BERLIN

Internetkonferenz re:publica kritisiert Telekom

Die Zeichen der Zeit erkannt: Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, sprach auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin über die Vernetzung von Autos.
Die Zeichen der Zeit erkannt: Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, sprach auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin über die Vernetzung von Autos. Foto: DPA

Sie startete mit einem flammenden Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel: die siebte Auflage der Internetkonferenz re:publica. „Verhindern Sie, dass die Telekom ein Internet zweiter Klasse einführt!“, rief Mitveranstalter Markus Beckedahl in der Eröffnungsrede am Montag – und erntete dafür tosenden Applaus vom Publikum.

Drei Tage lang dreht sich im ehemaligen Postbahnhof „Station“ in Berlin alles darum, wie das Internet die verschiedensten Lebensbereiche von Politik bis zu Kultur beeinflusst und verändert. Mit 263 Vorträgen und rund 5000 Teilnehmern aus über 50 Ländern hat die Konferenz längst über die Grenzen des deutschsprachigen Raums hinaus Bedeutung erlangt. Wie eingangs klar wurde, ist Netzneutralität eines der Kernthemen in diesem Jahr.

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„Vorwärts in die Vergangenheit“, kommentierte Beckedahl die Entwicklungen bei der Telekom. Diese habe durch ihre geplanten neuen Internettarife, die eine Datendrosselung vorsehen, gezeigt, dass sie das „Kernprinzip eines offenen und freien Internets über den Haufen werfen will“ – für Beckedahl ein Angriff auf das Prinzip der Netzneutralität. Die Tarife werden nun von der Bundesnetzagentur geprüft, die mehr Transparenz von der Telekom fordere, so Cara Schwarz-Schilling von der Bundesnetzagentur.

Ernüchterung macht sich breit

Re:publica-Mitorganisatorin Tanja Haeusler rief dazu auf, dem Internet den Schutz zukommen zu lassen, den es verdiene. „Die digitale Gesellschaft wächst, sie stellt aber noch immer keine meinungsbildende Mehrheit dar.“ Anders als in den Jahren zuvor ist auf der Veranstaltung auch viel Ernüchterung zu spüren – wird doch immer deutlicher, wie schwierig es ist, die Gesellschaft für digitale Themen zu mobilisieren.

Bei Sascha Lobo weckt diese Erkenntnis Pragmatismus: „Netzpolitik ist viel Politik und wenig Netz“, stellte Deutschlands wohl bekanntester Blogger in seinem Vortrag klar. Und da laufe gerade einiges schief: Netzneutralität werde „mit Anlauf zerschmettert“, das umstrittene Leistungsschutzrecht „ist schon da und wird nun ausgeformt“. Dies führt laut Lobo dazu, dass man sich mit anderen verbünden und „im Zweifelsfall mit Merkel kämpfen“ müsse. Wer Einfluss auf die Netzpolitik nehmen wolle, müsse sich stets fragen, welche Argumente die Bundeskanzlerin überzeugen würden. „Wir haben viel geredet und getwittert, aber allesamt zu wenig gemacht“, so Lobo. Die Internetaktivisten müssten nun als eine Art „Hobbylobby“ den politischen Kampf für das freie, offene und sichere Internet führen: „Ich fordere Euch auf zu machen!“ Auch der ehemalige IBM-Manager Gunter Dueck wollte die re:publica-Teilnehmer zum Handeln bewegen – mit weniger Pathos, dafür mit eigenwilligen Gedankensprüngen.

Dueck warb für mehr „ethnokulturelle Empathie“, also für mehr Verständnis für andere Denk- und Wertewelten als die eigene. „Können Sie nicht mal etwas Telekom-empathisch sein?“, fragte er ironisch das Publikum. Dueck gilt seit seinem ersten Vortrag auf der re:publica 2011 als Querdenker der Szene und darf sich sogar über wunde Punkte lustig machen: „Telekomgesellschaftserdrosselung ist jetzt das große aktuelle Thema“, spottete er. Und ergänzte: „Wir zanken immer um kleinen Kram, nicht um das Menschenbild als Ganzes.“ Statt fruchtloser Diskussionen, bei denen jeder in seiner eigenen Welt verhaftet bleibt, wünscht sich Dueck eine echte Unterhaltung darüber, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegen solle.

Geschäftsmodell mit Zukunft

Auch andere Redner haben erkannt: „Wenn sich Dinge oder das Umfeld verändern, ist es immer schlau, Teil der Veränderung zu sein“, zeigte sich Dieter Zetsche, Vorstandschef von Daimler, am Dienstag überzeugt. Im Zuge des neuen Trends „Sharing“, also teilen, stellte Zetsche Daimlers Carsharing-Angebot „Car2go“ vor, bei dem stundenweise Autos gemietet werden können. Daimler sei damit in 19 Städten vertreten und erreiche 350 000 Kunden. „Das ist ein Geschäftsmodell, mit dem wir Geld verdienen wollen“, so Zetsche.


Unsere Kollegin Catharina Hettiger twittert von der re:publica - ihre Tweets lesen Sie hier...

Der Bericht vom ersten Tag.

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