Wo und wann Sommer-Sonne gefährlich ist

Sonne       -  Ein Frau schwimmt bei strahlendem Sonnenschein im Freibad.
Ein Frau schwimmt bei strahlendem Sonnenschein im Freibad. Foto: picture alliance / dpa

Die Sonne brennt gerade gnadenlos vom Himmel. Hat sie im Sommer besonders viel Kraft? Erreicht sie unseren Körper auch unter Wasser? Und: Werden wir nach einem Sonnenbrand brauner? Ein Faktencheck.

Berlin (dpa) - In unserem Planetensystem dreht sich alles um sie: Die Sonne leuchtet dauerhaft und stark. Im Sommer empfinden wir sie noch intensiver, im Meer fühlen wir uns dagegen vor ihr sicher. Was ist dran?

BEHAUPTUNG: Im Wasser bekommt man keinen Sonnenbrand.

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Auch einen Meter unter der Wasseroberfläche trifft UV-Strahlung noch auf den Körper. Nach Einschätzung von Experten kommen dort 80 Prozent der langwelligen UVA-Strahlen an, die für frühzeitige Hautalterung und Faltenbildung sorgen. Von der kurzwelligen UVB-Strahlung, die typischerweise Sonnenbrand hervorruft, sind es 50 Prozent. Damit die gefährlichen Strahlen die Haut gar nicht mehr erreichen, muss man tiefer tauchen. „Mindestens zwei Meter”, erklärt Dermatologe Reinhard Mrotzek.

Wer mit dem Kopf über den Wellen schwimmt, sollte sogar doppelt aufpassen. Wie ein Spiegel verstärkt die Wasseroberfläche die UV-Strahlung um 50 Prozent. Medizinische Institute wie der britische National Health Service (NHS) warnen vor der gefährlichen Kombination von Sonne und Wasser: Durch die kühlende Wirkung merke man oft nicht, wenn die Haut verbrenne. Mrotzek rät zum intensiven Eincremen mit Sonnenmilch, zudem sei eine Kopfbedeckung „eine gute Idee”.

BEHAUPTUNG: Auch Sand reflektiert die Sonne.

BEWERTUNG: Stimmt.

FAKTEN: Vorsicht! Nicht nur im Wasser, sondern auch am Strand kann man sich leichter einen Sonnenbrand holen. Heller Sand reflektiere das Licht und verstärke die UV-Strahlung um 25 Prozent, erklärt Mrotzek, der Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen ist. Wer sich etwa ungeschützt in den Sand direkt ans Wasser lege, setze seinen Körper einer erhöhten Gefahr aus. Ähnliches gilt übrigens auch für den Besuch auf einem Gletscher. Der Schnee dort verstärkt die Sonnenstrahlung um bis zu 90 Prozent.

Wer seine Haut vor Schäden bewahren will, sollte auf jeden Fall im Sommer die pralle Mittagssonne - zwischen 11 und 14 Uhr - meiden. Experten raten dazu, sich am frühen Morgen oder am späten Nachmittag im Freien aufzuhalten - das gilt vor allem am Wasser.

BEHAUPTUNG: Nach einem Sonnenbrand wird man viel brauner.

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: „Das ist absoluter Quatsch”, sagt Hautarzt Mrotzek. Ein Sonnenbrand sei eine Entzündung der Haut, die einer Verbrennung ersten Grades oder mehr ähnele. Dermatologen warnen bei ungeschütztem Sonnenbad vor bleibenden Schäden. Für 2020 werden Mrotzek zufolge insgesamt 300 000 neue Hautkrebs-Fälle in Deutschland erwartet.

Über den UV-Index (UVI) lässt sich für jede Region auf der Welt ablesen, wie gefährlich die Sonne dort für die Haut ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Index mit anderen Institutionen entwickelt. Die Skala reicht von 1 bis über 10. Je höher der Wert, desto schneller tritt ein Sonnenbrand auf. In Deutschland werden im Sommer meist UVI-Werte von maximal 8 erreicht.

BEHAUPTUNG: Wenn es kühl ist, brennt die Sonne nicht so stark.

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Wie im Wasser gilt auch an Land: Kühle schützt nicht vor Gefahren, auch nicht an windigen Tagen. Dermatologe Mrotzek: „Es ist egal, ob es kalt oder warm ist, die UV-Strahlung ist gleich.”

Entscheidend sei die Jahres- und Tageszeit - und damit der Sonnenstand. Die sogenannte hautwirksame Strahlung erreiche am 21. Juni mittags an einem klaren Tag eine Kraft von fast 200 Milliwatt pro Quadratmeter. An einem wolkenfreien 21. Dezember zur Mittagszeit sind es dagegen weniger als zehn Milliwatt.

Neben Reflexionen durch Wasserspiegel oder Schnee hat unter anderem auch die Höhe Einfluss auf die Strahlung. Die Wirkung der Sonne steigt auf 1000 Metern um 20 Prozent, auf 2000 Metern um etwa 33 Prozent und auf 3000 Metern um 50 Prozent im Vergleich zur Intensität auf Höhe des Meeresspiegels.

© dpa-infocom, dpa:200805-99-48877/2

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