WÜRZBURG

Lieber mit dem Auto reden, statt zu fahren

Mal blöd gefragt: Wenn Autos bald eigenständig fahren, brauchen wir dann überhaupt noch einen Führerschein? Die Antwort darauf klingt schon nicht mehr so blöd.
Die Vision vom selbstfahrenden Auto
Lieber Zeitunglesen und stricken, statt zu fahren. Foto: Romina Birzer

James Bond saß schon in einem – und David Hasselhoff in Knight Rider und Tom Cruise in Minority Report auch: selbstfahrende Autos. Was nach Filmspielereien und Zukunftsmusik klingt, wird immer realer. Nicht nur Automobilunternehmen wie Audi und Mercedes – auch der Internetkonzern Google verfolgt die Idee der autonomen, selbstfahrenden Autos.

Wenn aber das Auto fährt – muss man dann Autofahren überhaupt noch lernen? Brauchen wir in 20 Jahren noch den Autoführerschein?

Ist diese Frage überhaupt realistisch? Ja, findet Doris Aschenbrenner. Sie ist Diplominformatikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Telematik in Würzburg und hat zu selbstfahrenden Robotern geforscht. Sie kann sich vorstellen, dass wir in 20 Jahren selbstfahrende Autos vor allem in Städten nutzen werden. Einen Führerschein werden wir wohl immer noch brauchen, sagt sie. „Es wird wohl ein anderer sein“, fügt Aschenbrenner hinzu.

Das denkt auch Prof. Dr. Oliver Bendel. Er ist Wirtschaftsinformatiker und befasst sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz unter anderem mit Maschinenethik und in diesem Zusammenhang auch mit selbstfahrenden Autos. „Wir werden in 20 Jahren noch einen Führerschein brauchen“, sagt Bendel, „aber mit anderen Kompetenzen.“

Dorit Borrmann (links) und Doris Aschenbrenner demonstrieren am Kompetenzentrum Robotik und Telematik der Uni Würzburg e... Foto: Angelika Kleinhenz

Statt zu lernen, beim Anfahren nicht abzuwürgen, muss der Autofahrer der Zukunft lernen, mit einem selbstfahrenden Auto umzugehen. Autos werden mit ihren Insassen sprechen – nicht nur über den Straßenverkehr, meint Bendel. Wenn das Auto an einer Eisdiele vorbei fährt, könnte es ja seine Insassen fragen, ob die nicht Lust auf eine süße Abkühlung haben. Der Autofahrer und die Insassen müssen also lernen, mit sich mit ihrem Gefährt unterhalten zu können.

Nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen müssen sich mit dem selbstfahrenden Auto anfreunden. Menschen müssen lernen, viel mehr im Auto aus den Augenwinkeln zu regeln, sagt Bendel. Er selbst saß in einem Modell eines selbstfahrenden Autos, dessen Radio und Heizung über einen 17 Zoll großen Bildschirm auf der Mittelkonsole gesteuert werden.

Bendel zufolge muss der Autofahrer sich auch immer wieder fragen: Tut das Auto gerade das Richtige oder muss ich eingreifen? „Wollen wir unsere Autonomie wirklich aufgeben?“, fragt Bendel. Er geht davon aus, dass es vor allem hybride Autos geben wird, die also teilweise selbstfahren, aber auch teilweise vom Menschen gesteuert werden. Der Mensch muss also immer noch darüber urteilen können, ob das Auto richtig handelt, und notfalls wissen, wann er eingreifen muss.

Video

Autonom fahrender Bus-Shuttle in der Schweiz - wirkt gewöhnungsbedürftig, ist aber bereits im Einsatz.

Rückblick

Schlagworte

  • Thomas Feiler
  • 20 Jahre mainpost.de
  • Auto
  • Doris Aschenbrenner
  • Elektroautos
  • Mobilität
  • Roboter
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
6 6

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!