München

Noch immer kein Geld für Jugendsozialarbeit an Schulen

Corona hat soziale Probleme von Kindern noch verstärkt, warnen Experten. Doch versprochene Stellen für Jugendsozialarbeit an Schulen lassen in Bayern auf sich warten.
Soziale Probleme bei Kindern wurden durch die Corona-Schul-Schließung noch verstärkt, warnen Experten. Die Staatsregierung hat ihre Versprechen für mehr Jugendsozialarbeit trotzdem nicht erfüllt.
Soziale Probleme bei Kindern wurden durch die Corona-Schul-Schließung noch verstärkt, warnen Experten. Die Staatsregierung hat ihre Versprechen für mehr Jugendsozialarbeit trotzdem nicht erfüllt. Foto: Oliver Berg, dpa

Für Schulen ist die Corona-Krise auch eine soziale Herausforderung: „Die sozialen Probleme an den Schulen sind durch Corona eher noch größer geworden“, bestätigt etwa Michael Langenhorst, Gemeinde-Jugendpfleger in Waldbüttelbrunn (Lkr. Würzburg). Schon an den Grundschulen leide rund ein Drittel der Kinder besonders unter den Folgen des „Lockdowns“, berichtet Langenhorst. Und gerade Schüler mit schwierigem Umfeld habe die monatelange Schulschließung oft besonders schwer getroffen.

"Die sozialen Probleme an den Schulen sind durch Corona eher noch größer geworden."
Michael Langenhorst, Gemeinde-Jugendpfleger in Waldbüttelbrunn

Umso mehr fällt nun auf, dass die Söder-Regierung ihre Versprechen zum Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) noch immer nicht erfüllt hat: Bereits im September 2018 hatte die damalige CSU-Staatsregierung 280 zusätzliche Stellen vor allem für den Ausbau an Grundschulen angekündigt. Das nötige Geld dafür gibt es aus München allerdings bis heute nicht.

„An den Grundschulen gibt es durchgängig präventiven sozialpädagogischen Bedarf“, glaubt jedoch Rita Heeg, die für die Grünen im Würzburger Kreistag sitzt. Doch der Freistaat habe bislang nicht nur sein Förder-Versprechen nicht gehalten, sondern werfe engagierten Kommunen sogar noch Knüppel zwischen die Beine: „Wenn etwa der Landkreis Würzburg jetzt JaS-Stellen vorfinanziert, bleibt er dauerhaft auf diesen Kosten sitzen, selbst wenn es ein neues Förderprogramm aus München gibt“, weiß Heeg. Also warte man nicht nur in Unterfranken seit Jahren auf eine Entscheidung der Staatsregierung: „Doch da tut sich nichts“, klagt Heeg.

Celina: Folgen des staatlichen Nichtstuns baden die Familien aus

Die Söder-Regierung müsse „ihre Hinhaltetaktik endlich beenden, denn die Folgen für weiteres Nichtstun baden die Schüler und ihre Familien aus“, schimpft deshalb auch die unterfränkische Grünen-Abgeordnete Kerstin Celina. Es sei schon 2019 „ein starkes Stück“ gewesen, dass die Staatsregierung ihr JaS-Versprechen nicht eingelöst habe, bekräftigt der Würzburger Grüne Patrick Friedl: „In der Corona-Schul-Krise ist diese Verweigerungshaltung ein Anschlag auf die schwächsten und bedürftigsten Kinder.“ Trotz der Milliarden-Summen, die der Landtag zur Linderung der Corona-Folgen freigegeben habe, stünden die Kommunen mit diesen Problemen weiter völlig alleine, schimpft Friedl: „Das ist schlicht skandalös.“

Sozialministerin verweist auf den nächsten Haushalt

Eine schnelle Problemlösung will Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) auf Nachfrage dennoch nicht versprechen. Die Jugendsozialarbeit an Schulen sei aber „eine Erfolgsgeschichte, die es in den nächsten Jahren fortzuführen gilt“, teilt sie stattdessen mit. Sie werde sich deshalb dafür einsetzen, dass im neuen Staats-Haushalt 2021/2022 zusätzliches Geld für die 2018 versprochenen Stellen bereitgestellt wird.

Ob dies gelingt, ist angesichts leerer Kassen auch in Bayern jedoch offen. Immerhin gilt laut Finanzminister Albert Füracker (CSU) trotz aktueller Steuerausfälle in Milliardenhöhe weiter das Söder-Versprechen, alle vor Corona gemachten politischen Zusagen einzuhalten.

CSU-Sozialpolitiker: Kein Punkt für Einsparungen

Unterstützung kommt zudem von den Sozialpolitikern in der Landtags-CSU: „Der Ausbau der JaS-Stellen darf nicht unter Corona-bedingten Einschränkungen leiden“, beteuert der sozialpolitische Sprecher Thomas Huber (CSU): „Es wäre der völlig falsche Punkt, an dieser Stelle mit Einsparungen zu beginnen.“ Er gehe deshalb davon aus, dass die angekündigten Stellen ab 2021 finanziert werden, so Huber: „Ich stehe jedenfalls absolut hinter dieser Entscheidung.“

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