WÜRZBURG

Die Zukunft des Smartphones

Android-Smartphone
Mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent ist Android das dominierende Smartphone-System. Foto: Britta Pedersen

Schnell noch eine Nachricht schreiben, Mails checken, Facebook füttern und einen Snap versenden. Geht man aus dem Haus, darf das Smartphone nicht mehr fehlen. Immer erreichbar und vernetzt. Aber hat das Smartphone eine Zukunft? Oder wird es bald einem neuen Trend weichen und aus den Hosen- und Handtaschen verschwinden?

Ja, meint Sony-Chef Kazuo Hirai. Die Technologie entwickle sich weg vom Smartphone, sagte er in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Nach der Vorstellung des iPhone 7 im September scheint das gar nicht so abwegig. Denn mit vielen innovativen Entwicklungen konnte das Modell nicht punkten. Und ob ein fehlender Kopfhörer-Anschluss eine Verbesserung ist, wird im Netz ebenfalls bezweifelt. Aber: Ist das Smartphone tot? Würde man die Generation fragen, die mit dem Smartphone aufwächst, würden die Jugendlichen wahrscheinlich ungläubig den Kopf schütteln. Ungewöhnlich wäre die Entwicklung allerdings nicht. Früher schaute man gebannt in die Tageszeitung, heute eben ins Smartphone.

Das iPhone als Meilenstein auf dem Smartphone-Markt

Doch zuerst ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Angefangen hat alles 1994 mit dem „Personal Communicator“ Simon von IBM. Jedoch war das Gerät nicht web-fähig. Das erste Smartphone, das auch im Netz surfen konnte, feiert dieses Jahr seinen 20. Geburtstag: der „Nokia 9000 Communicator“.  Der Wendepunkt im Smartphone-Universum kam dann vor neun Jahren, als der damalige Apple-Chef Steve Jobs das iPhone vorstellte.

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Intelligente Kleidung - Nachfolger des Smartphones?

Nun scheinen die Innovationsmöglichkeiten des Smartphones ausgeschöpft. Ob und was in Zukunft seinen Platz einnehmen wird, weiß niemand mit Sicherheit. „Die großen ‚technology shifts‘ konnte bisher niemand vorhersagen“, so Professor Marc Latoschik, „beispielsweise hat damals auch niemand gedacht, dass ein Mobiltelefon möglich ist.“ Latoschik ist Inhaber des Lehrstuhls Mensch-Computer-Interaktion an der Uni Würzburg. Er beschäftigt sich vor allem damit, die Bedienung von technischen Geräten zu vereinfachen. Momentan sei eine ungebremste, dauerhafte und ortsungebundene Kommunikation möglich. Doch die nonverbale Kommunikation gehe unter. Latoschiks Prognose: Die Art der mobilen Kommunikation wird sich vergrößern.

Intelligente Geräte könnten das Smartphone teilweise ablösen

Dennoch könnten Trends beobachtet werden. Stichwort: Internet der Dinge. Es beschreibt, dass Computer oder Smartphones zunehmend als Geräte verschwinden und durch intelligente Gegenstände ersetzt werden. „Die Signale müssen aber immer noch gesendet und empfangen werden.“ Latoschik hält deshalb die Weiterentwicklung intelligenter Kleidung für sehr wahrscheinlich. Zum Beispiel beim Sport könnten sie etwa die Fitness des Trägers  messen und Schweiß registrieren. Intelligente Kleidung ist die Weiterentwicklung von Smartwatch, Fitnessarmband und Co. „Eine sensorische Erfassung über körpernahe Technologien wird wahrscheinlich Einzug halten“, spekuliert der Würzburger Professor vorsichtig auf die nächsten 20 bis 30 Jahre. Ein Beispiel seien eine Art Kontaktlinsen, die Informationen an das Auge transportieren. Letztlich haben die Menschen einen großen Einfluss darauf, ob sich eine neue Technologie durchsetzt. „Es kommt darauf an, ob sie bereit dafür sind.“

Zunächst werden wohl Wearables verstärkt Einzug in unseren Alltag halten – auch in Form von Ringen oder Armbändern. Beispielsweise zahlten auch die Sportler der Olympischen Spiele ihre Rechnungen mit einem Ring. Da sie sich ständig umziehen müssen, ist es unpraktisch bar oder mit Karte zu zahlen. Dafür stellte Visa einen neuen Ring vor, mit dem die Olympioniken nur eine Handbewegung zum Bezahlen brauchten.

Fast alle jungen Erwachsenen in Deutschland nutzen Internet

Komplett abgeschafft wird das Smartphone also wahrscheinlich vorerst nicht. Trotzdem wird es sich weiterentwickeln. Zum einen wird die Konnektivität weiter zunehmen. Der größte Indikator dafür ist die Internetnutzung. Während 2004 nur 53 Prozent der Deutschen Internetnutzer waren, waren es im Jahr 2014 laut D21-Digital-Index schon 76,8 Prozent. Dabei ist der Anteil der Internetnutzer bei den 18- bis 24-Jährigen mit  99 Prozent am höchsten.

Bei Google hat sich dennoch eine ganze Abteilung längst vom Smartphone verabschiedet. Die Mitarbeiter von „Advanced Technology and Projects“ (ATAP) suchen nach Geräten, die die Zukunft bestimmen. Das bekannteste Projekt ist das modulare Smartphone „Project Ara“. Einzelne Bestandteile wie Akku, Bildschirm oder Kamera sind austauschbar und können in andere Geräte eingesteckt werden, zum Beispiel im Auto. Und wenn es nach Google ginge, treten Geräte im Allgemeinen verstärkt in den Hintergrund. Mit „Google Hands Free“ wäre bald nur noch ein Lächeln nötig, um im Supermarkt oder Restaurant zu bezahlen.

Rückblick

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