MÜNCHEN

Zurück zum neunstufigen Gymnasium?

Der große Ansturm auf die neue neunjährige Variante des Gymnasiums in Bayern hat die Debatte über die Zukunft dieser Schulart neu entfacht: „Es gibt eine Abstimmung mit den Füßen in Richtung neun Jahre“, findet der SPD-Bildungsexperte Martin Güll. Die SPD fordert deshalb, im Unterrichtsgesetz statt acht wieder neun Jahre Gymnasium zur Regel zu erklären: „Denn im Gesetz muss stehen, was die Mehrheit wählt – und nicht die Ausnahme“, verlangt Güll.

Am Montag war bekannt geworden, dass sich an den 47 bayerischen Pilotschulen im Schnitt rund sechzig Prozent der Schüler für die verlängerte „Mittelstufe Plus“ entschieden haben. Diese Schulen – davon sieben in Unterfranken – sollen die neue, Variante mit verringerter Stundenzahl und ohne Nachmittagsunterricht bis zur zehnten Klasse in den kommenden zwei Jahren testen.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) war davon ausgegangen, dass nur rund ein Viertel der Schüler das längere Gymnasium besuchen will. Als Voraussetzung für die Wahl ist zudem ein nicht näher definierter „pädagogischer Bedarf“ vorgesehen.

„Wir wissen jetzt: Die Eltern entscheiden sich anders, als Spaenle und die CSU-Fraktion geglaubt haben“, sagt Güll. Vor allem die „Hardliner“ in der Landtags-CSU müssten deshalb endlich einsehen, „dass sie völlig falsch unterwegs sind“.

„Die Mittelstufe Plus ist jetzt schon ein Rohrkrepierer“, schimpft Güll – weil sie nur als Ausnahme eines nach wie vor auf acht Jahre angelegten Gymnasiums konzipiert sei. „Befriedung und Ruhe an den Schulen wird es mit diesem Kurs der CSU aber nicht geben“, glaubt Güll. Notwendig sei vielmehr, auch vom Lehrplan her ein neues neunjähriges Gymnasium zu konzipieren, dass für schnellere Schüler jedoch einfach zu nutzende „Überholspuren“ umfasse, fordert die Landtags-SPD.

Eine Kehrtwende, von der die Freien Wähler nichts halten. Als Konsequenz aus dem hohen Zuspruch für das längere Gymnasium fordern sie vielmehr eine schnelle Ausweitung der Mittelstufe Plus in ganz Bayern: „Die Staatsregierung muss schnellstmöglich handeln und den Modellversuch zur Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9 erweitern“, verlangt der Freie-Wähler-Bildungsexperte Günther Felbinger.

Zumindest müssten die 24 Gymnasien, deren Bewerbung für den Modellversuch zunächst abgelehnt worden war, jetzt noch berücksichtigt werden. Auch dürfe kein Schüler, der an einer Pilotschule die neunjährige Variante wählen wolle, abgewiesen werden, forderte Felbinger.

Vor allem Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sei jetzt gefordert, Wort zu halten, findet Felbinger: „Er hat mehrfach signalisiert, für alle, die die Mittelstufe Plus möchten, die nötigen Ressourcen bereitzustellen.“ Die CSU-Staatsregierung müsse nun endlich „Farbe bekennen“.

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