Berlin (dpa)

«Lost River»: Ryan Goslings düsterer Debütfilm

Auf viele Schauspieler scheint der Regiestuhl geradezu eine magische Anziehungskraft auszuüben. George Clooney und Ben Affleck beispielsweise sind seit Jahren auch als Regisseure unterwegs.
Lost River       -  Christina Hendricks spielt die alleinerziehende Mutter Billy. Foto: Bold Films/Tiberius Film
| Christina Hendricks spielt die alleinerziehende Mutter Billy. Foto: Bold Films/Tiberius Film

Dustin Hoffman drehte seinen ersten Film mit über 70, Russell Crowes Debüt lief vor einigen Wochen in unseren Kinos an, und Robert Downey Jr. und Jake Gyllenhaal suchen dringend nach geeigneten Stoffen für ihren ersten Film.

Jetzt hat auch der Shootingstar Ryan Gosling («Drive») die Seiten gewechselt. Mit «Lost River» legt der Kanadier eine alptraumartige Odyssee durch eine fast menschenleere Stadt vor. Dieser Ort mit seinen Abbruchhäusern und verwilderten Brachen erinnert stark an die marode US-Metropole Detroit. Dort stand Gosling vor einigen Jahren bei Dreharbeiten zu George Clooneys Politdrama «The Ides of March - Tage des Verrats» vor der Kamera, und der Drehort habe ihn, so gestand Gosling in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur, zu seinem Debütfilm inspiriert.

Im Mittelpunkt des Endzeitdramas, das bisweilen an die dunklen Filme eines David Lynch erinnert, steht die alleinerziehende, attraktive Mutter Billy (Christina Hendricks), die mit ihrem Teenagersohn Bones und einem Kleinkind die Geisterstadt partout nicht verlassen will.

Aber sie kann die Miete nicht mehr zahlen und heuert auf Drängen des obskuren Bankmanagers Dave (Ben Mendelsohn) in einem bizarren Nachtclub an, wo sie auf die Tänzerin Cat (Eva Mendes) stößt. Währenddessen verliebt sich Bones in das Nachbarmädchen Rat (Saoirse Ronan). Beide müssen sich vor dem Psychopathen Bully (Matt Smith) in Acht nehmen, der sich als eine Art Alleinherrscher über die Trümmerwüste in Szene setzt.

Im fast 100 Minuten Spielzeit schiebt der Regisseur seine Figuren hin und her, ohne dass viel passieren würde. Mal brennt sehr pittoresk ein Haus, dann muss eine Ratte sterben oder eine Großmutter erinnert sich an ihre Jugend. «Lost River» besteht aus lauter Einzelsequenzen, die sich nicht einmal wirklich zu einer bruchstückhaften Geschichte verbinden lassen.

Aber als experimenteller Bilderstrom funktioniert der Film auch nicht. Da können dann auch profilierte Darsteller wie Ben Mendelsohn, Saoirse Ronan oder Eva Mendes nicht viel ausrichten. Der Regisseur Gosling lässt seine Schauspieler-Kollegen im Regen stehen. So einfach ist der Seitenwechsel eben doch nicht.

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