Berlin

So klappt das Aufhören mit dem Rauchen

Die letzte Zigarette?       -  Eine letzte Zigarette? Mit dem Rauchen aufzuhören, gelingt nicht immer beim ersten Anlauf.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn | Eine letzte Zigarette? Mit dem Rauchen aufzuhören, gelingt nicht immer beim ersten Anlauf.

Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko, deshalb ist der gesundheitliche Nutzen eines Rauchstopps sehr groß. Das gilt in jedem Alter und ungeachtet der Vorgeschichte.

Und doch fällt das Aufhören vielen schwer - weil Zigarette und Co. süchtig machen. Verantwortlich dafür ist das Nervengift Nikotin. „Rauchen ist sozusagen Kopfsache”, sagt Wolfgang Behrens, Vorsitzender des Nichtraucherbunds Berlin-Brandenburg.

Hartnäckigkeit und kleine Tricks

Wer es nicht beim ersten Anlauf schafft, mit dem Rauchen aufzuhören , sollte deswegen aber nicht verzweifeln. „Wer mit dem Rauchen aufhören will, muss sich mit seinem Rauchverhalten auseinandersetzen und sein Gehirn trainieren”, erklärt der Experte. Es gehe darum, sich selbst zu überlisten und Gewohnheiten zu durchbrechen.

Studien zeigen, dass in der Rauchentwöhnung vor allem die kognitive Verhaltenstherapie zum Erfolg führt. „Die psychische Abhängigkeit kann auch mit Medikamenten nicht aufgefangen werden”, erklärt Prof. Dr. Rainer Thomasius, Psychiater am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ).

Eine Garantie gibt es nicht

„Erfolgreiche Programme zeichnen sich dadurch aus, dass sie von gut qualifizierten Kursleiterinnen oder Kursleitern durchgeführt werden und nicht mit einer Erfolgsgarantie werben”, sagt Michaela Goecke, Referatsleiterin Suchtprävention bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die Expertinnen und Experten empfehlen die sogenannte Schluss-Punkt-Methode: Dabei wird ein fester Tag gewählt, ab dem nicht mehr geraucht wird. Die mentale Vorbereitung auf diesen Tag sei dabei entscheidend.

Bei einer starken körperlichen Abhängigkeit vom Nikotin kann zusätzlich zur Verhaltenstherapie eine Ersatztherapie helfen - sie reduziert in der ersten Zeit die körperlichen Entzugssymptome.

Medikamente sind nur zweite Wahl

Es gibt auch Medikamente zum Rauchstopp, meist mit den Wirkstoffen Bupropion und Vareniclin. Beide sind apotheken- und verschreibungspflichtig - und für viele Fachleute nur zweite Wahl, unter anderem wegen der hohen Nebenwirkungen.

Und was ist mit den vielen anderen Angeboten? Da gibt es Hypnose, Akupunktur, Atemübungen oder das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP). Thomasius rät davon aber eher ab: Die Wirksamkeit der Methoden sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Für jeden Raucher die richtige Methode

„Der Rauchstopp ist eine sehr individuelle Angelegenheit”, sagt BZgA-Expertin Goecke. „Eine für jede Raucherin und jeden Raucher passende Methode gibt es nicht.”

Die Bundeszentrale selbst unterstützt Aufhörwillige mit einem breiten Programm: Verhaltenstherapeutische Gruppenkurse, eine kostenfreie Telefonberatung oder das Online-Verhaltensänderungsprogramm „Rauchfrei”. „Computer- und internetbasierte Ausstiegsprogramme sind in der Tabakentwöhnung relativ neu”, so Thomasius. „Es ist aber mittlerweile belegt, dass die Verwendung erfolgreich sein kann.”

Viele Raucher haben Angst, dass nach der letzten Zigarette ihr Gewicht in die Höhe schnellt. Und tatsächlich gibt es da einen Zusammenhang, sagt Goecke: „Die Stoffwechselumstellung nach dem Rauchstopp kann zu einer leichten Gewichtszunahme führen.” Deshalb sei es wichtig, auf gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten. Beides sei aber ohnehin zu empfehlen.

Positive Effekte überwiegen

„Die positiven Effekte des Rauchstopps stellen sich schnell ein und überwiegen alle negativen, wie zum Beispiel Gewichtszunahme”, so Behrens. Der Blutdruck senkt sich, der Puls erreicht normale Schlagzahl, die Temperatur an Händen und Füßen normalisiert sich. Ein Rauchstopp ist also immer ein gesundheitlicher Gewinn - Extrakilo hin oder her.

Service:

Kostenfreie Raucher-Telefonberatung der BZgA: 0800 831 31 31 (Anrufe kostenlos, Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr)

Michaela Goecke       -  Michaela Goecke ist Leiterin des Referats Suchtprävention bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Foto: BZgA/dpa-tmn | Michaela Goecke ist Leiterin des Referats Suchtprävention bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Rainer Thomasius       -  Rainer Thomasius ist Psychiater am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) in Hamburg.
Foto: UKE/dpa-tmn | Rainer Thomasius ist Psychiater am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) in Hamburg.
Medikamente       -  Medikamente sind nur zweite Wahl: Eine Verhaltenstherapie kann bereits zum erfolgreichen Rauchstopp führen.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn | Medikamente sind nur zweite Wahl: Eine Verhaltenstherapie kann bereits zum erfolgreichen Rauchstopp führen.
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