BERLIN

re:publica 2015: Ernüchterung in der Netzgemeinde

Re:publica 2015       -  Der Internet-Aktivist Ethan Zuckerman spricht bei der Internetkonferenz Re:publica in Berlin. Die Media Convention läuft vom 05.05.2015 bis 07.05.2015 unter dem Motto 'finding europe'.
Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) | Der Internet-Aktivist Ethan Zuckerman spricht bei der Internetkonferenz Re:publica in Berlin. Die Media Convention läuft vom 05.05.2015 bis 07.05.2015 unter dem Motto "finding europe".
Ernüchterung hat sich breit gemacht in der Netzgemeinde. Die Euphorie früherer Jahre scheint verflogen. Nein, dieses irgendwie magische Internet hat nicht einfach alles besser gemacht, demokratischer und fairer. "Das war ein großer Irrtum", sagt Ethan Zuckerman. Der Netz-Pionier und Politikwissenschaftler am renommierten Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA, hielt am Dienstagvormittag die Eröffnungsrede der re:publica, der größten und wichtigsten europäischen Digital-Konferenz in Berlin. Die Konferenz, die zum neunten Mal stattfindet, bricht erneut die selbst aufgestellten Rekorde: mehr als 6000 Teilnehmer, mehr als 450 Präsentationen, Vorträge und Podiumsdiskussionen mit 850 Rednern aus 80 Ländern. Es gibt kaum ein digitales Thema, das hier nicht verhandelt wird. Das Internet durchdringt alle Lebensbereiche und vor allem jede Menge junger Leute machen sich auf, die neuen, digitalen Welten zu erkunden. Aber auch viele Vertreter der Digitalwirtschaft, der Medienwelt und der Politik sind nach Berlin gekommen, um zu erfahren, was da als nächstes großes Ding aus dem Netz auf uns zukommt.

Viel Begeisterung ist zu spüren, aber eben auch Nachdenklichkeit und Ernüchterung. Markus Beckedahl, einer der re:publica-Erfinder und Netzaktivist der ersten Stunde, gab sich in seiner Eröffnungsrede kämpferisch, musste aber auch eingestehen, dass die Netzgemeinde bei den großen Themen nicht wirklich vorangekommen sei. Nach wie vor konterkariere die Bundesregierung die EU-Vorgaben zur Netzneutralität. "Die Vorratsdatenspeicherung kehrt wir ein Zombie immer wieder in die politischen Diskussion zurück, obwohl jeder Beweis fehlt, dass wir diese anlasslose Speicherung unseres Kommunikationsverhaltens wirklich brauchen." Notwendig sei zudem der sofortige Ausstieg aus der von Snowden aufgedeckten "Totalüberwachung" durch die Geheimdienste. Ein Jahr sei diskutiert worden, passiert sei nichts.

Hauptredner Zuckerman beschrieb das "Zeitalter des Misstrauens" in Regierungen, Institutionen und Organisationen, auf das es weltweit deutliche Hinweise gebe. Nicht Vertrauen, sondern Misstrauen sei vielerorts zur Grundeinstellung geworden, mit allen negativen Folgen für die verschiedenen Systeme politischer Teilnahme von Bürgern. Wenn in Deutschland der Vorwurf der "Lügenpresse" laut werde, dann sei das eben auch ein Ausdruck dieser Grundbefindlichkeit. Auch den Medien werde nicht mehr vertraut. Eine Lösung für diese Problematik hatte Zuckerman nicht mit nach Berlin gebracht.

Wie wir aus diesem ganzen Misstrauen-Schlamassel rauskommen, ist noch nicht klar: Software, überschaubare Organisationen... #zuckerman #rp15 Die re:publica wird Mittwoch und Donnerstag fortgesetzt.

Hier können Sie die Diskussionen und Sessions auf der Bühne live in diversen Streams verfolgen.
Themen & Autoren / Autorinnen
Andreas Kemper
Massachusetts Institute of Technology
Netzgemeinde
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!