München

Wie Markus Söder die Autobranche antreiben will

Der Ministerpräsident will im Schulterschluss von Freistaat, Industrie und Gewerkschaften das Autoland Bayern retten. Die IG Metall fordert aber zuerst andere klare Signale.
Will, dass Bayern ein führender Standort der Autoindustrie bleibt: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit BMW-Vorstandschef Oliver Zipse beim "Zukunftsforum Automobil". Foto: Jennifer Weese, dpa

In einer "Gemeinsamen Erklärung" haben sich namhafte Vertreter der Wirtschaft und der Gewerkschaften sowie die Bayerische Staatsregierung am Montag verpflichtet, Bayern in engem Schulterschluss als führenden Standort der Automobilindustrie verteidigen zu wollen. Der Freistaat werde die technologische Transformation der Branche dabei bis 2023 mit rund 300 Millionen Euro fördern, erklärte Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Das Papier ist das Ergebnis des im Februar gestarteten bayerischen "Zukunftsforums Automobil". Konkret will der Freistaat vor allem kleineren Automobilzulieferern "Finanzierungsbrücken" bei der Umstellung auf neue Technologien anbieten und die staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung bei neuer Antriebstechnik und Digitalisierung ausbauen. Darüber hinaus soll die Weiterbildung von bis zu 50 000 Beschäftigten in den Betrieben mit 77 Millionen Euro staatlich unterstützt werden. Die Fördermittel hatte Söder bereits Anfang Oktober in seiner "Hightech Agenda Bayern" angekündigt.

Söder: Auto nicht zum Feindbild erklären

"Wir müssen aus dem Dornröschenschlaf der letzten Jahre heraus", forderte Söder mit Blick auf die Autobranche in Deutschland. Industrie wie Staat bräuchten "mehr Speed und Spirit für die Zukunft des Automobils". Neue Technik müsse schneller auf die Straße, um den technologischen Vorsprung verteidigen zu können: "Bayern ist ein Autoland und will ein Autoland bleiben." Das Auto sei weltweit "der Technologieträger der Zukunft", der zudem in Bayern viel Wohlstand sichere. Der Ministerpräsident warnte deshalb davor, "das Auto zum Feindbild zu erklären" - oder sich voreilig politisch auf eine Antriebstechnik festzulegen.

Rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung und etwa 16 Prozent der Arbeitsplätze hängen in Bayern am Auto. Doch die Branche ist in einer schweren Krise: "Die Industrie steckt in einer echten Rezession", warnt etwa Wolfram Hatz, der Präsident des Wirtschaftsverbandes vbw. Auch in Unterfranken hatten zuletzt Firmen wie Leoni, Schaeffler, Bosch-Rexroth oder Brose, aber auch viele kleinere Unternehmen auf die Talfahrt mit Stellenstreichungen und Kurzarbeit reagiert. Allein in Mainfranken hatten Mitte Oktober mehr als 90 Betriebe mit mehr als 3000 Mitarbeitern Kurzarbeit angemeldet.

IG-Metall: Unternehmen bremsen oft Weiterbildung der Mitarbeiter

IG-Metall Bezirksleiter Johann Horn hätte sich deshalb vom bayerischen Autoforum klarere Ergebnisse für die Belegschaft gewünscht. Zu Söders politischem Signal pro Auto müsse nun "ein Signal pro Beschäftigung kommen", forderte Horn: "Wir brauchen mehr und konkretere Maßnahmen, um den Beschäftigten Sicherheit zu geben." Hier seien die Gespräche mit den Unternehmen allerdings "sehr zäh" verlaufen: Viele Firmen wollten den technologischen Wandel offenbar nur nutzen, "um Produktion im großen Stil in Billiglohnländer zu verlagern".

Viele Unternehmen seien zudem nicht bereit, klare Ziele und ausreichend Angebote zur Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter zu schaffen. Ob Söders Auto-Forum "nur Symbolpolitik ist, oder ob sich daraus noch echte Lösungen für die Beschäftigten erwachsen", müsse sich deshalb erst noch zeigen, warnte Horn.

Der Freistaat könne nur "pushen, Impulse setzen", entgegnete Söder. Die Umsetzung einzelner Maßnahmen liege dagegen bei den Tarifpartnern. Sein Ziel bleibe aber, "den Transformations-Prozess so zu steuern, dass wir nicht die Verlierer sind".

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