein Trophy 2013 wurde dieser sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Nach einer ausgiebigen Rast mit kleiner Weinprobe erreicht man Klingenberg. Schon von oben lädt die mittelalterliche Stadt mit ihren Fachwerkhäusern, ihrem Stadtschloss und den romantischen engen Gassen zum Verweilen ein. Über allem prägt die Ruine der Clingenburg das einzigartige Stadtbild. Dort finden alljährlich die Clingenburg Festspiele statt und sorgen für Leben auf der Burg.

Bürgermeister Ralf Reichwein hat in diesem Jahr leer stehende Gewerberäume für geringe Mieten an Künstler vermietet. Noch bis Jahresende beleben 18 Maler, Bildhauer, Grafiker und Mosaikleger die Innenstadt mit Kunst, Vernissagen und Aktionen.

Mit dem Zug gelangt man wieder zurück nach Erlenbach oder Miltenberg. Der Marktplatz dort mit seinem Schnatterloch zählt zu den am häufigsten fotografierten touristischen Ansichten Deutschlands, sagt zumindest Gästeführerin Dorothea Zöller. Sie führt vom Schnatterloch hinauf zur Mildenburg. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Altstadt, den Main und weit nach Churfranken hinein. In der Burg befinden sich gleich zwei Museen: das Ikonen-Museum der Diözese Würzburg und das Museum Burg Miltenberg.

Zum Schluss gibt es noch eine Führung durch die Brauerei Faust, die schon auf eine 360-jährige Geschichte zurückblicken kann. Zu sehen gibt es in dem fünfstöckigen Fachwerkhaus Sudhaus, „offene Gärung“ und den Eiskeller, wo schon vor Jahrhunderten das Bier gelagert wurde. Danach kann man bei einer Bierprobe alle 13 verschiedenen Bierspezialitäten probieren.

Tipps für den Trip

Seit 1990 verbindet der Fränkische Rotweinwanderweg die Weinlagen in Churfranken. Auf 70 Kilometern Länge kann man entlang wunderbar gelegener Weinberge, Städte und Dörfer die reizvolle Umgebung des Maintals erwandern. Der Fränkische Rotweinwanderweg beginnt in Großwallstadt und wer stets der Markierung mit dem Rotweinglas folgt, schließt die Wanderung im Bürgstadter Centgrafenberg ab.

Im Internet gibt es eine interaktive Karte, die man anschauen, ausdrucken und auf ein GPS-Gerät oder Smartphone herunterladen kann. Infos: Churfranken e.V., Hauptstraße 57, 63897 Miltenberg, Tel. (0 93 71) 6 60 69 75, E-Mail: info@churfranken.de, Internet: www. churfranken.de

 

Rückblick

  1. Wanderung in die Wald-Einsamkeit zum Forsthaus Aurora
  2. Wandern zu den Mühlen: Wie Perlen auf einer Schnur
  3. Museumsbesuch: Wo Persil-Dame auf Marlboro-Man trifft
  4. Gemüse-Raritäten: Kräuter, Kraut, Rüben und Geschichten
  5. Wanderweg: Immer dem Rotweinglas folgen
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  7. Ein Feuchtgebiet inmitten von Flugsand
  8. Franziskusweg: An der Thüringer Hütte zur Besinnung kommen
  9. Schönrain: Die einsame Ruine im Spessart
  10. Ausflugstipp: Mit dem Rad durch die Rhön und das Grabfeld
  11. Kronach: Die kleine Perle in Oberfranken
  12. Vom Steinbruch zum Erlebnispfad
  13. Technikmuseum: Vom Mini-Radio bis zur Dampfmaschine
  14. Wandertour zum Himmeldunkberg in der Rhön
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  18. Wasserbüffel im Naturpark Spessart
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  20. Die Gamburg im Taubertal
  21. Die Gartenschau in Alzenau
  22. Gastronomische Ziele krönen die Rhönwanderung
  23. Radtouren auf dem historischen Rennweg
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  28. Floßfahren an der Badebucht
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