Hannover

Das macht Rechner zu Raketen oder lahmen Enten

Laptops       -  Laptops haben andere, meist langsamere Prozessoren als Desktop-Rechner - oft allerdings mit ganz ähnlicher Bezeichnung.
Laptops haben andere, meist langsamere Prozessoren als Desktop-Rechner - oft allerdings mit ganz ähnlicher Bezeichnung. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn

Prozessor? Klar, braucht jeder Rechner. Aber welcher genau: egal. Zum Arbeiten wird es ja wohl noch reichen. Auf diesem Standpunkt stehen viele Käufer - und ärgern sich nachher, dass sie vor dem Kauf nicht geprüft haben, welche Anforderungen sie eigentlich haben und welche Unterschiede es gibt.

Ein Tausch des Prozessors ist bei Notebooks selten möglich, und kann bei Desktop-PCs teuer werden.

In den vergangenen Jahren konnten Hersteller dabei die Leistungen der Recheneinheiten stark verbessern. Doch zwischen den Produzenten und den jeweiligen Prozessor-Familien gibt es große Unterschiede.

Je mehr Befehle pro Sekunde ein Prozessor ausführen kann, desto schneller ist er. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit einer CPU hängt aber noch von vielen weiteren Faktoren ab, so zum Beispiel von der konkreten Architektur, der Strukturgröße - wobei kleinere Strukturen für höhere Rechenleistung sorgen - , von der Prozessorkern-Zahl oder auch von Anzahl und Größe der Zwischenspeicher (Caches) auf dem Chip.

„Prozessoren haben in den letzten Jahren enorm an Leistung zugelegt, brauchen dafür aber entweder gleichviel Energie oder sogar weniger”, erläutert Christian Hirsch vom Fachmagazin „c't”. Sie arbeiten also deutlich effizienter als noch vor ein paar Jahren. Dabei seien die Taktfrequenzen nur geringfügig gestiegen. Heute könnten die Prozessoren durch mehr Kerne viel mehr Aufgaben parallel erledigen.

Zusammenspiel ist wichtig

„Zudem ermöglichen die neuen CPU-Generationen die Umsetzung leistungsstarker Funktionen für künstliche Intelligenz auf Notebooks und PCs”, sagt Roman Bansen vom IT-Branchenverband Bitkom. CPUs dürften nicht als isolierte Instanzen betrachtet werden. Es gelte, gezielt das Zusammenspiel von CPU und Peripherie durch abgestimmte Verbindungstechnologien, Speichermedien und Software zu optimieren.

Deshalb lässt sich auch nicht jeder Prozessor in jedem Rechner einsetzen - zumindest nicht sinnvoll. „Die Prozessoren sind für ganz verschiedene Einsatzzwecke optimiert”, erklärt Hirsch. Bei Mobil-CPUs steht die geringe Leistungsaufnahme an vorderster Stelle. Niemand will ja, dass nach einer Stunde der Akku bei seinem Notebook leer ist.”

Deshalb laufen Mobilprozessoren mit deutlich niedrigerem Takt und haben meist auch weniger Kerne. „Deshalb sind sie trotz ähnlicher Bezeichnung nicht so schnell wie Desktop-Prozessoren”, sagt Hirsch. Außerdem sollen moderne Notebooks möglichst flach und schlank sein. Der meiste Platz im Inneren wird für die Akkus genutzt.

Bei der Wahl der CPU ist der Anwendungszweck entscheidend. „Für Office-Anwendungen eignen sich sparsamere und günstige Prozessoren”, sagt Bansen. Für Entertainment und Gaming seien vor allem hoch taktende Prozessoren eine gute Wahl, bei Highend-Gaming kämen die Topmodelle mit maximaler Leistung in Frage.

Die Kernfrage

„Für einfache Aufgaben wie Textverarbeitung, Video abspielen oder im Web surfen, reichen Prozessoren mit zwei Kernen aus, die auch als Dual-Core-CPUs bezeichnet werden”, sagt Hirsch. Beispiele dafür sind die Athlon-Serie von AMD oder Intels Celeron- und Pentium-Serie.

Aber: „Für Allround-PCs und Gaming-Rechner sollte man mindestens einen Quad-Core verwenden, also eine CPU mit vier Kernen”, so Hirsch. Zukunftssicherer seien derzeit Prozessoren mit sechs CPU-Kernen wie zum Beispiel der AMD Ryzen 5 3600 oder Intels Core-i9 9400F. „Profi-Anwender, die hochauflösende Videos schneiden oder 3D-Grafiken oder -Filme rendern, benötigen Prozessoren mit sehr vielen Kernen. Da gibt es nach oben kaum Grenzen”, weiß Christian Hirsch.

Inzwischen gebe es Desktop-CPUs wie den AMD Ryzen Threadripper 3990X mit 64 Kernen, der dann aber auch mit rund 4000 Euro zu Buche schlägt. Bei den verschiedenen Prozessorfamilien biete fast immer das günstigste Modell einer Serie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, sagt Hirsch. Also etwa besagter AMD Ryzen 5 3600 als günstiger Sechskerner. Oder Intels Core-i-3 9100F als günstiger Vierkerner. „Die schnelleren CPUs kosten immer überproportional mehr”, so Hirsch.

Und was ist mit den günstigeren Prozessorfamilien? Hier bieten Intels Celeron G oder AMDs Athlon genug Alltagsperformance für Office und Web, weiß Hirsch. Aber: „Bei Celeron N und AMD A muss man schon deutliche Einbußen hinnehmen, der Seitenaufbau im Browser braucht dann länger.”

© dpa-infocom, dpa:200805-99-54324/2

Klein, aber wichtig       -  Ohne Prozessor läuft im Computer nichts.
Ohne Prozessor läuft im Computer nichts. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn
Christian Hirsch       -  Christian Hirsch ist Redakteur beim Computermagazin „c't”.
Christian Hirsch ist Redakteur beim Computermagazin „c't”. Foto: Melissa Ramson/Heise Medien/dpa-tmn
Was soll er denn können?       -  Welcher Prozessor der richtige ist, hängt vor allem von den Aufgaben ab, die ein Computer erledigen soll.
Welcher Prozessor der richtige ist, hängt vor allem von den Aufgaben ab, die ein Computer erledigen soll. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn

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