WÜRZBURG

Werdende Mütter verzweifelt: Zu wenige Hebammen in Unterfranken

Hebammenpraxis in Ettlingen
Hohe Kosten und die steigende Nachfrage führen zu einem eklatanten Hebammen-Mangel in Unterfranken - besonders in Städten wie Würzburg ist die Situation kritisch. Foto: Uli Deck (dpa)

Es gibt zu wenige Hebammen. Was werdende Mütter gefühlt schon immer wussten, wurde nun offiziell von einer Studie bestätigt, die das Berliner Forschungsinstitut IGES für das bayerische Gesundheitsministerium durchführte. Dort heißt es: „Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass Handlungsbedarf besteht, um die Versorgung mit Hebammenleistungen in Bayern zu sichern. Gemessen an der Nachfrage von Schwangeren bzw. jungen Müttern bestehen derzeit Versorgungsengpässe.“ Dies ist auch in Unterfranken der Fall.

Geburten gestiegen - Leistungsangebot verringert

Laut einer Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums gibt es in Unterfranken 410 freiberufliche Hebammen und Entbindungspfleger, die in ambulanten Einrichtungen tätig sind sowie 118 festangestellte Hebammen. Dem stehen 272 436 Frauen im gebärfähigen Alter sowie 11 968 Geburten in Unterfranken im Jahr 2017 gegenüber.

Laut IGES-Studie ist die Geburtenrate in Bayern im Zeitraum 2011 bis 2016 um 21,3 Prozent gestiegen, während das Leistungsangebot der bayerischen Hebammen sich zunehmend verringert. So plane ein großer Anteil der Hebammen in Bayern Leistungen wie Wochenbettbetreuung, Geburtsvorbereitungskurse und Hausgeburtshilfe zu reduzieren oder ganz einzustellen. Ähnlich sieht es in Unterfranken aus, wo die Geburtenrate laut Bayerischen Landesamt für Statistik im gleichen Zeitraum um rund 19 Prozent gestiegen ist.

Mütter sind verzweifelt

„Wenn Mütter sich nicht rechtzeitig um eine Hebamme bemühen, dann haben sie keine Chance“, sagt Kathrin Fleischmann, Kreissprecherin des Bayerischen Hebammen Landesverbandes in Würzburg. In Unterfranken gebe es in allen Bereichen zu wenige Hebammen. Wegen der hohen Sozialabgaben lohne es sich für Hebammen nicht, in Teilzeit zu arbeiten, weswegen viele Hebammen lieber auf 450-Euro-Basis arbeiteten. Diese könnten dann lediglich eine Mutter pro Monat betreuen. Auch seien die hohen Haftpflichtversicherungsprämien für Geburtshelferinnen ein Problem: „Als ich vor 11 Jahren als Hebamme anfing, lag die Haftpflichtprämie bei 1500 Euro pro Jahr. Inzwischen muss ich 8000 Euro pro Jahr bezahlen.“

Maria Ahmed, leitende Hebamme im Universitätsklinikum Würzburg bestätigt den steigenden Bedarf an Hebammen in Unterfranken. Besonders kritisch sei die Situation in größeren Städten wie Würzburg. Ähnlich wie in München falle es werdenden Müttern dort besonders schwer, eine Hebamme zu finden. Oft bekomme sie Anfragen von verzweifelten Müttern auf der Suche nach einer Hebamme. Diese leite sie dann an freiberufliche Kolleginnen weiter. Wie oft so eine Vermittlung Erfolg habe, weiß sie aber nicht. Maria Ahmed sieht hier den Landesverband bayerischer Hebammen sowie die Krankenkassen in Verantwortung: „Wir brauchen eine zentrale Hotline. Von dort sollen die Anfragen der Mütter koordiniert verteilt werden.“

Die Idee einer Hotline zur Koordinierung der Anfragen von Müttern unterstützt auch Kathrin Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes. Die Verantwortung sieht sie allerdings bei den Kommunen. „Wir sehen uns dabei eher als Verbindungsglied und unterstützen die Kommunen gerne mit Know-How.“ Deutlich größerer Fokus müsste zudem auf eine akademische Ausbildung der Hebammen gelegt werden. Nur so könnten junge Menschen ausreichend auf die Herausforderungen des Berufes vorbereitet werden. Zwar sehe eine EU-Richtlinie die Überführung der Hebammenausbildung an die Hochschulen bis 2020 vor. In Deutschland sehe sie allerdings wenig Bestreben, dies auch tatsächlich umzusetzen.

Bessere Bezahlung als Lösung? 

Eine verstärkte Nachwuchsförderung empfehlen auch die Autoren der IGES-Studie. Wichtig sei zudem eine „verlässliche, umfassende und kleinräumige Statistik über das Hebammenangebot“. Nur durch eine Verbesserung der Datenlage über das Leistungsangebot freiberuflicher Hebammen könnten Engpässe rechtzeitig erkannt und passende Maßnahmen ergriffen werden. Ziel müsste es außerdem sein, vorhandene Angebotskapazitäten der Nachfrage effizienter zuzuordnen.

Schlussendlich nennen die Autoren der Studie außerdem eine bessere Bezahlung der Hebammenleistungen als Lösung gegen den Hebammen-Mangel.

Steigende Kosten, wie etwa höhere Haftpflichtprämien für Hebammen könnte der Freistaat Bayern durch finanzielle Zuwendungen abfangen und den Beruf somit attraktiver machen.

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