WÜRZBURG

Das Ende von Facebook – was kommt danach?

Ein Leben ohne den sozialen Riesen? Kaum vorstellbar. Bei der Jugend kann Facebook aber nicht punkten, andere Plattformen holen mehr und mehr auf – wie sieht nun die Zukunft aus?
Was kommt nach Facebook?

Wann kommt das Ende von Facebook? Wagen wir einmal eine These und sagen: „Nie“. Jedenfalls, wenn wir uns das einfache Prinzip betrachten, das hinter dem größten der sozialen Netzwerke steckt: Wir vernetzen uns mit Freunden, sammeln Informationen und präsentieren uns der Welt.

Um die aufgestellte These also besser nachvollziehen zu können, schauen wir zurück, wie unser Leben vor Facebook & Co. aussah – das ist wohl genauso schwierig, wie die Vorstellung ohne Mobiltelefone zu leben: Früher haben wir SMS geschrieben. Im Grunde war das nichts anderes, als das Kommunikationsverhalten, das wir heutzutage über diverse Messenger-Dienste ausleben. Nur mit begrenzter Zeichenzahl und vor allem teuer. Die Konsequenz: Wir haben uns genau überlegt, was wir schreiben und vor allem auch wem – kostete eine Textnachricht ja im schlechtesten Fall bis zu 39 Cent. Also haben wir uns auf die Botschaft konzentriert und die abwegigsten Abkürzungen entwickelt (Wer erinnert sich noch an HDGDL?).

Mit der SMS haben wir gelernt, einfach und schnell zu kommunizieren: Termine zu vereinbaren, Einkaufslisten zu verschicken oder mit dem Partner schlusszumachen. Wir haben sozusagen unsere Kommunikation untereinander auf ein neues Level gebracht – ob dieses nun auch das Niveau angehoben hat, ist dabei natürlich diskussionswürdig.

Wie wir lernten uns zu organisieren

Wir haben also gelernt, effizienter miteinander zu kommunizieren – aber eben nur stark limitiert. Durch das Aufkommen von Plattformen wie StudiVZ haben „Digital Natives“ eine nächste Stufe des virtuellen Zusammenlebens gefunden. Studenten haben untereinander Seminare organisiert, sich zu Dates verabredet oder einfach „gegruschelt“ (ein Anstupser, der sagen sollte „Hey, melde Dich doch mal wieder!“). Das soziale Leben ging also stetig weiter, auch wenn in der Uni schon lange die Lichter ausgegangen sind. Facebook hat den kleinen Kreis der Studenten erweitert: Plötzlich konnte jeder mit jedem auf der ganzen Welt befreundet sein: Bilder austauschen, Videos schicken und kleine virtuelle Geschenke machen.

Die Exklusivität wurde aufgebrochen und das Netzwerk verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Außer Spielereien hatte Facebook aber auch einen ganz neuen Aspekt zu bieten: Nutzer konnten sich binnen kürzester Zeit zu enormen Menschenmassen zusammentun – ein positives Beispiel waren dabei die Proteste in Nordafrika, bei denen sich die Demonstranten fast ausschließlich über Facebook und Twitter organisierten. Ein negatives Beispiel waren die Facebook-Partys, bei denen der 15. Geburtstag von Liesel Müller innerhalb von zwei Stunden zu einem Massen-Event mutierte.
 

Vom Konsumenten zum Produzenten

Damals hat es uns also erwischt – endlich konnten wir unser natürliches Kommunikationsverhalten mit technischen Hilfsmitteln so richtig ausleben. Der eigentliche Konsument (also wir) wurde zum Produzenten und hatte urplötzlich eine schier unerschöpfliche Möglichkeit der Sozialisierung, das permanente virtuelle Zusammensein mit der Herde. Unsere Selbstdarstellung entwickelte sich dabei ebenfalls weiter: Aus dem geposteten Bild vom Frühstücksbrot bei Mutti in Großeibstadt wurde fünf Jahre später das vegane Drei-Gänge-Menü in Berlin-Kreuzberg. Facebook-Nutzer sollen durch diesen sozialen Druck ja die unglücklicheren Menschen sein. Hier streiten sich die Geister, ob das wirklich zutrifft.



Und hier kommt auch schon unsere Hauptfrage ins Spiel: Was kommt also nach Facebook? Genauer betrachtet ist diese Frage eigentlich egal – wir haben gelernt uns im großen Stil mitzuteilen und werden immer einen virtuellen Raum finden, in dem wir uns austoben können. Ob dieser nun Facebook, WhatsApp oder Snapchat heißt ist Nebensache – das Prinzip bleibt gleich. Was wir allerdings feststellen können ist, dass die Plattformen immer schnelllebiger und verspielter werden.  Die Geschwindigkeit, in der ein heute 13-Jähriger auf sein Smartphone einhämmert und massenhaft Inhalte in die Welt hinausschickt, ist schon sehr beachtlich.  

Soziale Netzwerke haben uns eben nicht nur Vorteile beschert. Die Qualität von dem, was wir da tagtäglich absetzen, ist teilweise sehr grenzwertig. Das heißt, als wir in unseren Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt noch limitiert waren, haben wir genauer nachgedacht, was wir nun wem wie sagen wollen. Heutzutage wird erst geschrieben und dann gedacht. Das hat aber nichts mit dem „Neuland Internet“ zu tun. Setzt man sich an einen beliebigen Stammtisch, findet man ebenfalls nicht zu Ende gedachte Äußerungen. Die Digitalisierung gibt diesen jetzt nur auch eine virtuelle Plattform.
 

Facebook, der dynamische Riese

Lehnt man sich also ein wenig aus dem Fenster, kann man soziale Netzwerke als die Erfüllung unseres Grundbedürfnisses bezeichnen, uns mitteilen zu wollen. Immer. Zu jeder Tageszeit. Und alle Freunde hören es - ob sie wollen oder nicht. Aber können wir das nicht mittlerweile fast überall im Netz? Was macht Facebook hier so besonders?

Hier ist es an der Zeit, einen ganz klaren Strich zwischen dem sozialen Netzwerk und dem Multi-Milliarden-Dollar-Konzern „Facebook“ zu ziehen. Dieser kauft schon seit Jahren etablierte Plattformen auf um sich stetig an die wechselnden Bedürfnisse der Nutzer anpassen zu können. Außer auf große Namen von sozialen Netzwerken wie WhatsApp oder Instagram setzt Facebook beispielsweise auch auf Virtual Reality – mit deren Konzerntochter Oculus hat Facebook einen der wichtigsten Innovatoren in diesem Bereich an Bord. Das heißt, Facebook bietet uns immer wieder neue Formen an, wie wir uns mitteilen können – und das alles im heimischen Umfeld der liebgewonnenen Plattform.
  Firmengründer Mark Zuckerberg hat viel mit seinem Unternehmen vor: Als eine der ersten Plattformen hat Facebook den Mehrwert von Bewegtbild erkannt und will diesen Zweig nun immer mehr ausbauen, nicht zuletzt um den allzeit präsenten Konkurrenten Google mit seinem YouTube die Stirn zu bieten.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Facebook ist eine Plattform, auf der Geschichten erzählt werden – spannend, authentisch, motivierend. Soziale Netzwerke leben von Emotionen und Facebook tut alles dafür, diese so direkt wie möglich an seine Nutzer zu bringen. Inhalte sollen bewegen, sie sollen informieren, animieren und inspirieren. Dies ist das höchste Credo, um den Nutzer an die Plattform zu binden, ihn zu motivieren tagtäglich zurückzukommen. Durch Videos kann das perfekt umgesetzt werden.
 

Der Weg zurück zum Individuum

Eine andere Form der Nutzerbindung ist die zunehmende Individualisierung. Jeder Nutzer wird in Zukunft noch verstärkter seine eigene individualisierte Nachrichten- und Service-Plattform geliefert bekommen. Ein virtueller Raum, der nur „für mich“ bestimmt ist, der genau weiß, welche Inhalte ich konsumieren will.  Und Facebook lernt uns jeden Tag besser kennen – durch jede Nachricht, die wir schreiben, durch jedes „Like“, das wir vergeben und durch jeden Link, den wir anklicken.

Bevor er sucht, soll er finden – das ist ein Mehrwert, den derzeit noch kein anderes soziales Netzwerk so perfektioniert hat wie Facebook. Diesen Vorsprung kann kein anderes Unternehmen so schnell aufholen.
 

Quo vadis, Facebook?

Facebook hat eine ganze Generation für sich beansprucht, ist zu deren Heimat geworden. Hier spielt sich mehr oder weniger das gesamte soziale Leben ab. Aber was ist mit denen, die nachkommen? Die keine Lust haben, mit ihrem Vater oder Chef virtuell befreundet zu sein?  Deren Kommunikationsverhalten sich noch schneller entwickelt, als bei denen, die noch ohne Smartphone aufgewachsen sind?  Hier wird Facebook als Plattform in der jetzigen Form nur schwer mithalten können und erst einmal den Weg für flexiblere und schnellere Kommunikation freimachen müssen.  Eines steht aber fest: Facebook ist dynamisch, die Plattform stetig in Bewegung. Es gibt keinen Status Quo, es gibt nur „nach der Innovation ist vor der Innovation.“
Bis dahin wird sich der Platzhirsch behaupten können, sind doch knapp 20 Prozent der Weltbevölkerung dort aktiv vertreten. Da muss sich erst einmal eine Plattform so im Leben ihrer Nutzer etablieren, dass eine solche Umsiedlung  aus eigener Motivation passieren wird.

Die Frage, was nach Facebook kommt, können wir derzeit beantworten mit: Facebook.

Hier finden Sie die zehn wichtigsten sozialen Netzwerke im Überblick:
 
 

Rückblick

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