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Jazz, Blues, Soul: Brillantes Debüt von Lady Blackbird

Lady Blackbird       -  „Nicht von dieser Welt: Lady Blackbird wird gefeiert.
Foto: Christine Solomon/chateau du pop PR/BMG Warner/dpa | „Nicht von dieser Welt: Lady Blackbird wird gefeiert.

Der Künstlername, den sich Marley Munroe gegeben hat, zeugt von Selbstbewusstsein. „Blackbird” - so lautet der Titel eines Songs, den die legendäre Nina Simone vor 56 Jahren veröffentlichte.

Nun stellt sich eine geheimnisvolle junge US-Amerikanerin als Lady Blackbird in die Nachfolge einer der Ikonen des Jazz, Blues und Soul. Zum Glück ist es keine Anmaßung - zumal Munroe ihr gewagtes Pseudonym „einfach nur cool” findet.

Berühmte Namen

Lady Blackbird wird seit einigen Monaten in Fachkreisen als Sensation bejubelt. Es häufen sich ehrenvolle Vergleiche für ihren außergewöhnlichen Gesang und ihr Charisma - neben Nina Simone etwa Billie Holiday, Etta James, Chaka Khan, Tina Turner oder Amy Winehouse. „Das schockt mich jedes Mal, mit diesen Namen in einem Satz genannt zu werden”, sagte Munroe kürzlich in einem Interview.

Ihr Debüt „Black Acid Soul” übererfüllt aber auch tatsächlich alle Erwartungen. Musiker, Kritiker und Fans sind sich einig: Dieses Vocal-Jazz-Album ohne stilistische Scheuklappen könnte den Beginn einer Weltkarriere markieren.

So lobt der britische Jazz-Pop-Star Jamie Cullum (42), auf dessen Weihnachtsalbum Lady Blackbird jüngst mitsang, die Kollegin aus Los Angeles überschwänglich: Dies sei „eine der großen neuen Stimmen unserer Zeit”, ihr Gesang „otherworldly” - also „nicht von dieser Welt”. Das renommierte Jazzmagazin „Downbeat” pries „Black Acid Soul” als „berauschend, eindringlich, sexy, seelenvoll und herzzerreißend”. Auch eher pop-affine Hörer sparen im Internet nicht mit Superlativen.

Und das zu Recht. Wer Munroes Coverversion von „Blackbird” hört, einem tief in der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung verwurzelten Klagelied, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit einer Stimme, die kratzig-rau und doch stets elegant klingt, meistert sie mühelos die Klippe, Nina Simones Original gerecht zu werden.

Beeindruckende Coverversionen

Auch danach ist es oft jahrzehntealtes Fremdmaterial, dem die Lady ihren Stempel aufdrückt - den Stempel einer überragenden Sängerin. „Fix It” geht auf den Jazzpianisten Bill Evans zurück, dessen Komposition „Peace Piece” von 1958 sich Munroe mit Hilfe ihres Grammy-nominierten Produzenten Chris Seefried („Sie ist ein Wunder”) zu eigen macht.

Das durch Sixties-Soul-Star Sam Cooke bekannt gewordene „Lost and Lookin'” zelebriert die Lady als Gänsehaut-Bluesballade. Und spätestens beim tieftraurigen „It'll Never Happen Again” - im Original von US-Folksänger Tim Hardin - sollte man nicht zu nah am Wasser gebaut haben.

Dabei kommt dieses Album, das auch zwei tolle von Munroe selbst mitgeschriebene Stücke enthält, gänzlich ohne Retro-Kitsch aus. Davor bewahrt „Black Acid Soul” schon die kleine Bandbesetzung mit Piano, Kontrabass und Schlagzeug, dezent ergänzt durch Seefrieds Gitarre und etwas Trompete von Troy Andrews alias Trombone Shorty.

Wie sehr Lady Blackbird auch für Gegenwart und Zukunft von Jazz, R&B und Soul steht, zeigen drei Albumsongs, die man in Neuabmischungen auf der Musikerplattform Bandcamp findet: „Blackbird”, „Beware The Stranger” und „Collage” wurden von Top-Remixern wie Greg Foat, Bruise oder Matthew Herbert wahlweise in Richtung Dancefloor oder Chillout-Ecke gelenkt. Man ahnt, dass diese Ausnahmesängerin - als Fan von Elton John oder Coldplay - schon auf ihrem zweiten Album ganz andere, weniger jazzige Seiten ihres Talents zeigen könnte.

Wenig ist bekannt

Vielleicht wird man dann auch mehr Persönliches über Marley Munroe alias Lady Blackbird wissen. Bisher gab sie nicht mal ihr Alter preis und blieb auch zur eigenen künstlerischen Vergangenheit nebulös.

Munroe deutet immerhin an, dass der Debüt-Geniestreich keineswegs aus dem Nichts kommt. „Es war ein so langer Weg. Ich bin durch verschiedene Phasen und Stilrichtungen gegangen” - darunter, wie so oft bei afroamerikanischen Sängerinnen, Gospelmusik in der Kirche.

Mit „Black Acid Soul” habe sie nun „den Code geknackt” und genau die aufs Wesentliche reduzierte, verletzlich klingende Platte gemacht, die ihr vorschwebte. „Das Album war darauf ausgelegt, meine Stimme in den Mittelpunkt zu stellen. Lady Blackbird ist jetzt hier, um zu bleiben.” Auf ihr zweites Werk - nach Munroes Aussage „schon in der Mache” - darf die Musikwelt sehr gespannt sein.

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