Retzbach

SuedLink: Steht die Planung?

Die Vorschläge der rot-rot-grünen Landesregierung von Thüringen zur Trassenführung der Stromautobahn SuedLink hatten im Sommer vor allem im Landkreis Main-Spessart für Wirbel gesorgt. Jetzt sind diese nach Ansicht des CSU-Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann aus Retzbach (Lkr. Main-Spessart) „so gut wie vom Tisch“. Die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde will sich derweil noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen. „Zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nichts fest“, heißt es auf Nachfrage der Redaktion.

Im März hatten die Vorhabenträger Tennet und TransnetBW ihren „Vorschlagskorridor“ veröffentlicht. Demnach soll die Milliarden-Trasse, die Strom aus Norddeutschland bis Großgartach (Lkr. Heilbronn) leiten soll, über Thüringen unterirdisch entlang der Autobahn A71 nach Mainfranken geführt werden. Bei Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen) biegt sie dann Richtung Westen ab und führt durch die Landkreise Bad Kissingen, Schweinfurt, Main-Spessart und Würzburg weiter nach Baden-Württemberg.

Hoffmann beklagt St.-Florians-Prinzip

Im August kamen dann überraschend Alternativvorschläge aus Thüringen ins Spiel. Demnach sollte die Trasse das Bundesland weitgehend verschonen, andere Regionen aber wären deutlich mehr betroffen, so auch die Kreise Miltenberg und Main-Spessart. Gegen ein solches Vorgehen nach dem „Sankt-Florians-Prinzip“ wandte sich sogleich der Abgeordnete Hoffmann. Er sprach von einer „Unverschämtheit“. Protest kam auch vom bayerischen Wirtschaftsministerium.

Gleichwohl mussten Tennet und TransnetBW die Thüringer Variante durch Experten prüfen lassen. Jetzt haben Gutachter das Ergebnis einer Grobuntersuchung vorgelegt. Demnach eignen sich ihre Trassenvorschläge vom März deutlich besser für die Erdkabelverlegung als die Thüringer Alternative. „Dort gibt es weniger Raumwiderstände“, sagt Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. Das heißt, die Trasse hat geringere Auswirkungen für Mensch und Natur.

Hoffmann stimmt das Gutachten zuversichtlich, dass der Vorschlag Thüringens keine Berücksichtigung im weiteren Genehmigungsverfahren für den SuedLink findet. Bei Tennet tendiert man ebenfalls zu dieser Bewertung, verweist aber an die Bundesnetzagentur in Bonn, bei der die endgültige Entscheidung falle.

Netzagentur: Sorgfalt vor Schnelligkeit

Derzeit stehe noch nichts fest, betont Sprecher Olaf Peter Eul auf Nachfrage. Man könne nicht sagen, ob eine Entscheidung noch in diesem Jahr fällt. Derzeit werde das Gutachten, das Tennet und TransnetBW in Auftrag gegeben hatten, geprüft. Dabei gelte das Prinzip „Sorgfalt vor Schnelligkeit“. Von der Entscheidung der Netzagentur hänge es letztlich ab, ob der Trassenvorschlag der thüringischen Landesregierung im Genehmigungsverfahren bleibt oder nicht, so Sprecher Eul. Unabhängig davon gingen die weiteren Untersuchungen entlang der Trassenkorridore, die Tennet und TransnetBW vorgeschlagen haben, weiter. In der zweiten Jahreshälfte würden voraussichtlich auch erste Erörterungstermine stattfinden, bei denen unter anderem auch die betroffenen Kommunen und Grundstückseigentümer Kritik und Bedenken äußern können.

Baubeginn für den SuedLink könnte 2021 sein, so Experten. Der erste Ökostrom aus Norddeutschland würde dann 2025 durch die Erdkabel nach Süddeutschland geleitet werden.

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