Düsseldorf

Subterfuge bezaubern mit zeitlos schönen Songs

Subterfuge       -  Die deutsche Indie-Pop-Band Subterfuge ist zurück.
Foto: Anika Potzler/Cargo Records/dpa | Die deutsche Indie-Pop-Band Subterfuge ist zurück.

Die Musikwelt wäre viel ärmer ohne Bands wie Subterfuge. Nach fast 30 Jahren als Geheimtipp, zahllosen Club-Gigs und einer langen Kreativpause kehrt die Düsseldorfer Band mit einem bezaubernden Gitarrenpop-Album zurück - voller Elan und Euphorie, wie eigentlich immer.

„Nicht umsonst endet jedes unserer Konzerte mit dem Satz "Lang lebe Popmusik"”, betont Lars Schmidt im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur - und wäre es nicht coronabedingt ein Mail-Austausch, könnte man die Augen des Sängers und Gitarristen bei diesen Worten vermutlich begeistert blitzen sehen.

Prächtige Melodien

Die zwölf Songs umfassende neue Platte „Dots.” führt in 55 Minuten exemplarisch alle Qualitäten zusammen, die Subterfuge (zu Deutsch: Täuschung, List) auf den Vorgänger-Alben „I Do Birds” (2001) und „The Legendary Eifel Tapes” (2005) bewiesen haben: Gespür für prächtige Melodien und perfekte Harmoniegesänge, ambitionierte Arrangements, mitreißende Spielfreude.

Man fühlt sich gelegentlich an große britische oder US-amerikanische Vorbilder erinnert: The Kinks, Harry Nilsson, Beatles, Lemonheads, Wilco, Teenage Fanclub. Und doch ist der in Liedern wie „There Is A Light”, „Vacant Lots” oder „Four Slice Toaster” auch mal psychedelisch schillernde Sound dieser Band ein sehr eigener.

Subterfuge, das sind neben Schmidt noch Daniel Klingen (Schlagzeug), Kai Blankenberg (Bass), sein Zwillingsbruder Tom Blankenberg (Klavier, Keyboards), Lorenz Naumann (Produktion, Bass, Gitarre) und Thomas „Tommy” Baumhoff (Gesang, Gitarre). Schon früher waren ihre Stücke auf sympathische Weise aus der Zeit gefallen - oder eben zeitlos schön.

Dann kamen elf Kinder auf die Welt

„Bei uns ging es immer um Songs und Melodien. Als wir in den 90ern begannen, konnten da gar nicht so viele etwas mit anfangen”, sagt Baumhoff. „Aber mittlerweile sehen wir, dass unser klassisches Songwriting doch viele Freunde da draußen hat.”

Nach starken Band-Alben, Soloprojekten und Familiengründungen kommt das Comeback nun wie aus dem Nichts. „Eine Überraschung ist "Dots." für uns selbst nicht”, sagt Schmidt. „Wir hatten auch während der Pause immer vor, irgendwann wieder weiterzumachen.” Dann kamen aber „bei uns allen zwischen 2005 und 2016 auch erstmal haufenweise Kinder auf die Welt - elf insgesamt. Insofern gab es wahrlich andere Prioritäten”, fügt Baumhoff hinzu.

Was die Band, deren Mitglieder überwiegend im Düsseldorfer Stadtteil Flingern leben, so besonders macht? „Möglicherweise liegt ein Teil des Zaubers im langen Zusammenspiel”, sagt Baumhoff. „Ich glaube, wir haben uns in den 30 Jahren gemeinsamen Musikmachens einen ganz ordentlichen Werkzeugkasten an Möglichkeiten erspielt.” Alles sei erlaubt, „und jeder bringt von woanders etwas mit”, so Schmidt.

Oft ist bei nostalgisch veranlagten Pop-Kritikern ja die Rede von einer „besseren Welt”, in der ein klassischer Pop-Song früher noch ein Riesenhit geworden wäre. Auch bei neuen Subterfuge-Liedern im Sixties-Stil wie „Stephanie Said”, „781” und „Little I Know” könnte man so denken. Lars Schmidt blickt auf die bescheidenen kommerziellen Erfolge seiner Band aber ohne Bitterkeit zurück.

Der Zeitgeist spielt keine Rolle für sie

„Bei dem Thema sind wir Realisten, spätestens seit wir im ersten Jahr unseres Bestehens mal auf einer Party gespielt haben und die Leute deutlich mehr Interesse am Freibier hatten”, sagt der Sänger. „In den 70ern in Amerika oder zu Beginn der 90er in England wäre das vielleicht anders gewesen, aber der musikalische Zeitgeist um uns herum hat für uns nie eine Rolle gespielt.” Baumhoff ergänzt: „In der Tat erfahren wir erst heute und durch Soziale Medien, in wie vielen Biografien unsere Musik Spuren hinterlassen hat.”

„Dots.” ist wieder ein typisches Subterfuge-Album geworden - in dem Sinne, dass man es als Ganzes genießen sollte, auch weil es kein Füllmaterial gibt. „Wir hoffen natürlich, dass die Menschen sich die Platte in Ruhe durchhören”, sagt Schmidt. „Aber macht das heute überhaupt noch jemand? Also außer uns, da sind wir selbst als Hörer und Fans von Musik wahrscheinlich wirklich von gestern.”

Die „Dots.”-Platte soll nun ein Neustart sein - aber ohne Hektik und ohne Druck: „Ans Aufhören haben wir auch während der Pause keinen Moment lang gedacht”, sagt Schmidt. „Wir waren allerdings nie die Schnellsten, also kann es mit einer nächsten Platte noch dauern. Aber sie wird kommen - und auch nicht erst in 17 Jahren.”

Das Album „Dots.” von Subterfuge erscheint am Freitag (4.3.) auf Less Records/Cargo.
Am Veröffentlichungstag 4. März wollen Subterfuge im Düsseldorfer zakk Club ihre Album-Release-Party feiern (20.00 Uhr). Daran sollen sich weitere Konzerte in Deutschland anschließen.

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