Wie entsteht Hochwasser?

Jedes Jahr haben Mensch und Natur mit austretenden Bächen und Flüssen zu kämpfen. Doch wann und wo tritt das eigentlich auf und wie entsteht überhaupt ein Hochwasser?
Hochwasser in Würzburg. Unser Archivfoto aus dem Januar 2018 zeigt die überflutete Promenade am Alten Kranen in Würzburg. Foto: Daniel Peter

Unterfranken ist ein Hochwasser-Risikogebiet: Main, Saale oder Sinn treten regelmäßig über die Ufer. Doch wie kommt es zum Hochwasser? Wasser, das nicht verdunstet oder im Boden gespeichert wird, fließt über oder unter der Erde ins nächste Gewässer. Bei starken Niederschlägen ist dieser Abfluss so hoch, dass in Bächen und Flüssen Hochwasser entstehen kann. Doch woher kommt das ganze Wasser auf einmal?

Was sind die Ursachen für Hochwasser?

Natürlich ist starker Regen für Hochwasser verantwortlich. Doch nicht immer, wenn es regnet, treten auch die Flüsse und Bäche über. Die Ursachen für Hochwasser sind vielfältig.

Ein wichtiger Faktor ist die Beschaffenheit des Bodens. Dieser ist ein natürliches Auffangbecken für Niederschläge. Wo Pflanzen wachsen, kann mehr Wasser verdunsten und im Boden gespeichert werden. Je dichter und höher der Bewuchs, desto besser funktioniert der natürliche Rückhalt.

Regnet es lange und ergiebig, nimmt der Boden immer weniger Wasser auf. Irgendwann ist er "gesättigt" und große Wassermengen fließen auf direktem Wege in Bäche und Flüsse. Die Hochwassergefahr steigt. Fällt in sehr kurzer Zeit sehr viel Regen, dauert das Einsickern in den Boden zu lange, obwohl noch Speicher vorhanden wäre. So können auch kurze heftige Unwetter örtliche Hochwasser auslösen.

Wie nimmt der Mensch Einfluss auf den Abfluss des Wassers?

Und feste durch! Dieser Autofahrer erkennt zu spät, dass er an der Straße mit Hochwasser rechnen muss und brettert voll durchs Wasser. Foto: Guido Chuleck

Noch dazu kommt der Mensch, der eine entscheidende Rolle für die Bodenqualität spielt. Er legt zum Beispiel Felder an oder errichtet Ackerland. Der Boden kann dort nicht mehr so viel Regen speichern und das Wasser kann nicht mehr so gut abfließen. Noch extremer ist es bei Bauwerken, die den natürlichen Boden bedecken. Dazu gehören Häuser, Höfe und geteerte Straßen. Die sogenannte Flächenversiegelung sorgt dafür, dass an den betroffenen Stellen das Wasser nur schlecht oder gar nicht in den Boden abfließen kann. In Bayern sind laut Bayerischem Landesamt für Umwelt zwölf Prozent der ganzen Fläche versiegelt. In Unterfranken liegt der Wert sogar noch knapp darüber.

In der heutigen Zeit wird immer mehr gebaut, dadurch steigen die Siedlungs- und Verkehrsflächen immer mehr und das führt wiederum dazu, dass es weniger Abfluss-Möglichkeiten gibt. Die Folge: erhöhte Hochwassergefahr.

Welche Rolle spielt das Gebirge?

In Gebirgsregionen, in Unterfranken ist das vor allem in der Rhön oder im Spessart, gibt es ein zusätzliches Hochwasser-Risiko. In den hohen Lagen liegt deutlich länger Schnee als woanders. Schmilzt dieser bei Tauwetter, dann kommen weitere Wassermengen hinzu. Diese Wasser fließt dann zusätzlich in die umliegenden Bäche und Flüsse, erhöht also nochmal das Hochwasserrisiko.

Wann kommt es häufig zu Hochwasser?

Hochwasser kann theoretisch immer dann vorkommen, wenn es stark regnet. In der Regel passiert das aber zwischen Herbst und Frühjahr, also ab Oktober bis Mai. Aber es gibt auch immer wieder Ausnahmen, wie beim Sommerhochwasser 2013.

Wie bewegt sich das Hochwasser voran?

Das bloße Auge bemerkt es kaum – aber das Hochwasser bewegt sich als Welle. Misst man die Wasserstände zu verschiedenen Zeiten, erkennt man eine Ganglinie in Wellenform. Über Stunden und Tage steigt die Welle an, um dann wieder langsam abzuflachen. Wie eine Flutwelle, nur eben viel langsamer und nahezu unbemerkt, schwappt das Wasser also durch die Überschwemmungsgebiete.

Wer hilft bei Hochwasser?

Damit sich die Menschen vorbereiten und ihre Sachen ins Trockene bringen können, gibt es einen Hochwassernachrichtendienst. Mit speziellen Messungen versucht er vorauszusagen, wo und wann Hochwasser auftreten kann. Der Nachrichtendienst bedient sich dabei vier verschiedener Meldestufen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt legt diese wie folgt fest.

Meldestufe 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen.
Meldestufe 2: Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.
Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich.
Meldestufe 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich.

Hier geht es direkt zum Hochwassernachrichtendienst.

Welche Gebiete in Unterfranken sind besonders gefährdet?

In Unterfranken gibt es einige Gebiete und Flussabschnitte, die schon häufiger von Hochwasser betroffen waren. Dies sind Gewässerabschnitte mit "potenziell signifikantem Hochwasserrisiko".

  • Im Landkreis Würzburg ist das zum Beispiel der Main zwischen Frickenhausen und Randersacker.
  • Im Landkreis Schweinfurt der Mainabschnitt zwischen Untereuerheim und Schonungen.
  • Im Landkreis Rhön-Grabfeld kann es bevorzugt die Fränkische Saale zwischen Bad Königshofen und Burglauer treffen.
  • Im Landkreis Miltenberg ist der Mainabschnitt zwischen Faulbach und Niedernberg von Hochwasser gefährdet.
  • Im Landkreis Main-Spessart ist es der Main zwischen Zellingen und Hasloch, die Sinn zwischen Obersinn und Gemünden und die Wern zwischen Gänheim und Wernfeld.
  • Im Kitzinger Landkreis ist es der Mainabschnitt zwischen Volkach und Marktbreit.
  • Im Landkreis Haßberge besteht ein besonderes Hochwasserrisiko zwischen Stettfeld und Gädheim.
  • In Bad Kissingen ist es die Fränkische Saale zwischen Roth und Morlesau.
  • Im Landkreis Aschaffenburg der Main zwischen Mainaschaff und Kahl am Main.

Der Text wurde mit Informationen des Wasserwirtschaftsamtes in Schweinfurt und des Bayerischen Landesamtes für Umwelt erstellt.

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  • Nicolas Bettinger
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