Gotha

Was im Arztbrief steht und wofür er nötig ist

Im Gespräch       -  In einem Arztbrief dokumentieren Medizinerinnen und Mediziner Informationen rund um das Behandlungsgeschehen für ihre Kollegen - oft ist der Patient der Überbringer des Dokuments.
In einem Arztbrief dokumentieren Medizinerinnen und Mediziner Informationen rund um das Behandlungsgeschehen für ihre Kollegen - oft ist der Patient der Überbringer des Dokuments. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Im Arztbrief dreht sich alles um den Patienten - es ist ein Befundbericht von Medizinern für Mediziner. Wirft man als Patient einen Blick in das Dokument, versteht man also nicht unbedingt, was sich hinter all den Formulierungen verbirgt.

Doch das kann man sich erklären lassen, betonen Experten. Wissenswertes rund um den Arztbrief im Überblick:

Wofür ist das Dokument da?

Ein Arztbrief übermittelt an Schnittstellen alle wichtigen Informationen. Das kann zwischen Krankenhaus und Hausarzt sein oder zwischen einem Facharzt und dem Hausarzt. Auch unter verschiedenen Spezialisten ist der Arztbrief das Kommunikationsmittel der Wahl.

„Er soll den weiter- oder mitbehandelnden Arzt auf den aktuellen Stand bringen”, erklärt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. „Es ist ein wichtiges Dokument”, sagt Ulf Zitterbart. Der Vorsitzende des Thüringer Hausärzteverbandes ist mit weiteren Kollegen in einer Landarztpraxis tätig. „Bei uns gehen am Tag 30 bis 40 Arztbriefe ein von verschiedenen Patienten.”

Was steht in einem Arztbrief drin?

„Der Arztbrief dokumentiert ein Behandlungsgeschehen”, sagt Eugen Brysch. Welche Krankengeschichte liegt vor, was wurde untersucht und was ist dabei herausgekommen? Wie lautet die Diagnose und welche Therapie oder Weiterbehandlung wird vorgeschlagen?

„Als Hausarzt muss ich mir die wichtigen Informationen rausfiltern”, erklärt Ulf Zitterbart. „Für uns sind natürlich die Diagnose und die empfohlene Therapie am wichtigsten.”

Wieso ist der Patient oft der Bote?

Vor 10 bis 15 Jahren sei der Arztbrief oft noch mit der Post gekommen, erzählt Zitterbart. „Das hat sich geändert. Es ist üblich geworden, dass der Patient der Bote ist.”

Denn über den Postweg habe die Zustellung oft mehrere Tage gebraucht. Was unpraktisch sein kann, wie Zitterbart am Beispiel beschreibt: „Der Patient kam aber schon am nächsten oder übernächsten Tag und sagte: „Die haben was geändert und ich habe hier einen Zettel mit neuen Medikamenten.”” In solch einem Fall ist es gut, wenn der Patient den Arztbrief direkt dabei hat.

Und weil ein Arztbrief aus Datenschutzgründen nicht als normale E-Mail verschickt werden darf, sei man dazu übergegangen, das Dokument den Patienten direkt mitzugeben.

Außerdem werde so deutlich, wer eigentlich Eigentümer des Briefes sei, meint Brysch: „Der Herr des Verfahrens ist immer der Patient.” Verloren gehen kann ein Arztbrief nicht: Ein Krankenhaus muss ihn 30 Jahre aufbewahren, ein niedergelassener Arzt zehn Jahre.

Gibt es ihn sofort oder muss ich warten?

Einen Arztbrief zu schreiben, dauert einen Moment. Hausarzt Zitterbart empfiehlt aber, im Krankenhaus auf jeden Fall auf das Dokument zu warten. „Der Patient war ja nicht ohne Grund da, es geht um eine wichtige Sache.”

Anders sehe es zum Beispiel bei einem regulären jährlichen Herz-Ultraschall beim Kardiologen aus. Da komme es auf eine Woche nicht an: „Wenn etwas wirklich Schlimmes wäre, würde der Facharzt den Hausarzt direkt informieren”, sagt der Allgemeinmediziner.

Wie verstehe ich, was im Arztbrief steht?

„Ein Arztbrief sollte so geschrieben sein, dass er für jeden verständlich ist”, meint Brysch. Bei Unklarheiten rät er, direkt beim Verfasser nachzufragen. „Aber viele Fachärzte, wie etwa Radiologen, verzichten oft auf ein Nachgespräch”, kritisiert er. Im Krankenhaus wiederum ist womöglich nicht die Zeit da, alles zu besprechen. „Da ist der Hausarzt ein guter und wichtiger Ansprechpartner”, sagt Zitterbart. „Es ist unser täglich Brot, das zu erklären.”

Sollte ich eine Kopie des Arztbriefes aufbewahren?

„Das ist auf jeden Fall ratsam und das machen auch viele”, sagt Zitterbart. Andere vertrauten darauf, dass der Hausarzt alles aufbewahre. „Wenn man chronisch krank ist, kann das ja richtig viel werden, da hat man in einem Jahr einen dicken Ordner voll.”

© dpa-infocom, dpa:200915-99-572996/3

Eugen Brysch       -  Eugen Brysch ist Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.
Eugen Brysch ist Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Foto: Deutsche Stiftung Patientenschutz/dpa-tmn
Ulf Zitterbart       -  Ulf Zitterbart ist Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Thüringer Hausärzteverbandes.
Ulf Zitterbart ist Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Thüringer Hausärzteverbandes. Foto: Georg Lopata/axtentis.de/dpa-tmn
Per Post       -  Ein Arztbrief kann im Normalfall auch per Post verschickt werden.
Ein Arztbrief kann im Normalfall auch per Post verschickt werden. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Rückblick

  1. Chronischer Durchfall kann gefährlich werden
  2. Beim Herzinfarkt zählt jede Minute
  3. Mehr Erkältungen durch häufiges Lüften im Winter?
  4. Barmer: Operationen lieber in erfahrenen Kliniken machen
  5. Zahnersatz: Lücke im Bonusheft in Ausnahmefällen ohne Folgen
  6. Kreidezähne: Eine Krankheit mit noch vielen Rätseln
  7. Bundesweit fehlen über 3000 Hausärzte
  8. Corona-Schnelltests: Was können sie wirklich?
  9. Kardiologe: Herzkranke können angstfrei Sex haben
  10. Filme schauen während der Hüft-OP
  11. Leopoldina empfiehlt einheitliche Regeln für Corona-Herbst
  12. Warum Fluorid in Zahnpasten nicht fehlen sollte
  13. Trail-Running fordert Läufer heraus
  14. Anhaltende Erschöpfung als Corona-Folge recht verbreitet
  15. Krankenhaus muss Patientin kostenlos Daten übermitteln
  16. Bei Kronen besonders den Rand pflegen
  17. Was während des Schlafes im Gehirn passiert
  18. Ein Leben lang gegen Alzheimer vorbeugen
  19. Impfen vor Zeckensaison 2021 kann schon jetzt sinnvoll sein
  20. Wie Jogger im Dunkeln sicherer unterwegs sind
  21. Jeder Fünfte putzt nicht zweimal täglich Zähne
  22. Was passiert während der Influenzasaison?
  23. Der E-Patientenakte drohen Datenschutz-Warnungen
  24. Was im Arztbrief steht und wofür er nötig ist
  25. Warum wir im Alter abbauen und was wir tun können
  26. Corona-Impfstoff für breite Masse wohl erst Mitte 2021
  27. Corona: Wie groß ist die Infektionsgefahr beim Blutspenden?
  28. Krankenkassen setzen mehr auf Online-Angebote
  29. Meetings lieber in mehrere Einheiten aufteilen
  30. Migräne trifft häufiger Frauen als Männer
  31. Altweibersommer ist „besonders gesundes Wetter”
  32. WHO: Mehr Aufklärung über Sepsis nötig
  33. Rheuma-Patienten haben oft Begleiterkrankungen
  34. Grippe oder Covid-19? Diagnose anfangs knifflig
  35. Viele Deutsche trauen sich Erste Hilfe nicht zu
  36. Finger weg vom Nasenloch
  37. Corona erhöht das Risiko für eine Frühgeburt
  38. Wie Videosprechstunden praktisch ablaufen
  39. Luftverschmutzung größte Bedrohung für die Gesundheit
  40. Kleinwuchs bei Kindern untersuchen lassen
  41. Braucht ein Herzschrittmacher Abstand zum Smartphone?
  42. Gericht: E-Roller ist kein Rollstuhlersatz
  43. Psychotherapeuten bezweifeln Nutzen mancher Gesundheitsapp
  44. Lieferengpässe für Medikamente möglich
  45. Soll ich mein Kind diesen Winter gegen Grippe impfen?
  46. Kardiologen raten Herzpatienten zu regelmäßigen Sport
  47. Sozialhilfeträger muss Sportrollstuhl zahlen
  48. Corona-Lockdown: Kurze Pause für Syphilis und Co?
  49. Der Blick ins Auge verrät viel über den Körper
  50. WHO empfiehlt Hormonbehandlung für Covid-19-Patienten

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Allgemeinmediziner
  • Artzney
  • Arztbriefe
  • Arztpraxen
  • Fachärzte
  • Gesundheit
  • Hausärzte
  • Krankengeschichte
  • Patienten
  • Radiologen
  • Ärzte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!