Serienstart: Warum Familie immer auch ein Abenteuer ist

8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern gibt es in Deutschland. Wie leben die so? Die Redaktion will es wissen und startet wieder ins Abenteuer Familienleben.
Abenteuer Familie: Mal ganz oben, mal ganz unten. Die Redaktion war für die dritte Auflage ihrer Serie "Familienleben" wieder in Unterfranken unterwegs.    Foto: Frank Leonhardt (dpa)

Ob verheiratet oder geschieden, ob schwul, lesbisch oder einfach zusammen lebend: die Lebensformen von Paaren mit Kindern sind heute vielfältig. Ein Blick der Redaktion auf das Familienleben in Unterfranken bestätigt das. Zwar ist die Ehe von Menschen im mittleren Lebensalter nach wie vor die häufigste Form, in der Paare zusammenleben, sie hat aber an Bedeutung verloren. Paare, so heißt es im aktuellen Mikrozensus des statistischen Bundesamtes, leben zunehmend unverheiratet zusammen, auch die Geburt von Kindern ist für viele kein Anlass mehr für eine Heirat. Zudem wächst die Zahl der Alleinerziehenden. An der Befragung sind jedes Jahr ein Prozent der Privathaushalte in Deutschland beteiligt, was 390 000 Haushalten mit 830 000 Bürgern entspricht.

 

Ist Blut dicker als Wasser?

 

Fest steht aber auch: Die allermeisten Menschen verbinden mit Familie ein Zuhause. Eine Heimat. Den Ort, an dem man so sein kann, wie man eben ist. Geborgenheit und Loyalität werden auch immer wieder genannt.  Und, so haben Wissenschaftlern in Los Angeles jüngst in einer Studie herausgefunden, Kinder halten auch noch im Erwachsenenalter lieber zu ihren Eltern als zu ihren Freunden. Gilt also doch der Spruch: Blut ist dicker als Wasser? Wir haben für unsere Serie "Familienleben", die die nächsten acht Wochen jeweils dienstags und freitags erscheinen wird, Eltern, Kinder und Großeltern quer durch die Region besucht. In unserer Fotoreportage "Hier bin ich zuhause" etwa zeigen Kinder und Jugendliche ihr ganz persönliches Reich. Ob Kuscheltiere, rosa Tüll, Rennautos oder Harry-Potter-Poster: Für die Kinder ist ihr Zimmer ein Rückzugsort.

Hier bin ich zuhause: Valerie (9) Foto: Thomas Obermeier

Doch Zuhause kann immer auch das Gegenteil von Schutzraum sein. Ein Ort, an dem womöglich Gewalt und eine Überforderung der Eltern vorherrschen. Dann ist Hilfe von außen wichtig. Wenn ein Kind vorübergehend oder auf Dauer nicht zuhause leben kann, muss es in Obhut genommen werden.

 

Bei einer Pflegefamilie groß werden 

 

So wie der dreizehnjähriger Schüler aus Würzburg, der jetzt dauerhaft auf einem Pferdehof in Unterfranken lebt. Dort haben wir ihn besucht. Bei seiner leiblichen Mutter, so erzählte er, werde immer sein Zuhause bleiben. Aber wohnen wird er jetzt eben erstmal bei seinen Pflegeeltern. Wie wichtig solche Pflegestellen sind und wie viele Kinder und Jugendliche in Unterfranken in solche Notsituationen kommen, erklärt Margit Dittrich von der Evangelischen Diakonie in Würzburg.  

Obwohl jede Familie ihr ganz eigenes Leben hat, so finden sich doch auch immer wieder Parallelen. Vor allem im ganz normalen Alltags-Wahnsinn. Stichwort Hausaufgaben! Wie schafft man das um Himmelswillen mit mehr als zwei Kindern gleichzeitig? Genau das demonstriert uns eine Familie aus dem Landkreis Main-Spessart mit vier schulpflichtigen Kindern.  . . . Und dann ist da die Geschichte über Elternteile, die alles allein regeln müssen. Die ihre Kinder alleine erziehen. Oder die Ängste der Familie, deren Sohn mit der Bundeswehr in ein Kriegsgebiet zieht. Glück und Sorgen, Stillstand und Überraschungen in stetem Wechsel, Familie ist ein Abenteuer. Davon können auch Großeltern ein Lied singen. Bei uns erzählt die Autorin eines zweijährigen Enkels vom Spitzen-Gefühl, Oma zu sein. 

Familienleben ist bunt: Homosexualität und das Einfordern von Toleranz, so wie hier am Christopher Street Day 2014 in Würzburg, gehört auch den Themen der Familienserie dieser Redaktion.          Foto: Daniel Peter

 

"Papa, ich bin schwul"

 

Zu unserem Familienleben gehört auch das Outing eines schwulen Sohnes. "Papa, ich bin schwul" gibt Einblick in eine schwierige aber auch befreiend erlebte Situation. Mit Tipps einer Beratungsexpertin und einem Blick in die kleine aber engagierte unterfränkische Lesben- und Schwulenszene. 2017 lebten in Deutschland laut Mikrozensus 112 000 gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zusammen. 11 000 Paare, davon 96 Prozent weiblich, mit Kindern. Von den insgesamt 16 000 Kindern waren 14 000 unter 18 Jahren.

Unsere Reise durch Unterfranken umfasst noch viel mehr Themen, die wir alle in den nächsten Wochen beleuchten werden. Einzelschicksale zwischen Glaube, Liebe und Hoffnung. Und wir freuen uns am Donnerstag, 7. März auf eine Malaktion der besonderen Art: Kinder malen bei uns in der Redaktion aktuell die Zeitungsfotos für die Ausgabe vom nächsten Tag, 8. März. Alles bunt. Wie das Familienleben.      

Rückblick

  1. Fernbeziehung mit Kindern: Wie es funktionieren kann
  2. Geldsegen für Familien: Das 200-Milliarden-Chaos
  3. Warum es immer mehr Mehrlinge gibt
  4. Ostern in der Familie: Zweites Weihnachten im Frühling?
  5. Soldat im Kosovo: Was der Auslandseinsatz mit der Familie macht
  6. Bei Anruf Pflegekind: Wo hilfsbereite Familien parat stehen
  7. Warum 40 für Melanie das richtige Alter für ein Kind ist
  8. Kroschewski: "Deutschland ist oft nicht familienfreundlich"
  9. Endlich Glück haben: Wie Helmut Mitschke die Kurve bekam
  10. Familie Ullrich und ihre 276 Kinder aus Italien
  11. Plötzlich allein: Was passiert, wenn die Eltern sterben
  12. Papa, ich bin schwul: So schwierig ist ein Coming-out
  13. Ein Smartphone in Kinderhänden – eine gute Idee?
  14. "Du wirst Oma!" Vom ersten Enkel und dem puren Glück
  15. Kinder zeigen ihre Zimmer: Hier bin ich zuhause!
  16. Serienstart: Warum Familie immer auch ein Abenteuer ist
  17. Paulina liebt das Leben
  18. Gesund kochen mit wenig Geld
  19. Streiche – Spaß oder Straftat?
  20. Familienleben: Was tun, wenn mein Kind...?
  21. "Schluss jetzt! Keine Diskussion!"
  22. Aus Herr Vater wurde der coole Dad
  23. Familien auf der Flucht
  24. Mit Mama und Papa im Hörsaal
  25. Patchwork-Familie: Zwischen den Fronten
  26. Spielen muss Spaß machen
  27. Vorlesen: Kroko und die Lesemäuse
  28. Vorlesen: So früh wie möglich anfangen
  29. Leben mit einem unheilbar kranken Kind
  30. Zu viele Kilo belasten die ganze Familie
  31. Schönheitswahn: Haben hübsche Kinder Vorteile?
  32. Angst: „Ich kann das – ich schaffe das jetzt!“
  33. Alarm! Läuse im Anmarsch!
  34. Familienleben: „Mama, du bist peinlich!“
  35. Das Familienleben zwischen Glück und Wahnsinn
  36. Leitartikel: Familien sollten sich nicht so verunsichern lassen

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