Würzburg

Nachtfrost: Welche Pflanzen sind jetzt gefährdet?

Es ist die Woche der Nachtfröste – und in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen weiter sinken. Müssen sich Obstbauern und Hobbygärtner jetzt Sorgen machen?
In Volkach werden Aprikosen und Pfirsichbäume zum Schutz vor Nachtfrost mit einem Eispanzer versehen.  Foto: Daniel Karmann

Von wegen Frühling: Es ist kalt in Unterfranken. Ein Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Nordosteuropa beeinflusst derzeit unser Wetter. "Dieses sorgt für einen frischen Ostwind, mit welchem kalte und trockene Luft zu uns gelangt", sagt Matthias Gäßl vom Deutschen Wetterdienst in München. Es ist zwar überwiegend wolkenlos und sonnig, aber in den Nächten kalt. In der Nacht zum Dienstag fiel die Temperatur auf -3 Grad in Würzburg oder -4 Grad in Kitzingen. An den Mittelgebirgen wurden in den Tälern zum Teil noch tiefere Werte gemessen, zum Beispiel -7 Grad in Ostheim und sogar -9 Grad in Bad Königshofen.

Mit Sorge blicken die Obstbauern auf die kommenden Nächte. "Wir hoffen, dass alles gut geht", sagt Thomas Riehl, Obstbauberater am Amt für Enährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Er betreut Obstbauern in ganz Unterfranken. Die Vegetation sei bereits weit fortgeschritten. "Die Natur ist in diesem Jahr im Vergleich zum durchschnittlichen Mittel etwa sieben Tage voraus", erklärt er. Der Winter war sehr mild und der Frühling hatte schon fast begonnen.

Thomas Riehl ist Obstbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Foto: Thomas Riehl

Ausfälle bei Aprikose und Pfirsich

Bei Aprikosen und Pfirsichen werde es wohl Ausfälle geben, so Riehl. Aber diese Obstsorten werden in Unterfranken nur vereinzelt agebaut. Für Kernobst wie Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen sei es ebenfalls eine sehr kritische Wettersituation, da die Blüten erfrieren können, aber: "Es gibt sicher keinen Totalausfall, wenn die Temperaturen nicht noch weiter absinken." Das Thema Spätfröste bereite den Obstbauern eigentlich jedes Jahr Sorgen, so Riehl. Oft gebe es sogar im Mai noch Nachtfröste.

Was können Obstbauern tun? Einige Landwirte haben - wie auf der Vogelsburg bei Volkach (LKr. Kitzingen) - ihre Bäume nachts mit Wasser eingespritzt. Auf den Bäumen und Blüten bildet sich so ein dicker Eispanzer, der Schutz bieten soll. Diese Prägung sei ein wirksamer Frostschutz, erklärt der Obstbauberater. Dieser komme allerdings in Unterfranken aufgrund des Wassermangels nicht allzu oft zum Einsatz. Die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim hatte an ihrem Versuchsbetrieb "Stutel“ bereits Frostkerzen im Einsatz. 

Zu früher Morgenstunde sind am Montag die Äste und Zweige von Obstbäumen unterhalb der Vogelsburg bei Volkach (Lkr. Kitzingen) zu bizarren Gebilden aus Eis mutiert. Was ist hier passiert? Frostbekämpfung mittels Beregnung.  Foto: Peter Pfannes

Den Winzern machen die derzeitigen Fröste nicht zu schaffen, da noch kein Grün an den Rebstöcken ist. Erst in vier bis sechs Wochen, wenn die Pflanzentwicklung weiter ist, könnte möglicher Frost zu Schäden führen. Das teilte der Fränkische Weinbauverband auf Anfrage mit.

Sind auch Gartenpflanzen gefährdet?

Gefährlich sind die derzeitigen Nachtfröste für alle Fruchtgemüse, die daher meist auch noch nicht draußen sind. "Früher pflanzte man erst nach der kalten Sophie Mitte Mai", sagt Marianne Scheu-Helgert, Gatenexpertin an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Heute pflanzten einige Mutige schon früher. Besonderen Schutz brauchen auch Kübelpflanzen, die so mancher bereits nach draußen gestellt hat. "Sie stehen am besten direkt an der Hauswand, überdeckt mit einem dicken Vliesstoff." Alle frostharten Setzlinge wie Salat, Kohlrabi etc. würden besser wachsen, wenn sie gleich nach dem Pflanzen mit Verfrühungsvlies abgedeckt werden, so die Gartenexpertin.

Kirschblüten leuchten im Licht der Sonne. Foto: Paul Zinken, dpa

Wie kann man Kälteschäden erkennen?

Kälteschäden, so die Gartenexpertin, zeigen sich meist schon am nächsten Tag: Die Folge sind welke, braune und matschige Blätter und Stängel. So hängen zum Beispiel Magnolienblüten braun nach unten, genauso wie Austriebe von Kiwi oder Weintrauben. "Erfrorene Erdbeerblüten zeigen zunächst eine leicht vergraute Blütenmitte, die sich später schwarz verfärbt", sagt Scheu-Helgert.

Welche Gartenpflanzen sind besonders frostanfällig?

Vor allem die Blüten des Apfels, der Kirsche und der Birne trifft der Frost hart. "Auch für grünen Spargel ist der Frost ein Desaster", sagt Martin Schulz, Versuchsingenieur am Gemüsebauversuchsbetrieb der LWG in Bamberg. Er empfiehlt den Spargel mit Folie abzudecken oder vor dem Frost noch zu ernten. Auch Gemüsepflanzen wie Tomaten, Gurken, Kürbisse und Paprika seien anfällig. Der Frost beeinflusse die Blütenbildung sowie die Lebensfähigkeit der Pollen. Bei Tomaten könne dies zu harten Früchten mit einer matten Schale führen.

Wo bekommt man derzeit Pflanzen?

Jungpflanzen bekommt man zeitweise im Supermarkt oder auch in Gemüsegärtnereien mit Hofladen. Alternativ kann man Pflanzen auch im Internet bestellen. 

Die Aussichten für die nächsten Tage

Auch in den nächsten Nächten bleibt es nach Auskunft des Deutschen Wetterdiensts ähnlich kalt. Erst in der Nacht zum Freitag werden die Tiefstwerte dann um 0 Grad und somit zum Teil auch knapp über dem Gefrierpunkt liegen. "Bodenfrost wird aber noch verbreitet auftreten", sagt Matthias Gäßl vom Deutschen Wetterdienst. Zum Wochenende hin wird es dann etwas milder, sodass Luftfrost in den Nächten nur noch vereinzelt auftreten sollte.

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