Stockholm (dpa)

Schock und Jubel nach Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Sind Liedtexte Dichtkunst, sind Songschreiber auch Literaten? Nicht überall lässt sich diese Grenze klar ziehen, doch bei Bob Dylan ist die Sache für die Nobelpreis-Jury klar. Mit ihrer überraschenden Wahl entzweit sie Fans und Kritiker aus Literatur und Musik.
Bob Dylan
1984 trat Bob Dylan im Olympiastadion in München auf. Foto: Istvan Bajzat

Die überraschende Auszeichnung der US-Rocklegende Bob Dylan mit dem Literaturnobelpreis hat Fans und Musiker jubeln lassen und Kritiker in Diskussionen gestürzt.

Da mit dem 75-Jährigen erstmals ein Songschreiber mit dem wichtigsten Literaturpreis der Welt geehrt wird, entbrannte nach der Ankündigung aus Stockholm vom Donnerstag eine Debatte über den Preis selbst. Dylan sei ein „großartiger Dichter” und habe den „Status einer Ikone”, sagte die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, zur Begründung.

Dylan selbst war in den USA zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Jury konnte den als Robert Allen Zimmerman im US-Staat Minnesota geborenen Musiker nicht von ihrer Wahl in Kenntnis setzen. Man gehe aber davon aus, dass der Preisträger durch die Medien inzwischen von seinem Glück wisse, sagte Nobeljuror Per Wästberg der Deutschen Presse-Agentur. Am Donnerstagabend (Ortszeit) sollte Dylan als Teil seiner Tournee in Las Vegas (Nevada) auftreten.

„Bob Dylan ist der Vater meines Landes”, zitierte Rockmusiker Bruce Springsteen aus seiner neu erschienenen Biografie „Born to Run” und gratulierte Dylan zur Auszeichnung. Dylan habe sich getraut, die Fragen zu stellen, die niemand anders stellen wollte. Jarvis Cocker von der Band Pulp sprach dem britischen „Guardian” zufolge von einer „großartigen Wahl des Nobel-Komitees”.

US-Schriftstellerin Joyce Carol Oates bezeichnete die Preisvergabe als „inspirierend und echt”. „Seine eindringliche Musik und Lyrik schienen im tiefsten Sinn immer "literarisch"”, schrieb die Autorin („Schwarzes Wasser”, „Blond”) bei Twitter. „Songwriting ist Schreiben, und Bob Dylan ist einer der einflussreichsten Schreiber der vergangenen 100 Jahre”, schrieb Science-Fiction-Autor John Scalzi. Der indisch-britische Autor Salman Rushdie bezeichnete Dylan als „brillanten Erben der bardischen Tradition” und lobte die Wahl.

Andere Literaten äußerten sich kritischer . „?Niemand bestreitet, dass er ?ein genialer Musiker und ein großer Dichter ist”, schrieb der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu auf Facebook. „Aber es tut mir so leid um die wahren Schriftsteller, Adonis, Ngugi, DeLillo und weitere 2-3, die den Preis beinahe in der Tasche hatten.” Der britische Schriftsteller Irvine Welsh schrieb auf Twitter: „Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie-Preis.”

Mit Dylan wurde erstmals seit der Autorin Toni Morrison 1993 wieder ein US-Amerikaner mit der Auszeichnung geehrt. In seiner über ein halbes Jahrhundert langen Karriere wurde Dylan unter anderem mit einem Oscar, Pulitzer-Preis, Polar-Music-Preis und Golden Globe ausgezeichnet. Zu seinen berühmtesten Liedern zählen „Mr. Tambourine Man”, „Like A Rolling Stone” und „The Times They Are a-Changin'”. Dylan schreibe „Poesie fürs Ohr”, lobte Nobeljurorin Danius.

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 830 000 Euro) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember - dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) - gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen in Stockholm verliehen.

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Überraschung in Stockholm: Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis. Foto: Istvan Bajzat
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Bob Dylan machte im Zuge seiner ewig währenden Tournee 2012 Station in Benicassim (Spanien). Foto: Domenech Castello
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US-Präsident Barack Obama verleiht die Freiheitsmedaille an Bob Dylan. Foto: Jim Lo Scalzo
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Ein schönes Paar: Bob Dylan und Joan Baez 1965 in London. Foto: dpa
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Bob Dylan brachte die E-Gitarre in die Folkmusik. Foto: Str
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Bob Dylan 1981 in München. Foto: Frank Leonhardt

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