WÜRZBURG/KITZINGEN

Social Media sind auch für Familienbetriebe interessant

Social Media aus der Backstube: Bäckerei-Chef Marcus Will (Kitzingen) hat 70 Mitarbeiter, sieben Filialen – sowie zwei Blogs und eine Facebook-Seite. Das digitale Arbeiten möchte Will noch ausbauen. Foto: Hans Will

Die Fachwelt ist sich einig: Selbst mittelständische Unternehmen sollten sich um Social Media kümmern. Wer es nicht tue, für den ist der Zug bald abgefahren. Das Thema sei kein Wunschkonzert.

So oder so: Sicher ist, dass die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter eine Art der Kommunikation mit dem Kunden gewährleisten, wie sie direkter kaum sein kann. In Sekundenschnelle kann der Kunde Kritik an einem Produkt äußern, in Sekundenschnelle kann das Unternehmen darauf reagieren.

Große Firmen haben das längst als neue Dimension, als Riesenchance erkannt. So ließ der Computerhersteller Dell vor geraumer Zeit die Produktion eines neuen Laptop-Typs stoppen, weil ein Blogger Kritik an einem USB-Anschluss auf der Rückseite des Gerätes geäußert hatte.

Die Dell-Verantwortlichen ließen den USB-Anschluss kurzerhand ändern. Fortan passten selbst die ausgefallensten Sticks in den Anschluss, Scherereien mit Kunden blieben erspart.

Zugegeben: Dell hat gut 100 000 Mitarbeiter weltweit und macht viele Milliarden Umsatz. Die können sich einen solchen Social Media-Aufwand ja leisten, könnte man meinen.

Doch es muss nicht immer diese Dimension sein, um sich als Unternehmen auf die neuen Wege einzulassen. Selbst der Bäcker um die Ecke kommt dafür in Frage. Beispiel: Marcus Will aus Kitzingen. Der 32-Jährige führt seit zwei Jahren die gleichnamige Bäckerei mit 70 Mitarbeitern und sieben Filialen.

Will ist im Web äußerst rege: Neben einem klassischen Internetauftritt (www.baeckerei-will.de) macht der Unternehmer auch mit einer eigenen Facebook-Seite sowie dem „Krapfenblog“ und dem „Lebkuchenblog“ auf sich aufmerksam. Zwar nutzt Will diesen Weg auch für Werbung für seine Produkte und Neuigkeiten. Doch im Krapfenblog etwa gibt er auch allgemeine Infos über dieses Gebäck. „Man bringt sich damit ins Gespräch“, nennt Will den Grund seiner digitalen Aktivität. Seinen Facebook-Auftritt wolle er demnächst ausbauen.

Sich ins Gespräch bringen: Das scheint der Kitzinger Bäcker mit seinen Blogs und der Facebook-Seite geschafft zu haben. Denn neben Kunden „schaut auch die Konkurrenz verstärkt drauf“, sagt der 32-Jährige. Von Kunden habe er bislang nur positive Kritik bekommen. Die Facebook-Seite der Bäckerei hat 54 „Fans“ – immerhin.

In den Lehrbüchern ist zu lesen, dass sich Unternehmen für ihre Social-Media-Aktivität vor allem eine Strategie sowie ein Budget an Geld und Arbeitszeit anlegen sollten. Marcus Will hat weder das eine noch das andere: Wann er in seinen Blogs etwas schreibe, das entscheide er nach Bedarf. Ein ausgefeiltes Konzept habe er dafür nicht.

Social Media und Unternehmen: Auch bei der Handwerkskammer Unterfranken sowie bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Würzburg ist das Thema längst aufgeschlagen. So hat die Handwerkskammer auf ihrer Internet-Seite einen Videoratgeber („Handwerk 2.0“). Die IHK steht in Form ihres Mainfränkischen Electronic Commerce Kompetenzzentrum (MECK) kleinen und mittleren Firmen zur Seite.


Soziale Netzwerke

Wer als Unternehmer in sozialen Netzwerken aktiv werden will, sollte wissen, welcher „Kanal“ für welche Zwecke dient. Eine Übersicht über die wichtigsten Angebote:

  • Facebook: Mit 850 Millionen Nutzern weltweit der Klassiker, an dem kaum jemand vorbeikommt. Eignet sich insbesondere, um Meinungen von Kunden einzuholen und die Konkurrenz zu beobachten. Firmen sollten sich kein Profil, sondern eine Facebook-Seite anlegen (eignet sich auch für einzelne Produkte). Am Rande interessant: Ab 25 Fans kann man seiner Facebook-Seite eine Internet-Adresse mit dem Firmennamen geben (Beispiel: www.facebook.com/musterfirma).
  • Google+: Das Konkurrenz-Angebot zu Facebook hat noch nicht den durchschlagenden Erfolg und sollte allenfalls parallel zu einer Facebook-Seite verwendet werden.
  • Twitter: Der sogenannte Microblogging-Dienst ist die richtige Adresse, wenn eine Firma aktuelle Informationen schnell unters Publikum bringen möchte. Voraussetzung für den Erfolg: Man braucht viele „Follower“, also andere Twitterer, die die Firmen-Tweets abonniert haben. Twitter wird gerne auch von Fachjournalisten genutzt, um in ihrem Segment das Ohr am Geschehen zu haben.
  • Blog: Bietet sich als Pendant (oder Ersatz) zur eigenen Firmen-Website an. Blogs können – ähnlich wie Twitter – genutzt werden, um im eigenen Layout brandneue Firmen-Informationen oder Tipps zu verkünden – und Kommentare von Kunden zu bekommen. Nachteil gegenüber Twitter: Blogs gibt es wie Sand am Meer. Wer sich da hervorheben will, muss gut sein. Bei Twitter hingegen kann man vor allem über die Follower-Funktion schnelle Aufmerksamkeit bekommen.
  • Xing, LinkedIn: Beide Portale haben sich auf berufliche Kontakte spezialisiert. Wer auf Stellensuche ist oder wer (Führungs-)Personal für sein Unternehmen sucht, ist dort gut aufgehoben.
  • YouTube: für Firmenvideos. Sie eignen sich zum Beispiel, um die Funktionsweise eines neuen Produkts zu beschreiben.

Schlagworte

  • Blogs
  • Bäckereien und Konditoreien
  • Dell
  • Facebook
  • Mittelunternehmen
  • Social Media
  • Twitter
  • YouTube
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!