MÜNCHEN

Wasserkraft verfehlt Ausbauziel

An der Donau: Das Wasserkraftwerk Jochenstein im Landkreis Passau Foto: Armin Weigel, dpa

Durch schlechte politische Rahmenbedingungen und fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung kommt der im Zuge der Energiewende geforderte Ausbau der Stromerzeugung aus Wasserkraft in Bayern nicht voran. Dies beklagt der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), in dem sich unter anderem große und kleine Betreiber von Wasserkraftwerken zusammengeschlossen haben.

„Wir erwarten uns mehr Unterstützung der Politik“, sagte der Vorstand der Rhein-Main-Donau AG (RMD), Albrecht Schleich, vor Journalisten in München. Denn seit der Erstellung eines bayerischen „Energiekonzepts“ im Jahr 2011 „hat sich wenig bewegt, was die Wasserkraft betrifft“, klagt Schleich.

In dem Konzept, für das es nach wie vor keine Neufassung gibt, hatte die damalige CSU/FDP-Staatsregierung einen Ausbau der Wasserkraft um rund zwei Milliarden kWh bis zum Jahr 2021 angekündigt. Damit sollte der Anteil des Wasserstroms von rund 14 auf mehr als 17 Prozent des bayerischen Strombedarfs erhöht werden. Derzeit wird mit rund 12,5 Milliarden kWh pro Jahr knapp die Hälfte des bayerischen Öko-Stroms aus Wasserkraft gewonnen.

CSU-Ziel „nie realistisch“

„Diese zwei Milliarden kWh Ausbauziel waren nie realistisch“, findet Schleich. Denn der dafür notwendige Neubau von Wasserkraftwerken sei nicht rentabel und stoße auch auf große Widerstände etwa bei der Fischereiwirtschaft und Umweltverbänden. Selbst kleinere Anlagen ließen sich vor Ort nur schwer durchsetzen, berichtete auch VBEW-Mann Detlef Fischer – und nannte als Beispiel ein umstrittenes Projekt in Hindelang im Allgäu. „Ohne gesellschaftliche Akzeptanz kommen wir hier nicht weiter“, beklagte Fischer.

Machbar sind aus Sicht der Kraftwerksbetreiber jedoch Ausbau und Effizienzsteigerung bestehender Kraftwerke – falls die politische Unterstützung stimmt. Allein am Main gibt es eine Kette von 34 Wasserkraftwerken, die laut RMD-Chef Schleich mit zusätzlichen Turbinen und effizienterer Technik aufgerüstet werden könnten.

Als Beispiel nannte Schleich das Kraftwerk Rothenfels (Lkr. Main-Spessart), in das die RMD ab Frühsommer 13 Millionen Euro für eine zusätzliche Turbine und moderne Fischaufstiegshilfen investieren will.

Nutze man die vorhandenen Ausbau-Möglichkeiten, könnte in Bayern zumindest eine Milliarde kWh Wasserkraft-Strom zusätzlich erzeugt werden. Dies entspreche rund 500 Windrädern oder gut 400 Fußballfeldern mit Photovoltaik-Anlagen, rechnet RMD-Mann Schleich vor. Insgesamt muss in Bayern durch die Abschaltung der Atomkraftwerke eine Deckungslücke von rund vierzig Milliarden kWh gedeckt werden.

Um dafür ihren Beitrag leisten zu können, bräuchten aber auch die Betreiber der bayerischen Wasserkraftwerke langfristige Investitionssicherheit, fordert VBEW-Chef Wolfgang Brandl: „Allerdings hat das Hin und Her der bayerischen Energiepolitik in letzter Zeit nicht gerade die Zuversicht der Energiewirtschaft gestärkt, Geld für neue Projekte in die Hand zu nehmen“, kritisiert Brandl.

Zudem müsse die CSU-Staatsregierung auch nach dem Ende ihres „Energiedialogs“ weiter um mehr Akzeptanz in der Bevölkerung werben, verlangt Brandl: „Denn egal für welche Variante man sich entscheidet: Eine Energiewende, die man im Landschaftsbild nicht sieht, kann und wird es nicht geben.“

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