Berlin

Wie Impfungen in E-Patientenakten kommen sollen

Impfpass
Bisher sind Impfdaten in einem gelben Heft vermerkt. Doch schon bald können sie in einen digitalen Impfpass übertragen werden. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa

Die Abkürzung erinnert wohl manche an ein Kinderbuch, das geben auch die Kassenärzte zu. Doch „Mio mein Mio” heißt nicht nur ein Klassiker von Astrid Lindgren.

Die Buchstaben „Mio” stehen auch für „Medizinische Informationsobjekte”, von denen bald Millionen Versicherte profitieren sollen. Ab Anfang 2021 sollen elektronische Patientenakten als freiwilliges Angebot kommen. Und inzwischen nehmen konkrete Inhalte Konturen an. Als Erstes sind jetzt Standards für den digitalen Impfpass entwickelt worden, wie die damit beauftragte Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte.

Mehrwert für Patienten

KBV-Chef Andreas Gassen sagte in Berlin, diese Funktionen gäben eine Ahnung davon, was Digitalisierung wirklich an Mehrwert für Patienten und Ärzte bedeuten könne. Auf Wunsch der Versicherten können Angaben zu Impfungen bald in eine E-Akte übertragen werden. Bisher sind sie in einem gelben Heft vermerkt - doch wo ist das noch mal, wenn man es braucht? Künftig sollen Mediziner und die Patienten digital sehen können, wann und wo die letzte Tetanus-Immunisierung gemacht wurde. Und das samt genauer Impfstoff-Charge, falls es zu Rückrufen kommt.

Auch Erinnerungshilfen soll es auf dem Monitor oder Handy geben, etwa mit einem roten Balken und dem Hinweis „Diphterie-Impfschutz ist seit 2013 abgelaufen” oder „Influenza-Impfschutz läuft 2020 ab”. Zentraler Punkt der neuen digitalen Standards ist dabei, dass sie einheitlich sind. Und Praxen, Kliniken, Apotheken oder Notärzte sie untereinander austauschen und auch interaktiv nutzen können. Die Akte solle eben möglichst keine einfache Loseblatt-Sammlung im PDF-Format sein, sondern echte Innovationen bringen, heißt es bei der KBV.

Die Operation ist aber keine Kleinigkeit. Denn bisher gibt es im Gesundheitswesen je nach Softwarehersteller und Anwendung viele verschiedene Dateiformate - etwa bei Blutwerten arbeiten manche Praxen mit Prozent-Angaben, andere mit „Einheiten pro Millimeter”. Das große Ziel ist, solche Angaben zu normieren, die dann auch nicht mehr verändert werden können. Inhalte müssten beim Austausch genauso ankommen, wie sie einmal abgeschickt werden, erläutert Gassen.

Einheitliche Informationsbausteine

Dazu sollen die „Mios” dienen: kleine Informationsbausteine, die nach festen Kriterien einheitlich definiert und auch kombinierbar sind. So ist zum Beispiel der digitale Impfpass an sich ein „Mio”, das aber wiederum aus einzelnen Detail-„Mios” besteht. Das sei wie bei den Buchstaben des Alphabets, die sinnvolle Wort-Kombinationen ergeben, erläutert die KBV. Und weil es im Gesundheitswesen verschiedene Sprachen gibt, soll das Konzept der „Mios” so etwas wie eine Übersetzungshilfe sein, aber mit festen Vokabeln und Grammatikregeln.

Mit der Datenstandardisierung in dieser Größenordnung sei Deutschland auch international in einer Pionierrolle, heißt es bei der KBV. Zum Impfpass-Konzept können Experten nun noch Hinweise abgeben, fix gemacht werden soll der Standard dann voraussichtlich Mitte des Jahres. Und weitere Funktionen sollen folgen: für Zahn-Bonushefte, die gelben Hefte für U-Untersuchungen von Kindern und den Mutterpass. Hierbei sind dann aber auch aufwendigere Festlegungen für Bilddateien nötig wie zum Beispiel für Ultraschall-Aufnahmen.

Nur noch digital dürfte es aber auch beim Impfpass in Zukunft nicht zugehen, wie die KBV erklärt. Bei Reisen um die Welt verlangten manche Länder weiter einen Vermerk im gelben Impfheft mit amtlichem Stempel auf Papier.

Rückblick

  1.  Bei Coronainfektion: Isolation mit Hausmitteln
  2. Was tue ich beim Verdacht auf eine Corona-Infektion?
  3. RKI: Neuartiges Coronavirus tödlicher als Grippe
  4. Gereizte Sehne lang genug schonen
  5. Weiter kaum Corona-Gefahr durch Oberflächen
  6. Coronavirus: Zu diesen Impfungen raten Experten
  7. Klinik warnt vor Tiktok-Mutprobe „Schädelbrecher”
  8. Breitet sich das Coronavirus nun auch in Deutschland aus?
  9. Quarantäne und eingeschränkte Rechte: Was darf der Staat?
  10. Verfassungsgericht erlaubt geschäftsmäßige Sterbehilfe
  11. Woher Pickel kommen - und was dagegen hilft
  12. Italien-Rückkehrer dürfen vier Wochen kein Blut spenden
  13. Warzen bei Kindern verschwinden oft von selbst
  14. Fasten: Worauf Bürger am ehesten verzichten würden
  15. Tätowierfarbe vorsorglich vom Markt genommen
  16. Patienten helfen Forschung via App
  17. So sorgen Sie für genug Jod in der Ernährung
  18. Den Teufelskreis bei Telefonangst durchbrechen
  19. Muskelaufbau heilt den Knick-Senk-Plattfuß
  20. Notfall-Pen „Emerade” für Allergiker zurückgerufen
  21. Knappe Arzttermine gibt es nur mit Code
  22. Jecken sollten auf ihr Immunsystem achten
  23. Junk Food kann Appetitkontrolle schwinden lassen
  24. Wann gibt es den ersten Impfstoff gegen Covid-19?
  25. Alkoholrausch an Karneval: Deutsches Kulturgut mit Risiken
  26. Strategien gegen die ständige Angst
  27. Wann lohnt sich ein Krankenkassenwechsel?
  28. WHO kämpft gegen absurde Coronavirus-Gerüchte
  29. Schizophrener darf nicht zu Elektrotherapie gezwungen werden
  30. Fentanyl-Konsum nimmt laut Expertin zu
  31. Fieber bei Kindern richtig einschätzen
  32. Weniger FSME-Fälle nach Zeckenstichen
  33. Ohrentropfen nur körperwarm anwenden
  34. Mit nur einer Krankenversicherung könnten Beiträge sinken
  35. Blinde Frau bekommt recht: Führhund darf mit in Arztpraxis
  36. Viele Tattoo-Farben könnten bald verboten sein
  37. Bundesinstitut hält Covid-19-Pandemie für möglich
  38. Wie gefährlich sind Tätowierungen?
  39. Gesetz soll Lieferengpässe bei Arzneimitteln verhindern
  40. Ärzte warnen vor Gesundheitsgefahren durch Klimaerwärmung
  41. Ältester Mann der Welt: Viel lächeln und wenig ärgern
  42. Bei Waldspaziergang auf Zecken achten
  43. Computerspielsucht kann jeden treffen
  44. Was hilft wirklich gegen Heuschnupfen?
  45. Gefahr durch Wehen-Tablette bei der Geburt
  46. Ein Mittagsschlaf macht meistens müde
  47. Hochsensible Kinder brauchen Auszeiten
  48. Gesichtsschmerzen haben viele Ursachen
  49. Gesundheitsbeeinträchtigungen durch schlechtes Lebensumfeld
  50. Hilfe im In- und Ausland: Notrufnummer 112 gilt EU-weit

Schlagworte

  • Gesundheit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!