Berlin (dpa)

«Westen»: Nellys neues Leben beginnt im Notaufnahmelager

Der «Westen» fängt für die aus der DDR geflüchtete Nelly und ihren neunjährigen Sohn im Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde an.
Westen       -  Nelly (Jördis Triebel) will die Vergangenheit hinter sich lassen. Foto: Frank Dicks/zero one film/Senator
| Nelly (Jördis Triebel) will die Vergangenheit hinter sich lassen. Foto: Frank Dicks/zero one film/Senator

Trist ist es dort, viele bürokratische Hürden müssen erledigt, viele Fragen der Westdeutschen und Alliierten beantwortet werden. Und die aus verschiedensten Gründen aus der DDR ausgereisten Ostdeutschen misstrauen sich in den einfachen Unterkünften alle gegenseitig - die Stasi ist ihnen nachgereist, heißt es.

Doch Nelly, brillant gespielt von Jördis Triebel («Meine Schwestern»), ist voller Zuversicht. Mit ihrem Sohn Alexej will sie die Vergangenheit so schnell wie möglich hinter sich lassen. Die Trauer und das Rätseln über das plötzliche Verschwinden von Alexejs Vater holen Nelly in ihrem neuen Leben jedoch auf tragische Weise ein.

Regisseur Christian Schwochow hat mit dem Fernseh-Zweiteiler «Der Turm» und dem Kinodrama «Novemberkind» bereits eindrucksvoll sein gutes Gespür für deutsch-deutsche Geschichten bewiesen. Mit «Westen» erzählt er von Ostdeutschen, die in den 70er Jahren einen Ausreiseantrag stellten und nach meist jahrelangem Warten und Schikanen des SED-Regimes in den Westen ausreisten durften.

Der Film basiert frei auf Julia Francks viel gelobtem, autobiografisch gefärbtem Roman «Lagerfeuer». Die Kinoadaption darf als gelungen und gleichzeitig sehr eigenständig bezeichnet werden. Die Stärke von «Westen» sind zuallererst seine Darsteller. Triebel, 1977 in Ost-Berlin geboren, spielt eine Frau zwischen zwei Welten - sehr stark und selbstbewusst, aber gleichzeitig auch verletzlich und von ihrer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit immer wieder zurückgeworfen. An ihrer Seite souverän der elfjährige Tristan Göbel als ihr Film-Sohn, der sich nur schwer in der neuen Umgebung zurechtfindet und am liebsten wieder «nach Hause» in die DDR will.

Schwochow inszeniert seinen Film als beeindruckendes Zeitdokument mit vielen gut recherchierten Details. Die sorgfältige Ausstattung des Films versetzt den Zuschauer in eine graue bundesrepublikanische Wirklichkeit. Zugleich ist «Westen» aber auch eine Liebesgeschichte mit Thriller-Elementen. Schwochows Figuren haben Ecken und Kanten und gewinnen dadurch eine große Glaubwürdigkeit. Ob Nelly am Ende im Westen glücklich werden kann, muss offen bleiben.

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