BERLIN/SCHWEINFURT

Pferdefleischskandal weitet sich aus

Der Skandal um falsch etikettiertes Pferdefleisch in Lebensmitteln weitet sich aus. Nachdem die Supermarktkette real bereits am Mittwoch eine Lasagne zurückgerufen hatte, die statt des ausgewiesenen Rindfleisches auch Pferdefleisch enthielt, folgen nun Vorfälle bei anderen Ketten: In dem Tiefkühlprodukt „Gut & Günstig Lasagne Bolognese“ seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte am Donnerstag dann auch ein Edeka-Sprecher. Der Artikel sei vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden. Die beigemischte Menge liege bei einem bis fünf Prozent. Konkurrent Rewe nahm am Donnerstag Lasagne und Cannelloni der Marke Tulip aus dem Sortiment. Wie das Unternehmen mitteilte, konnte der Hersteller nicht ausschließen, dass die beiden Produkte Pferdefleisch enthalten könnten. Auch der Tiefkühllieferservice Eismann und die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann zogen Fertiglasagne zurück. Falsch deklarierte Lasagne mit Pferdefleisch ist möglicherweise auch nach Bayern gelangt. „Wir haben in einem Kühllager so etwas noch feststellen können. Wir haben vor, diese Proben zu untersuchen“, sagte Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU).

Seit Beginn des Skandals hat wie im übrigen Bayern auch die Stadt Würzburg ihre Lebensmittelkontrollen verstärkt, so Pressesprecher Christian Weiß. Bislang seien aber keine falsch deklarierten Produkte gefunden worden. Gleiches heißt es im Veterinäramt für den Landkreis Schweinfurt von Leiter Thomas Wiethe. Pferdefleisch als Rindfleisch auszuweisen, sei schlicht Täuschung, sagt Wiethe: „Dem Verbraucher wird da etwas vorgegaukelt.“

Erschwert werden die Kontrollen dadurch, dass bei verarbeiteten Fleischprodukten die Herkunft nicht ausgewiesen werden muss. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb eine genauere Etikettierung der Lebensmittel: „Bei verarbeitetem Fleisch ist die Herkunft für den Verbraucher komplett verschleiert“, beklagt Daniela Krehl, Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Bayern. Es falle auf, dass gerade günstige Handelsmarken betroffen seien, sagt sie: „Es ist einfach eine Preissache.“ In der Herstellung koste Pferdefleisch weniger als Rind. Horst Schömig, Obermeister der Metzger-Innung Würzburg ergänzt: Die geringe Nachfrage mache Pferdefleisch für die Industrie zu einem billigen Rindfleischersatz. In den Metzgereien der Region wird Pferdefleisch laut Schömig nicht angeboten.

Das Ausmaß des Skandals sei noch nicht abzusehen, meint Wiethe vom Veterinäramt Schweinfurt: „Wenn da schon Lebensmittel auf obskuren Wegen in den Verkehr gebracht und mit krimineller Energie falsch etikettiert werden, könnte es sein, dass das noch weitergeht.“ Für Pferdefleisch gelten andere Richtlinien als etwa für das Fleisch von Rindern oder Schafen. Pferde, die nicht für den Verzehr bestimmt sind, dürfen mit anderen Medikamenten behandelt werden als Schlachttiere. Diese müssen mit einem Zertifikat für die Ernährung zugelassen werden, entsprechend gelten für sie strengere Regeln bei der Medikamentengabe.

In Großbritannien wurde jetzt Phenylbutazon im Fleisch von Pferden nachgewiesen. Das Medikament setzen Tierärzte gegen Entzündungen ein, es gilt aber auch als Dopingmittel. In Großbritannien wurden im Zuge des Pferdefleischskandals drei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, Betrug mit Lebensmitteln begangen zu haben.

Mit Informationen von dpa

Pferdefleisch in Europa

Die EU-Statistikbehörde Eurostat erhebt nur Zahlen zum Verzehr von Esel, Maultier, Maulesel und Pferd zusammen; der Großteil davon entfällt jedoch nach Angaben der EU-Behörde auf Pferdefleisch. Besonders Italiener essen gerne Pferdefleisch – ein Kilo pro Kopf und Jahr. Die jüngsten Zahlen sind jedoch aus dem Jahr 2007 und zudem lückenhaft. Auch Luxemburger haben Appetit auf Pferd: Knapp 680 Gramm aßen die Bürger des Großherzogtums pro Kopf und Jahr. In Frankreich waren es rund 350 Gramm. Europa importiert Pferdefleisch vor allem aus Kanada, Mexiko und Argentinien, erklärt die EU-Kommission. Eurostat zufolge wurden im Jahr 2011 rund 28 330 Tonnen zum Konsum in der EU importiert – das ist wiederum eine Sammelzahl für Esel, Maultier, Maulesel und Pferd. Nach Angaben der EU-Kommission importiert Europa pro Jahr 36 000 Tonnen reines Pferdefleisch. Es gelangt vor allem über Italien und Belgien in die EU. Weitere 70 000 Tonnen fallen der Brüsseler Behörde zufolge vor allem in Schlachthäusern in Italien, Polen und Rumänien an.


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