Meitingen

Der Zusammenhang zwischen Windpocken und Gürtelrose

Windpocken und Gürtelrose       -  Es juckt. Windpocken haben viele schon im Kindesalter durchgemacht.
Es juckt. Windpocken haben viele schon im Kindesalter durchgemacht. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn

Windpocken gelten allgemein als Kinderkrankheit. Weil sie hochansteckend ist, haben die meisten Menschen die juckenden Bläschen schon im Kindheitsalter hinter sich gebracht. Einmal und nie wieder, das ist das Gute daran.

Doch wer als Jugendlicher oder Erwachsener an Windpocken erkrankt, kommt oft nicht so glimpflich davon, erklärt der Patientenbeauftragte des Deutschen Hausärzteverbandes, Jakob Berger. „Der Ausschlag tritt dann verstärkt auf, auch im Kopfbereich.” Zudem könne es zu einer Lungenentzündung oder einer Gehirnhautentzündung kommen.

Als Erwachsener über Impfung nachdenken

Wer als Erwachsener noch keine Windpocken hatte, sollte seiner Ansicht nach darum eine Impfung erwägen. Viele Kinder bekommen diese heutzutage ohnehin - einzeln oder in Kombination mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMRV).

„Bestimmte Patientengruppen sollten die Impfung auf jeden Fall nachholen”, rät der Hausarzt mit Praxis im bayerischen Meitingen. Berger zählt auf: „Menschen mit starker Atopie, also Menschen, die zu Milchschorf und endogenem Ekzem neigen. Leute mit Risikoerkrankungen im Atemwegsbereich und ebenso jemand, der eine Organtransplantation bekommen soll.”

Wer nicht weiß, ob er als Kind schon Windpocken hatte, kann das mit einem Bluttest feststellen lassen. Frauen mit Kinderwunsch sollten dahingehend ebenfalls auf Nummer sicher gehen. Teils zahlen die Krankenkassen die Kosten dafür.

Schnelles Handeln im Notfall

Denn erkrankt eine Mutter kurz vor oder nach der Geburt an Windpocken, kann das Kind geschädigt werden - und schlimmstenfalls sterben. In einem akuten Fall muss schnell gehandelt werden. „Es gibt ein sogenanntes Hyperimmunglobulin, also Antikörper gegen Windpocken. Das kann man Mutter und Kind spritzen”, erklärt Berger.

Anstecken kann man sich bei jemandem, der selbst Windpocken hat. Das passiert über die Luft recht schnell - sie sind sehr ansteckend.

Erreger aus der Familie der Herpesviren

Ansteckungsgefahr droht aber auch von Menschen mit Gürtelrose. „Um sich an einer Gürtelrose mit Windpocken anzustecken, reicht offenbar ein kurzer Aufenthalt bei dem Erkrankten”, sagt Erik Senger, Dermatologe im hessischen Seligenstadt.

Ausgelöst durch den gleichen Erreger aus der Familie der Herpesviren, ist die Gürtelrose die Zweiterkrankung der Windpocken. Wer Windpocken hatte oder dagegen geimpft ist, trägt das Virus lebenslang in sich. „Das Virus zieht sich in die Ganglien, also die sensiblen Nervenstränge, zurück”, erklärt Senger. „Dort verbleibt es sozusagen wie ein "Schläfer".” Es wird von der eigenen Immunabwehr in Schach gehalten, kann aber reaktiviert werden - und Gürtelrose auslösen.

Stress kann Gürtelrose hervorrufen

Wieso genau die Viren wieder in Aktion treten, ist laut Hausarzt Jakob Berger noch nicht abschließend geklärt. „Aber es hat immer mit einer Immunschwäche zu tun”, sagt er. So können Stress oder starke Sonneneinstrahlung eine Gürtelrose hervorrufen.

Kranke Menschen im Allgemeinen, besonders aber Tumorpatienten, die mit Substanzen behandelt werden, die das Immunsystem schädigen, sind gefährdet. Betroffen sind außerdem eher ältere Menschen, ergänzt Hautarzt Erik Senger: „Auch Kinder können sie bekommen, aber die Häufigkeit steigt mit dem Lebensalter an.”

Schmerzen im Brustkorb

Bemerkbar macht sich die Gürtelrose oft schon vor dem typischen Ausschlag. „Bevor die Bläschen auftreten, kommen manche Patienten und sagen: "Ich habe hier so Schmerzen im Brustkorbbereich." Obwohl man da noch gar nichts sieht”, erzählt Jakob Berger. „Das hängt mit der Nervenentzündung zusammen. Schaut man nach ein paar Tagen nach, findet man die gruppierten Bläschen.”

Gefährlich und sehr schmerzhaft kann die Gürtelrose vor allem im Gesichtsbereich werden, wenn sie den Trigeminusnerv befällt und sich Augen oder Ohren entzünden können. Vorwiegend tritt sie jedoch im Rumpfbereich auf.

Gürtelrose schnell behandeln lassen

Generell gilt: Mit einer Gürtelrose sollte man schnell zum Arzt. „Je früher man geht, desto besser”, betont Berger. Dann kann der Patient noch sogenannte Virostatika einnehmen, die den Verlauf abschwächen. „Denn es kommt relativ häufig zu einer Gürtelrose-Neuralgie, bei der über Monate bis Jahre starke Schmerzen im Verbreitungsgebiet der Gürtelrose auftreten können.” Diese Medikamente machen solch einen Verlauf unwahrscheinlicher.

Die meisten bekommen eine Gürtelrose, wenn überhaupt, nur einmal. Doch es gibt auch Fälle, wo Menschen mehrmals daran erkrankt sind.

Hausarzt Jakob Berger überprüft auf jeden Fall nach einer Gürtelrose-Erkrankung noch mal gründlich das Blut des Patienten. „Es ist ja immer ein Zeichen, dass das Immunsystem in einer schwachen Position ist. Eine Gürtelrose kann sehr selten auch im Rahmen einer Tumorerkrankung auftreten oder ein frühes Anzeichen dafür sein.”

Auch gegen Gürtelrose gibt es eine Impfung - zwei Spritzen im Abstand von mindestens zwei Monaten. „Das ist ein sogenannter Totimpfstoff”, erklärt Berger. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Institutes empfiehlt die Impfung für Patienten ab 60 Jahren und bei Risikopatienten schon ab 50 Jahren. „Die Verträglichkeit ist nach meinen Erfahrungen bisher relativ gut”, sagt Berger. „Es kann schon mal eine Schwellung an der Impfstelle geben und für einen Tag ein Grippegefühl. Aber sie schützt vor der Gürtelrose.”

© dpa-infocom, dpa:200721-99-874373/2

Rückblick

  1. Bei Kronen besonders den Rand pflegen
  2. Was während des Schlafes im Gehirn passiert
  3. Ein Leben lang gegen Alzheimer vorbeugen
  4. Impfen vor Zeckensaison 2021 kann schon jetzt sinnvoll sein
  5. Wie Jogger im Dunkeln sicherer unterwegs sind
  6. Jeder Fünfte putzt nicht zweimal täglich Zähne
  7. Was passiert während der Influenzasaison?
  8. Der E-Patientenakte drohen Datenschutz-Warnungen
  9. Was im Arztbrief steht und wofür er nötig ist
  10. Warum wir im Alter abbauen und was wir tun können
  11. Corona-Impfstoff für breite Masse wohl erst Mitte 2021
  12. Corona: Wie groß ist die Infektionsgefahr beim Blutspenden?
  13. Krankenkassen setzen mehr auf Online-Angebote
  14. Meetings lieber in mehrere Einheiten aufteilen
  15. Migräne trifft häufiger Frauen als Männer
  16. Altweibersommer ist „besonders gesundes Wetter”
  17. WHO: Mehr Aufklärung über Sepsis nötig
  18. Rheuma-Patienten haben oft Begleiterkrankungen
  19. Grippe oder Covid-19? Diagnose anfangs knifflig
  20. Viele Deutsche trauen sich Erste Hilfe nicht zu
  21. Finger weg vom Nasenloch
  22. Corona erhöht das Risiko für eine Frühgeburt
  23. Wie Videosprechstunden praktisch ablaufen
  24. Luftverschmutzung größte Bedrohung für die Gesundheit
  25. Kleinwuchs bei Kindern untersuchen lassen
  26. Braucht ein Herzschrittmacher Abstand zum Smartphone?
  27. Gericht: E-Roller ist kein Rollstuhlersatz
  28. Psychotherapeuten bezweifeln Nutzen mancher Gesundheitsapp
  29. Lieferengpässe für Medikamente möglich
  30. Soll ich mein Kind diesen Winter gegen Grippe impfen?
  31. Kardiologen raten Herzpatienten zu regelmäßigen Sport
  32. Sozialhilfeträger muss Sportrollstuhl zahlen
  33. Corona-Lockdown: Kurze Pause für Syphilis und Co?
  34. Der Blick ins Auge verrät viel über den Körper
  35. WHO empfiehlt Hormonbehandlung für Covid-19-Patienten
  36. Corona-Zeit: Welche Impfungen jetzt empfohlen werden
  37. Experte: Neue Corona-Schnelltests nicht absolut zuverlässig
  38. Wie Zahnspangen bei Erwachsenen helfen
  39. Gesichtsschilde weniger effektiv als Stoffmasken
  40. Migräne erkennen und behandeln
  41. Staatliches Gesundheitsportal geht online
  42. Wespen lieber von Speisen fernhalten
  43. Wie lange schützt eine Alltagsmaske?
  44. Kinder-Neurodermitis: Vorsicht bei Krusten und Bläschen
  45. Draußen spielen beugt Kurzsichtigkeit vor
  46. Kopfschmerzen kennt fast jeder
  47. Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern im Überblick
  48. Einfache Tricks gegen Rückenbeschwerden
  49. Das „Coronavirus-Update” ist zurück
  50. Immer mehr Deutsche sitzen zu viel

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Dermatologen
  • Gesundheit
  • Immunsystem
  • Impfungen
  • Kinderkrankheiten
  • Mutter und Kind
  • Mütter
  • Patienten
  • Risikopatienten
  • Varizellen
  • Virostatika
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!