WÜRZBURG

Immuntherapie: Hoffnung im Kampf gegen Krebs

Immuntherapie bei Hautkrebs: Prof. Dr. Bastian Schilling, Universitätsprofessor für Dermatologische Onkologie und Oberarzt an der Uni-Hautklinik, sieht große Chancen in der neuartigen Behandlung. Foto: Daniel Peter

Jahrzehntelang kämpften Mediziner und Forscher mit allen möglichen Ansätzen gegen Hautkrebs, wie Strahlen- oder Chemotherapie. Der Erfolg war begrenzt. Seit wenigen Jahren gibt es nun einen Hoffnungsträger: die Immuntherapie. Sie kommt in der Behandlung verschiedener Krebsarten zum Einsatz. Das US-amerikanische Cancer Research Institute (CRI) hat den Juni zum Monat der Immuntherapie ausgerufen.

Jährlich 3000 Tote in Deutschland durch Schwarzen Hautkrebs

Die Patientengeschichte von Peter B. zeigt, wie sie auch beim Malignen Melanom, dem Schwarzen Hautkrebs, greifen kann. Pro Jahr sterben laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland rund 3000 Menschen an der Krankheit, bei etwa 20 000 Patienten wird das Maligne Melanom neu diagnostiziert.

Am Universitätsklinikum Würzburg unterziehen sich laut Dermatologe Prof. Bastian Schilling aktuell 53 Hautkrebspatienten einer Immuntherapie. Eingesetzt werden dabei u.a. die Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab. Beide wurden fast zeitgleich entwickelt und sind seit 2015 zugelassen.

Neue Antikörper „enthemmen“ das Immunsystem im Kampf gegen Krebs

Experte Schilling erklärt das Prinzip: Häufig erkennt das Immunsystem zwar den Schwarzen Hautkrebs. Aber die Immunzellen werden von den Krebszellen „ausgetrickst“: Diese weichen aus, sie können nicht mehr abgewehrt werden. Sie vermehren sich und greifen andere Organe an. Die dem Patienten als Infusion verabreichten Antikörper verändern nun – als „Checkpoint-Blocker“ oder „PD1-Blocker“ – gezielt die Kommunikation zwischen den Krebszellen und den gesunden T-Zellen. Das Immunsystem wird aktiviert, es erkennt die Tumorzellen wieder und kann sie effektiv bekämpfen.

Die Wirkstoffe sind inzwischen bei einigen Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium zugelassen – neben dem Schwarzen Hautkrebs auch bei Lungenkrebs, Lymphdrüsenkrebs und Blasenkrebs.

Immuntherapie nicht für alle Krebsarten und alle Patienten

Trotz erster Erfolge und großer Hoffnungen bremst Dermatologe Schilling die Euphorie: Der Einsatz dieser Antikörper kann zu Nebenwirkungen führen, ein knappes Drittel der Behandlungen muss deshalb abgebrochen werden. „Die Therapie ist keine Wunderwaffe“, sagt Schilling. Sie funktioniere nicht bei jeder Krebsart und schlage nicht bei allen Patienten in gleicher Weise an.

Die Ansprechrate bei Hautkrebs liegt aktuell zwischen 40 und 60 Prozent. Wie groß die Erfolgsaussichten einer Immuntherapie sind, lässt sich Schilling zufolge nicht sicher vorhersagen. Vermutlich seien sie aber größer, wenn die Krankheit weniger weit fortgeschritten ist, der Patient von Haus aus über ein gutes Immunsystem verfügt und dieses den Tumor generell erkennen kann.

Wirkung muss noch längere Zeit beobachtet werden

In jedem Fall gilt: Lebten früher nur fünf bis zehn Prozent der Patienten bei fortgeschrittenem Melanom noch länger als zehn Jahre, so „ist es mittels neuer Therapien heute möglich, Krebspatienten bei überschaubaren Nebenwirkungen zu einem normalen Leben zu verhelfen“, sagt Schilling.

Von „Heilung“ mag der Mediziner nicht sprechen – er setzt lieber auf eine „langfristige Krankheitskontrolle“. Weil erst seit drei Jahren in der Anwendung, kann die nachhaltige Wirkung oder gar Heilung durch die neuen Medikamente noch nicht beurteilt werden.

Hautkrebs ist die fünfthäufigste Krebsart in Deutschland

Laut Robert-Koch-Institut ist der Schwarze Hautkrebs in Deutschland zurzeit die fünfthäufigste Krebsart. Und trotz aller Fortschritte und Erfolgsmeldungen wie bei Patient Peter B.: Bei den zahlenmäßig noch häufigeren Krebsarten Brust-, Prostata- und Darmkrebs funktioniert die Immuntherapie nach Aussage von Hautexperte Schilling nicht.

Hier müssen die Patienten auf weitere Forschungserfolge und die Entwicklung von Krebsmedikamenten hoffen. An der Uniklinik Würzburg – etwa im Bereich der Hämatologie – wird eifrig daran geforscht.

Zur Person:
Prof. Dr. Bastian Schilling, Jahrgang 1979, ist seit Februar 2017 Professor für Dermatologische Onkologie und Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Uniklinikums Würzburg. Schilling leitet auch die Arbeitsgruppe Translationale Tumorimmunologie und Immuntherapie.
Er studierte von 2000 bis 2007 Humanmedizin in Duisburg-Essen, war 2010/2011 als Post-doc am Hillman Cancer Center in Pittsburgh (USA) tätigt, 2015 als Gastwissenschaftler in Amsterdam.

 

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