WÜRZBURG

Studie der Uni Würzburg: Aggressive Kinder beim Schießsport

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Foto: Robert Köhler | Schützenverein (Symbolbild)

Es war vor allem ein Ergebnis, das am Mittwoch bei der Vorstellung einer repräsentativen Studie der Uni Würzburg über die Bildungsarbeit des Deutschen Schützenbundes aufhorchen ließ: Die Kinder und Jugendlichen, die in die Schützenvereine kommen, sind aggressiver als der Durchschnitt. Die Forscher hatten 100 Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren, die neu zum Schießsport gekommen waren, über drei Jahre lang in ganz Deutschland befragt.

Wie der leitende Forscher der Untersuchung im Würzburger Institut für Sportwissenschaft, Professor Harald Lange erklärte, ziehe der Schießsport Kinder und Jugendliche an, die ein leicht erhöhtes Aggressionspotenzial haben. Und: „Im Lauf des dreizehnmonatigen Beobachtungszeitraumes ist dieser Wert noch einmal leicht angestiegen.“ Das, so Lange, seien kritische Befunde. Sie würden dem Schützenbund aber auch die Möglichkeit geben, entsprechend zu reagieren und die Ergebnisse nun in ihre Konzepte und Richtlinien einzuarbeiten.

Genau das, so erklärte der Vizepräsident des mit 1,4 Millionen Mitgliedern viertgrößten deutschen Spitzensportverbandes, Jürgen Kohlheim, nun bei der Vorstellung der Ergebnisse in Würzburg, sei schon in die Wege geleitet worden. „Diese Studie ist für unseren Verband von großer Bedeutung. Es ist gut und richtig, dass wir auf drängende gesellschaftliche Fragen fundierte und vor allem wissenschaftlich belastbare Antworten erhalten“, erklärte er. Enttäuscht sei er insofern von dem Ergebnis nicht. Zumal die Forscher dem Verband nach ihrer Langzeitstudie eine hohe Qualität in der Bildungsarbeit bescheinigten.

Dass die kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit nun neuen Auftrieb bekommen könnten, ist eine Folge der ergebnisoffenen Studie, die von den Verantwortlichen allerdings entspannt gesehen wird. Denn eines hat die Studie eben auch gezeigt: Überall dort, wo trainingspädagogische Nacharbeit auf hohem Niveau geleistet wird, wo Kinder und Jugendliche lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, ihrer Enttäuschung und Wut gezielt zu begegnen, überall dort, wo engagierte und gut ausgebildete Trainer am Werk sind, zeigte sich ein positiver Umgang von Jugendlichen mit Niederlagen oder negativen Emotionen.

Die Längsschnittstudie gibt keinen Hinweis darauf, dass die Aggressionsaffinität auf das Ausüben des Schießsports zurückzuführen ist. Viel wahrscheinlicher, so die Forscher, sei diese Entwicklungstendenz darauf zurückzuführen, dass aggressivere Kinder und Jugendliche eher dazu neigen, einen Schützenverein als einen anderen Sportverein auszuwählen. Ein erhöhtes Aggressionspotenzial, so Lange, sei zwar im Sport, vor allem im Leistungssport, nicht ungewöhnlich oder per se etwas Schlechtes. Allerdings müsse man bedenken, dass eine erhöhte Aggression nach einem Mittelstreckenlauf gegen null tendiere, wohingegen nach der Ausübung von reinen Schießübungen dringend eine Nacharbeit und vor allem zusätzlicher Sport erforderlich seien, um Emotionen zu regulieren. Die Studie habe gezeigt, dass bei den Schützen Angst und Aggression nach dem Training vergleichsweise stärker aktiviert sind als positive Gefühle. Die eigene Einschätzung wich davon ab: Im Selbstbericht der Schützen fand sich eine solche Steigerung nicht.

Ein neu entwickeltes Qualifizierungsprogramm soll nun die Kompetenz der Trainer und damit die Konfliktfähigkeit der Schützen steigern, ein ganzheitliches Training flächendeckend in den Vereinen Einzug halten. „Natürlich ist es angesichts von 15 000 Schützenvereinen schwer, überall den Einblick zu bekommen, den wir brauchen, aber wir sind auf einem guten Weg“, erklärte DSB-Vize Kohlheim. Das bestätigte Karin Fehres, Mitglied des Vorstandes Sportentwicklung im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB): „Ich bin zuversichtlich, dass Professor Langes Empfehlungen hier auf fruchtbaren Boden fallen.“

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Melanie Jäger
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