München

Wie Ernährung die Krebstherapie unterstützt

Hauptsache lecker
Das richtige Essen für Krebspatienten muss nicht zwingend gesund sein - im Mittelpunkt steht der Genuss. Foto: ZoneCreative/Westend61/dpa-tmn

„Die eine Krebsdiät gibt es nicht!”, stellt Nicole Erickson klar. Und auch nicht das eine Krebs-Allheil-Lebensmittel. So individuell wie die Menschen und ihre Erkrankungen sei auch die Nahrungsaufnahme, meint die Koordinatorin für Ernährung am Comprehensive Cancer Center der Uniklinik München.

Aktuell setzten einige Krebspatienten auf eine Low-Carb-Diät, hat Daniel Buchholz festgestellt. Die Idee: Der Körper bekommt wenig Zucker und Kohlenhydrate, also werden auch die Krebszellen im Wachstum gehemmt, weil ihnen die Energiequelle fehlt. „Es gibt bisher noch keine Studien am Menschen, die diese These bestätigen, sondern nur Hinweise aus dem Labor und Tierstudien”, warnt der Leiter der Schule für Diätassistenten an der Universitätsmedizin Mainz.

Mangelernährung ist lebensgefährlich

Klar ist jedoch: Mit Hilfe von Essen lässt sich eine Therapie unterstützen und eine Mangelernährung verhindern. „Mangelernährung bedeutet einen ungewollten, raschen Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit, also etwa fünf bis zehn Prozent in den letzten drei bis sechs Monaten”, erklärt Eva Kerschbaum. Die Ernährungswissenschaftlerin hilft Krebspatienten in der Beratungsstelle für Ernährung am Tumorzentrum München.

Bei vielen Krebsarten verlieren die Patienten während der Therapie an Gewicht, was die Genesung zusätzlich erschwert. Denn Gewichtsverlust führt zu Kraftlosigkeit, das ohnehin angegriffene Immunsystem wird immer schwächer.

Essen, was gut tut

Neben Mangelernährung und Gewichtsverlust haben Patienten laut Kerschbaum unter anderem mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen oder Geschmacksverlust zu kämpfen. „Manchmal ekelt man sich auch vor Essen und bestimmten Nahrungsmitteln oder schon vor dem Geruch”, sagt Erickson.

Die Experten raten Patienten deshalb: Wiegen Sie sich regelmäßig, verzichten Sie eher auf extrem riechende Lebensmittel wie bestimmte Käsesorten und essen Sie das, was Ihnen gut tut und schmeckt. „Das kann sich von Tag zu Tag ändern und muss nicht unbedingt Obst und Gemüse heißen”, sagt Erickson.

Am Tag der Chemotherapie, wenn Patienten mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen haben, sollte außerdem nicht das Lieblingsessen auf den Tisch kommen. „Sonst kann sich gerade dagegen ein Ekel entwickeln”, sagt Buchholz.

In Gesellschaft schmeckt es besser

Die Angehörigen spielen eine entscheidende Rolle. Oft sind sie es, die helfen wollen und mitunter unbewusst Druck ausüben. Da wird aufwendig geschnippelt, gerührt und gekocht - und hinterher ist die Enttäuschung groß, weil der Krebspatient nichts essen mag. Dann hilft es laut Buchholz, vorzukochen und Essen einzufrieren. „So kann man es spontan anbieten, wenn der Patient gerade Hunger hat.”

„Angehörige sollten akzeptieren, dass sich die Betroffenen Mühe geben und so gut essen wie sie können”, erklärt Erickson. Vielleicht trägt gemeinsames Essen dazu bei, die Nahrungsaufnahme zu erleichtern. „Eine entspannte Atmosphäre und lockere Gespräche lenken von Übelkeit ab oder lassen das Essen bei Appetitlosigkeit besser rutschen”, sagt Kerschbaum. Manchen hilft auch das gemeinsame Kochen.

Hilfe bei qualifizierten Ernährungsberatern

Weil das Thema so vielschichtig ist, lohnt sich den Experten zufolge eine individuelle Ernährungsberatung. „Das ist allerdings nicht so einfach, weil es nicht zum Pflichtteil einer Therapie gehört”, sagt Erickson.

Auf der Suche nach einer qualifizierten Kraft schlägt man am besten beim Berufsverband der Diätassistenten oder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nach, denn die Begriffe „Ernährungstherapeut” oder „Ernährungsberater” sind nicht geschützt. Manche Berater haben sich auf Krebs spezialisiert.

Viele Rezepte zum Nachkochen bietet die Website Was-essen-bei-Krebs.de, die Erickson gemeinsam mit Partnern entwickelt hat. Die Seite ist eine Hilfe zur Selbsthilfe: Je nach Symptomen und Beschwerden lassen sich hier Rezepte zusammenstellen.

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