Berlin

Was Mieter bei Ungeziefer im Haus machen sollten

Ungeziefer im Haus sind Mietmangel       -  Einzelne Ameisen müssen Mieter ertragen. Nistet sich aber eine ganze Kolonie häuslich in der Wohnung ein, sollten sie den Vermieter informieren.
Einzelne Ameisen müssen Mieter ertragen. Nistet sich aber eine ganze Kolonie häuslich in der Wohnung ein, sollten sie den Vermieter informieren. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

Tauben hinterlassen Dreck auf dem Fensterbrett, im Keller tummeln sich Kakerlaken, im Bad gibt es Silberfische, an der Fassade krabbeln Ameisen: Keine Frage, Ungeziefer am und im Haus ist lästig. Schlimmstenfalls drohen Gefahren für die Gesundheit. Mieter sollten daher umgehend den Vermieter über den Befall informieren.

Denn grundsätzlich ist es dessen Aufgabe, Schädlinge zu beseitigen. Schließlich hat er die Wohnung „in einem gebrauchsfähigen Zustand zu halten”, erklärt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Der Vermieter ist es deshalb auch, der die Kosten einer Schädlingsbekämpfung trägt.

„Ungeziefer am oder im Haus ist ein Mangel der Mietsache”, stellt auch Rolf Janßen vom DMB Mieterschutzverein in Frankfurt/Main klar. Bis zur Beseitigung des Mangels kann der Mieter die Miete mindern.

Vermieter muss Maßnahmen ergreifen

Ist etwa durch Taubenkot ein Balkon unbenutzbar, muss der Vermieter etwas tun, um die Vögel dauerhaft fernzuhalten. Er kann zum Beispiel Taubenstacheln am Balkon anbringen oder Netze spannen. „Für den Mieter kommt bei gesundheitlichen Schäden sogar Schmerzensgeld in Betracht, wenn der Vermieter untätig bleibt”, erläutert Janßen.

Natürlich können Mieter Schädlinge auch selbst bekämpfen. „Allerdings können sie die Kosten dafür vom Vermieter nur unter einer bestimmten Voraussetzung zurückfordern”, erklärt Wagner. Und zwar muss der Mieter den Vermieter zuvor mit angemessener Frist und am besten schriftlich dazu aufgefordert haben, die Schädlinge zu beseitigen - und der Vermieter ist dieser Pflicht dann nicht nachgekommen.

Wenn Mieter selbst tätig werden und dem Ungeziefer zu Leibe rücken, müssen sie den Vermieter trotzdem über den Befall informieren. Denn er muss einschätzen und bewerten, ob er ebenfalls tätig werden muss, um die Immobilie instandzuhalten.

Mieter kann schadenersatzpflichtig werden

Versäumt es der Mieter, den Vermieter zu informieren und vergrößert sich dadurch die Plage oder es entstehen sogar Schäden, könne der Vermieter Schadenersatz geltend machen, erklärt Wagner. Ihr Rat: Schon im Mietvertrag sollte der Hinweis stehen, dass bei Schädlingsbefall unverzüglich der Vermieter zu informieren ist. So stellt der Vermieter sicher, dass er frühzeitig tätig werden kann - und nicht erst, wenn das Ungeziefer sich bereits ausgebreitet hat.

Generell gilt aber auch: Sind es nur einzelne Schädlinge, so muss der Mieter sie hinnehmen. „Dies gehört zu einer normalen Nutzung der Mietwohnung dazu”, sagt Wagner. So befand das Amtsgericht Köln, dass einzelne Ameisen alleine in der Regel nicht dazu führen, dass der vertragsmäßige Gebrauch einer Wohnung beeinträchtigt ist (Az.: 213 C 548/97). Davon könnte erst die Rede sein, wenn es zu einer richtigen Besiedlung durch die Ameisen kommt.

Anders sieht es aus, wenn eine Wohnung von Kakerlaken befallen ist. „Das kann zur Mietminderung berechtigen”, so Janßen. Stellen Mieter noch vor ihrem Einzug fest, dass die Wohnung von Kakerlaken befallen ist, können sie den Mietvertrag auch fristlos kündigen, entschied das Landgericht Freiburg (Az.: 3S 1/85).

Köderdosen können helfen

Doch wie vorgehen, wenn es zu einem Befall kommt? Da bei der Ungezieferbekämpfung auch Belange des Umwelt- und Artenschutzes zu beachten sind, sollten Mieter vor dem Kauf von Mitteln im Handel im Zweifel Experten um Rat fragen. Verbraucherschützer empfehlen , möglichst auf Sprays und Vernebler zu verzichten und stattdessen auf unbedenkliche Mittel wie Köderdosen, Gele und Fallen zu setzen.

„In schwerwiegenderen Fällen kann zumeist eine Fachfirma helfen, die auf die Bekämpfung von Ungeziefer spezialisiert ist”, sagt Wagner.

Wer solch eine Fachfirma beauftragt, sollte Verbraucherschützern zufolge darauf achten, dass der Schädlingsbekämpfer und seine Mitarbeiter einen Sachkundenachweis haben, also „geprüfte Schädlingsbekämpfer” sind. Zudem steht die Firma in der Pflicht, über nötige Sicherheitsvorkehrungen und mögliche Innenraumbelastungen zu informieren. Und auch bei der Fachfirma sollten Kunden darauf bestehen, dass möglichst unbedenkliche Mittel zum Einsatz kommen.

Mieter dürfen Tauben nicht anlocken

Mieter müssen darauf achten, dass sie mit ihrem Verhalten unerwünschte Mitbewohner nicht anlocken. Das Füttern von Tauben beispielsweise ist nicht zulässig. „Da von Tauben Verschmutzungen, Geräuschbelästigungen und Ungeziefergefahren ausgehen, dürfen Mieter sie nicht füttern”, sagt Janßen. Missachten Mieter dieses Verbot, kann es nach einer Abmahnung zu einer Kündigung kommen.

Allerdings gilt auch: „Das Aushängen von Futterglocken oder das Ausstreuen von Vogelfutter für Singvögel auf Außenfensterbänken kann ein Vermieter nicht beanstanden”, betont Mieterschützer Janßen. Gleiches gilt für das Aufstellen eines Vogelhäuschens.

© dpa-infocom, dpa:200710-99-748713/2

Rolf Janßen       -  Rolf Janßen ist Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt am Main.
Rolf Janßen ist Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt am Main. Foto: Foto Wachendörfer/DMB Mieterschutzverein/dpa-tmn
Julia Wagner       -  Julia Wagner ist Referentin beim Eigentümerverband Haus & Grund in Berlin.
Julia Wagner ist Referentin beim Eigentümerverband Haus & Grund in Berlin. Foto: Die Hoffotografen/Haus & Grund Deutschland/dpa-tmn
Ungeziefer im Haus sind Mietmangel       -  Mit solchen Attrappen lassen sich Tauben fernhalten. Damit lässt sich auch die Verschmutzung auf dem Balkon verringern.
Mit solchen Attrappen lassen sich Tauben fernhalten. Damit lässt sich auch die Verschmutzung auf dem Balkon verringern. Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Rückblick

  1. Anwälte können auch per Telefon helfen
  2. Spar-Optionen mit Vermögenswirksamen Leistungen
  3. BGH schützt Mieter vor überhöhten Modernisierungskosten
  4. Mieter haben keinen Anspruch auf Klimaanlage
  5. Geschlossene Fonds setzen Erfahrung voraus
  6. So wird die Versicherungssumme ermittelt
  7. Ein Jahr solidarisches Grundeinkommen in Berlin
  8. Mietverträge enthalten oft unzulässige Klauseln
  9. Wo Verbraucher den Rotstift ansetzen können
  10. Dürfen Händler auf Kartenzahlung bestehen?
  11. Wohnungstausch nur mit Zustimmung des Vermieters
  12. Berufsunfähigkeit: Alternative Versicherungen bergen Risiken
  13. Sparer dürfen nicht auf Sicherheit vertrauen
  14. Wenn das Handy die Ladenkasse ersetzt
  15. Aufzug muss rund um die Uhr betriebsbereit sein
  16. Für Wohnen auf Zeit gelten klare Regeln
  17. Was Pfandleiher von Banken unterscheidet
  18. Offene Immobilienfonds: Unsichere Aussichten durch Corona
  19. Wer Anspruch auf Kinderzuschlag hat
  20. Krankenkasse darf nicht nur fürs Fitnessarmband zahlen
  21. Was Mieter für den Hausmeister zahlen müssen
  22. Für Wohnungseigentümer gibt es bei Balkonbepflanzung Grenzen
  23. Was Mieter bei Ungeziefer im Haus machen sollten
  24. Mieter und Vermieter sollen sich das Renovieren teilen
  25. Wie Kinder den Umgang mit Geld lernen
  26. Welche Rechte haben Erben?
  27. Was Anleger aus dem Fall Wirecard lernen können
  28. So kommen Eltern zum Elterngeld
  29. Wie Verbraucher das passende Konto finden
  30. Teils lange Verjährungsfrist bei Schaden nach Renovierung
  31. Wie Verbraucher vom Juli an sparen können
  32. Zur Baufinanzierung per Videokonferenz
  33. Mieter müssen bei längerer Abwesenheit für Wohnung sorgen
  34. Mieter darf entscheiden, ob Fotos der Wohnung gemacht werden
  35. Gartenpflege kann Aufgabe der Mieter sein
  36. Was Mieter beim Auszug beachten müssen
  37. Welche Betriebskosten Vermieter umlegen dürfen
  38. Keine Pflicht zum Abschließen der Haustür
  39. Starkes Hundegebell kann Kündigung rechtfertigen
  40. Depressive Erkrankung entschuldigt keinen Verzug bei Miete
  41. Untervermietung nur mit Erlaubnis des Vermieters
  42. Darf der Vermieter die Bepflanzung bestimmen?
  43. Neue Wohnung nicht nur per Video besichtigen
  44. Planschbecken sind unter Einhaltung von Regeln meist erlaubt
  45. Mietrecht kennt kein Gewohnheitsrecht
  46. Sichtschutz nur mit Zustimmung des Vermieters
  47. Eigenbedarfskündigung auch für Ferienwohnung möglich
  48. Wann Hüpfen und Springen in der Wohnung erlaubt sind
  49. Wie Anleger von Trends profitieren können
  50. Wann lohnt eine Rechtsschutzversicherung?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Amtsgericht Köln
  • Finanzen
  • Landgericht Freiburg
  • Mieten
  • Mieterinnen und Mieter
  • Mietervereine
  • Mietminderung
  • Mietverträge
  • Mietwohnungen und Mietshäuser
  • Schadensersatz und Schadensersatzrecht
  • Schäden und Verluste
  • Vermieter
  • Vogelfutter
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!