Stuttgart

Was Heumilch von herkömmlicher Milch unterscheidet

In der EU kann Heumilch mit dem Gütesiegel g.t.S. - garantiert traditionelle Spezialität - ausgezeichnet werden, wenn bestimmte Voraussetzungen bei der Produktion erfüllt sind.

Erlaubte Futtermittel sind nach Angaben des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums etwa frisches Gras, Kräuter, ergänzt durch Grünraps, Grünmais, Grünroggen, Futterrüben, Heu-, Luzerne- und Maispellets. Auch Weizen, Gerste, Hafer, Triticale, Roggen und Mais „in marktüblicher Form” seien ebenso zur Fütterung erlaubt wie unter anderem Ackerbohnen, Futtererbsen, Lupinen und Ölfrüchte.

Nicht erlaubt als Futtermittel seien hingegen alle Gärfuttermittel. Das sind vor allem Silage und Feuchtheu, die in der konventionellen Milchviehhaltung gang und gäbe sind. Nebenprodukte von Brauereien, Brennereien, Mostereien und der Lebensmittelindustrie dürfen Landwirte ebenso wenig verfüttern wie eingeweichte Futtermittel und Futtermittel tierischen Ursprungs (Milch, Molke, Tiermehle) für Muttertiere. Auch Garten- und Obstabfälle, Kartoffeln und Harnstoff stehen auf der Verbotsliste. Gleiches gilt den Angaben zufolge für Futtermittel, die außerhalb Europas produziert wurden.

Weitere Anforderungen beziehen sich laut Ministerium auf das Düngen und chemische Hilfsstoffe: So müssten Bauern bei Heumilch-Betrieben beispielsweise auf Klärschlamm als Dünger verzichten. Sie dürften chemische Pflanzenschutzmittel nur sehr punktuell nutzen und zugelassene Sprühmittel zur Fliegenbekämpfung in Milchviehställen nur dann einsetzen, wenn keine Milchkühe im Stall sind.

Seit März 2018 darf Milch unter der Bezeichnung Heumilch g.t.S. vermarktet werden, wenn die Anforderungen erfüllt werden und sich der Hersteller einem Kontrollsystem unterstellt. Heumilch-Produkte gibt es aber deutlich länger: So wird zum Beispiel Allgäuer Emmentaler schon immer aus silagefreier Rohmilch hergestellt, um etwa eine Spätblähung des Käses zu vermeiden.

© dpa-infocom, dpa:210118-99-72325/2

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