München

Wie gesund leben die Deutschen?

Alkoholkonsum       -  Ost- und Süddeutsche trinken einer Studie zufolge häufiger riskante Mengen Alkohol als die Menschen im Norden und Westen der Bundesrepublik.
Ost- und Süddeutsche trinken einer Studie zufolge häufiger riskante Mengen Alkohol als die Menschen im Norden und Westen der Bundesrepublik. Foto: Matthias Balk/dpa

Ost- und Süddeutsche trinken einer Studie zufolge häufiger riskante Mengen Alkohol als die Menschen im Norden und Westen der Bundesrepublik. Dafür ernähren sich die Ostdeutschen gesünder als die Westdeutschen.

„Beim Rauchen und bei körperlicher Aktivität gab es keine regionalen Unterschiede,” wie ein Forscherteam um Josefine Atzendorf vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München herausfand. Atzendorfs Schlussfolgerung: „Beim riskanten Alkoholkonsum sollte man sich bei Präventionsmaßnahmen auf regionale Unterschiede beziehen, beim Rauchen, ungesunder Ernährung und beim Sport aber eher auf bundesweite Maßnahmen setzen.”

Regionale Unterschiede im Überblick

Normalerweise differenzierten Studien zum Gesundheitsverhalten nur nach Geschlecht oder Alter, erläuterte Atzendorf. Ihre im Fachmagazin „BMC Public Health” erschienene Studie hingegen fokussiere auf regionale Unterschiede. Sie zeige aber auch, dass Frauen weniger Alkohol trinken und sich weniger bewegen, dafür aber gesünder essen als Männer. Auch ernährten sich gebildete Bevölkerungsschichten im Vergleich zu weniger gebildeten besser, tränken aber mehr und machten weniger Sport.

Für ihre Studie hatte das Team um Atzendorf die Daten von 9.204 Befragten zwischen 18 und 64 Jahren aus dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2015 ausgewertet. Ein Ergebnis: In Ostdeutschland zeigten 18,3 Prozent der Bevölkerung ein riskantes Trinkverhalten, in Süddeutschland 16,7 Prozent. Für West- und Norddeutschland lagen die Werte bei 14,6 und 13,9 Prozent. Als riskant stuften die Forscher es ein, wenn eine Frau täglich 12 Gramm oder mehr Alkohol trank. Für Männer lag der Wert bei 24 Gramm Alkohol pro Tag.

Kulturelle Gründe für Alkoholkonsum verantwortlich

Belastbare Erklärungen liefert die Beobachtungsstudie für diese Unterschiede nicht. Dennoch hat Atzendorf einige Ansätze: „Beim Alkohol kann man schon sagen, dass das historisch anders gewachsen ist. In der DDR hatte der Alkohol eine andere Bedeutung als in der Bundesrepublik.” Dort wurde nach Angaben von Suchtforschern besonders viel Alkohol getrunken. Unterschiedliche kulturelle Normen könnten auch den Nord-Süd-Unterschied erklären: „Im Süden hat man mehr Biergärten und Volksfeste, wo ein hoher Alkoholkonsum normal ist.”

Das sieht auch Thomas Lampert vom Robert Koch-Institut in Berlin so. „Wir gehen davon aus, dass beim Alkoholkonsum auch soziokulturelle Gründe eine Rolle spielen, so wie auch Ernährungsgewohnheiten sehr traditionell sind.” Rauchen etwa sei in Sachsen schon immer vergleichsweise verpönt gewesen. Dennoch lasse sich ein großer Trend immer wieder sehen, betonte der Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring: „Die regionalen Unterschiede sind sehr eng mit sozioökonomischen Rahmenbedingungen verbunden” - etwa mit Arbeitslosigkeit, Armut, Wirtschaftskraft und Infrastruktur.

Das RKI hatte vor kurzem ähnliche Fragestellungen untersucht, war aber zum Teil zu abweichenden Ergebnissen gekommen - so zeigten sich regionale Unterschiede in dieser Studie auch mit Blick auf Rauchen und Sport. Dies könne sich durch die unterschiedlichen Datengrundlagen, aber auch durch unterschiedliche Definitionen der Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen erklären, etwa von „regelmäßig”, erläuterten die Forscher.

Rückblick

  1. Corona-Tests für Schulen, Kitas und Pflegeheime geplant
  2. Tipps für Besuche und Treffen an Pfingsten
  3. Der mitunter steinige Weg zur Psychotherapie
  4. Was bei Kopfläusen zu tun ist
  5. Die Rolle der Kinder bei der Übertragung des Virus
  6. Drastischer Rückgang von Facharztbesuchen seit März
  7. Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren sind überflüssig
  8. Krankenkasse muss Exoskelett bezahlen
  9. Die Reiseapotheke in Corona-Zeiten
  10. Trotz Corona: Anschlussrehabilitationen weiterhin möglich
  11. So werden Sie Fremdkörper im Auge wieder los
  12. Wenn der Coronavirus-Detektiv ermittelt
  13. Herzpatienten sollten Blutverdünner wie gewohnt einnehmen
  14. Rückfall in Glücksspielsucht droht
  15. Drei Tipps zum richtigen Umgang mit Zecken
  16. Welche Pflaster und Verbände in die Hausapotheke gehören
  17. Wenn Narzissmus krankhaft ist
  18. Faustregeln für rezeptfreie Medikamente
  19. Augenherpes wegen Mundschutz? Zusammenhang nicht belegt
  20. EU-Verbot für Mentholzigaretten tritt in Kraft
  21. Studie bestätigt Corona-Übertragung vor ersten Symptomen
  22. Führen eines Corona-Tagebuchs kann sinnvoll sein
  23. Warum Impfauffrischung gerade jetzt wichtig ist
  24. Keuchhusten-Impfung für Schwangere und deren enge Freunde
  25. Corona-Verdacht: Mysteriöse Kinder-Erkrankung aufgetreten
  26. Pandemie könnte zu Millionen verschobener Operationen führen
  27. Kann das Tragen einer Maske vor Corona schützen?
  28. Coronavirus befällt auch Nieren und andere Organe
  29. Desinfektionsmittel geschluckt: Mehr Anrufe bei Giftnotruf
  30. Coronavirus: Darf ich im Sommer baden gehen?
  31. Corona: Was hilft, wenn die Alltagsmaske am Ohr drückt?
  32. So finden Sie den richtigen Arzt
  33. Was vor Hautschäden wegen häufigen Händewaschens schützt
  34. Betriebsärztliche Betreuung ab einem Beschäftigten
  35. Remdesivir jetzt für mehr Corona-Patienten möglich
  36. So klappt der Alltag mit Maske
  37. Experten: Auch hinter Schlaganfällen könnte Corona stecken
  38. Neurodermitiker müssen mit Bindehautentzündung zum Arzt
  39. Schlaganfall mit neuer App erkennen
  40. Erste Hilfe ohne erhöhtes Infektionsrisiko
  41. Das Rätsel um die Corona-Wolke: Wie verteilt sich das Virus?
  42. Nahrungsergänzungsmittel können dem Herz schaden
  43. Welche Verhütungsmethode passt zu mir?
  44. Die Wurzelbehandlung kann Zähne retten
  45. Corona-Krise könnte bei mehr Menschen Waschzwang auslösen
  46. Wie sicher sind Corona-Tests?
  47. Psychotherapeuten befürchten Welle von Erkrankungen
  48. Forscher: Corona-Krise kann zu Schlafstörungen führen
  49. Infos zu Corona in einfacher Sprache
  50. Was es mit Lachgas auf sich hat

Weitere Artikel

Schlagworte

  • dpa
  • Gesundheit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!