Köln

Das Sprungfieber hat Deutschland erfasst

Trampolinhallen im Trend
Die Geschwister Lilith (oben, 20) und Matilda (16) üben in der Trampolinhalle "Cosmic Arena". Foto: Jörn Perske/dpa

Die beiden jungen Sportlerinnen hüpfen wie Flummis durch die Halle. Gekonnt und spielerisch leicht bewegen sich Lilith (20) und Matilda (16) über die vielen Trampoline. Springend und rotierend reihen die Schwestern Grätschen, Flugrollen und Salti aneinander.

„Es macht riesigen Spaß. Hier kann man auch mutig etwas Neues ausprobieren, ohne sich wehzutun”, sagt Lilith, nachdem sie akrobatische Sprünge in eine mit Schaumstoffwürfeln gefüllte Grube gesetzt hat.

In der neuen Trampolinhalle im osthessischen Petersberg herrscht reger Betrieb. Ralph Görlich, einer der beiden Geschäftsführer der Cosmic Arena, in der 72 Trampoline in einer ehemaligen Tennishalle verbaut sind, weiß warum: „Trampolinspringen ist äußerst beliebt bei Jung und Alt. Es verbindet Spaß und Sport in bester Weise.”

Auch in kleineren Orten

Mittlerweile sind die Anlagen nicht mehr vor allem in Großstädten zu finden, in denen Innovationen schneller ankommen. Auch an kleineren Orten siedeln sie sich zunehmend an. Das Sprungfieber hat Deutschland erfasst. Wenn im Herbst und kommenden Winter mehr wetterunabhängige Freizeitaktivitäten gesucht werden, dürften die Trampolinhallen viel Zulauf bekommen. Jump House und Superfly zählen zum Beispiel zu größeren Anbietern.

Sportökonom Christoph Breuer (48) von der Deutschen Sporthochschule in Köln sagt: „Trampolinhallen sind eindeutig im Trend. Vor fünf Jahren waren sie nur vereinzelt zu finden. Seit zwei bis drei Jahren gibt es immer mehr davon in ganz Deutschland. Nun ist der Trend auf seinem Höhepunkt angekommen.” Die Anbieter profitierten davon, dass es bereits viele taugliche Gebäude gebe, die genutzt werden können. „Industriehallen eignen sich und natürlich auch Tennis-, Badminton- oder Squash-Hallen, die umgewidmet werden.” Befeuert werde der Trend etwa durch die mediale Begleitung. So profitierten die Betreiber etwa vom beliebten TV-Format „Ninja Warrior” (RTL). Dabei messen sich Freizeitsportler und versuchen, einen auch mit Trampolinen ausgestatten Hindernisparcours schnellstmöglich zu bewältigen.

Von Vorteil für die Anbieter von Trampolinhallen ist auch:

„Es gibt eine riesige Gruppe potenzieller Kunden. Diese Freizeitaktivität ist für fast jedes Alter geeignet. Auf dem Trampolin zu hüpfen, kann ja jedes Kind. Große sportmotorische Voraussetzungen oder Fähigkeiten sind nicht erforderlich.” Deswegen werden nicht selten Kindergeburtstage in den Hallen gefeiert - Trampolin-Toben inklusive. Und auch Betriebsausflüge führen dorthin.

Der Trend zum Trampolin ist laut Breuer dadurch zu erklären, dass es in der Gesellschaft ein großes Bedürfnis nach Bewegung gebe. „Spaß- und Actionsportarten profitieren überproportional. Die Menschen suchen halt auch ständig Abwechslung.” Beim Trampolinspringen rechnet Breuer aber nicht damit, dass es langfristig und mehrmals pro Woche betrieben werde, im Vergleich zu traditionellen Sportarten. „Man geht eher zwei- bis dreimal die Woche laufen, schwimmen oder übt eine andere Sportart aus.” Nutznießer vom Trend könnte aber der Deutsche Turner-Bund mit seiner Trampolinsparte sei. „Da sind Synergie-Effekte möglich. Neue Mitglieder können gewonnen werden.”

Turner-Bund

So sieht es auch die Vize-Präsidentin des Deutschen Turner-Bundes, Katja Ferger: „Der Trend zu Trampolinhallen ist erstmal positiv zu bewerten. Ich sehe sie nicht als Konkurrenz. Über diese Angebote können Interessierte den Weg zu uns finden. Es gibt bereits vereinzelt Kooperationen mit Vereinen. Ich sehe großes Potenzial.” Doch Ferger warnt Besucher von Trampolinhallen vor Übereifer: „Die Anlagen animieren zum pausenlosen Springen und haben einen hohen Aufforderungscharakter. Deswegen überschätzen sich die Nutzer schnell und merken nicht, wenn Kopf und Körper müde werden.” Dann könne es schnell zu Verletzungsrisiken kommen, sagt Ferger, die auch als Turn- und Trampolin-Dozentin an der Universität Gießen arbeitet.

In die gleiche Kerbe schlägt Axel Kupfer. Der Leiter des Lehr- und Forschungsgebiets Gerätturnen an der Deutschen Sporthochschule sagt: Die Trampolinhallen glichen gewaltig großen Spielplätzen, auf denen man sich eine Stunde Spaß kaufe. Aber das sei nicht ungefährlich.

Verletzungsgefahr ist hoch

„Wenn die viele Meter lang hintereinander angeordneten Sprungflächen nicht mit Bedacht genutzt werden, ist das Verletzungsrisiko hoch.” Wer einfach wild losspringe, laufe Gefahr, sich Rücken-, Muskel- oder Gelenkverletzungen zuzuziehen. Aufwärmen und zwischendurch Pausen einzulegen, sei ratsam. „Denn die Belastung auf den Körper ist hoch.”

Zwar gibt es in den Trampolinhallen Aufsichtspersonal. Doch die achten gewöhnlich nur darauf, dass die wichtigsten Sicherheitsregeln eingehalten werden. „Die Besucher werden oft alleingelassen, werden meist nur beobachtet und nicht richtig angeleitet. Dazu gehört auch der Hinweis, mal eine Pause einzulegen. Doch wenn da Fachpersonal arbeiten würde, wären die Eintrittspreise wohl nicht zu halten.” Kupfer, generell dem Trend nicht abgeneigt, sieht für die kommerziellen Anbieter, Chancen länger zu bestehen: „Die Trampolinhallen haben das Potenzial, einige Zeit zu überleben. Noch ist es ja auch ein recht junger Trend.”

Die turnbegeisterten Sportlerinnen Lilith und Matilda aus Hessen glauben, dass Trampolinhallen lange bestehen bleiben. Sie bieten ihnen vielfältige Möglichkeiten. „Bei den verschiedenen Stationen hat man viel Abwechslung, mal geht es spielerischer, mal sportlicher zu”, findet Matilda. Ihre Schwester ergänzt nach der schweißtreibenden Sprungstunde: „Man geht danach glücklich und ausgepowert nach Hause.”

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