Frankfurt/Main

Wann ist der Winter-Blues eine Depression?

Raus aus dem Bett?
Schon aufstehen? Dass man manchmal nur schwer aus dem Bett kommt, ist ganz normal. Wird die Antriebslosigkeit zum Dauerzustand, brauchen Betroffene eventuell Hilfe. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Der Wecker klingelt, aufstehen! Doch gerade im Winter fehlt manchmal der Antrieb, das kuschelig-warme Bett zu verlassen. Draußen ist es noch dunkel, der Wind pfeift ums Haus, der Regen prasselt gegen die Scheiben.

Und selbst wer sich mühsam aus dem Bett quält, findet vielleicht trotzdem nie ganz heraus aus der Antriebslosigkeit. Ist das harmlos oder gefährlich?

„Das kommt darauf an”, sagt Iris Hauth, Chefärztin im Alexianer Krankenhaus Berlin-Weißensee und Fachärztin für Psychiatrie. Ein vorübergehender Winter-Blues, der kurzzeitig auftritt und im Alltag kaum stört, kann noch völlig harmlos sein.

Dunkelheit macht müde

Ursache für die eher schlechte Laune im Winter ist oft ein Mangel an Tageslicht, der den Hormonhaushalt durcheinanderbringt. „Weniger Tageslicht führt zu einer höheren Ausschüttung des Hormons Melatonin, das müde macht”, erläutert Hauth.

So ein Tief hat fast jeder schon einmal erlebt. Wenn es in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils in der kalten Jahreszeit auftritt und danach vorbei ist, sprechen Experten von SAD. Die Abkürzung steht für „Seasonal Affective Disorder”, übersetzt also eine saisonale Störung der Stimmungslage - die Winter-Depression.

Spaziergänge gegen die Symptome

Betroffene sind in der akuten Phase nicht nur antriebslos, sie können zum Beispiel auch ständig gereizt sein. „Neben einem höheren Schlafbedürfnis kommt es oft zu Heißhunger-Attacken”, sagt Psychiater Ulrich Hegerl, Professor an der Universität Frankfurt.

Egal, ob Winter-Blues oder Winter-Depression: Helfen kann es, wenn Betroffene tagsüber eine halbe Stunde spazieren gehen. „Während der hellen Stunden bildet der Körper das Glückshormon Serotonin, das den Körper aktiviert und die Stimmung hebt”, erläutert Iris Hauth.

Schwer Betroffene brauchen Hilfe

Wenn all das nichts hilft und das Tief länger als zwei Wochen anhält, sollten sich Betroffene professionelle Hilfe suchen. Womöglich sind die Beschwerden Indizien für eine behandlungsbedürftige Depression.

Über das deutschlandweite Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe können sich Betroffene wie Angehörige kostenlos informieren. „Wichtig ist zu klären, ob die Verstimmung tatsächlich saisonal bedingt ist oder ob dahinter möglicherweise berufliche oder private Probleme stecken könnten”, so Hauth.

Antidepressiva und Verhaltenstherapie

„Für das Vorliegen einer Depression spricht, wenn der Patient beispielsweise von Schuldgefühlen und Hoffnungs- wie Freudlosigkeit geplagt ist und unter tiefer Erschöpfung und Gewichtsverlust leidet”, erklärt Hegerl.

Helfen kann in solchen Fällen die Einnahme von Antidepressiva. „Diese Medikamente machen im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht süchtig”, stellt Hegerl klar. Bei Menschen mit Depressionen sind viele Hirnfunktionen verändert - ohne dass bisher klar ist, was die genaue Ursache ist. Auch der exakte Wirkmechanismus der Antidepressiva ist noch nicht geklärt.

Generell ist ihre Wirksamkeit aber gut belegt. Allerdings ist manchmal mehr als ein Versuch nötig, bis eine Medikation gefunden ist, die der Einzelne gut verträgt und die gut wirkt. In vielen Fällen verordnet der Arzt neben Antidepressiva eine Psychotherapie.

Regenwetter
Regenwetter in der Seele: Etwas trübe Stimmung im Winter muss noch keine echte Depression sein. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Iris Hauth
Iris Hauth ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefärztin am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee. Foto: Claudia Burger/Alexianer St. Joseph-Krankenhaus/dpa-tmn
Prof. Ulrich Hegerl
Prof. Ulrich Hegerl ist Klinikdirektor am Universitätsklinikum Leipzig sowie Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Foto: Stefan Straube/UKL/dpa-tmn

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