Würzburg

Wie gesund Intervallfasten wirklich ist

Intervallfasten liegt im Trend. Es soll beim Abnehmen helfen, den Blutdruck senken und die Zellen verjüngen. Stimmt das? Das sagt ein Arzt der Uniklinik Würzburg dazu.
Professor Dr. Andreas Geier leitet am Uniklinikum Würzburg die Hepatologie, das Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Lebererkrankungen beschäftigt.
Professor Dr. Andreas Geier leitet am Uniklinikum Würzburg die Hepatologie, das Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Lebererkrankungen beschäftigt. Foto: Uniklinikum Würzburg

Intervallfasten ist eine Fastenform, der gesundheitsfördernde Wirkungen auf den Stoffwechsel zugeschrieben werden. Alles, was man tun muss, ist zeitweise auf Nahrung zu verzichten – je nach Fastenmethode an 16 Stunden am Tag, an zwei Tagen in der Woche oder an jedem zweiten Tag. Ansonsten darf normal gegessen werden. Internist Professor Dr. Andreas Geier von der Würzburger Uniklinik erklärt Sinn und Zweck aus medizinischer Sicht.

Gibt es wissenschaftliche Studien zum Thema Intervallfasten?

Andreas Geier: Ja, die gibt es, jüngst erst eine methodisch hervorragende Studie der Universität Graz. Intervallfasten wirkt sich positiv auf Gewicht, Herz-Kreislauf-System und bestimmte Stoffwechselparameter wie Schilddrüsenhormon, Blutfette und Eiweißbausteine aus, die unter anderem mit einer längeren Lebensdauer in Verbindung gebracht werden. Allerdings fehlt der Vergleich zu herkömmlichen Diäten, so dass die Vorteile des Intervallfastens gegenüber den herkömmlichen Fastenmethoden offen bleiben.

Eignet sich Intervallfasten zum Abnehmen?

Geier: Eine Metaanalyse zur Gewichtsabnahme unter verschiedenen Diätformen zeigt, dass Intervallfasten im Vergleich zu einer herkömmlichen Diät hinsichtlich der Gewichtsabnahme keinen relevanten Vorteil bringt. Lediglich bezüglich des gleichzeitigen Verlusts der fettfreien Masse, das heißt der Muskeln, scheint Intervallfasten besser abzuschneiden. Interessant ist, dass die Abbruch-Rate beim alternierenden Fasten größer ist als bei der herkömmlichen Diät, es scheint also schwieriger zu sein, durchzuhalten.

Immer wieder hört man, dass Intervallfasten bei Diabetes mellitus Typ 2 erfolgreich ist?

Geier: Ergebnisse aus Tierstudien deuten zumindest an, dass ein Nahrungsverzicht – unabhängig ob intervallmäßig oder dauerhaft – das Risiko für bestimmt chronische Krankheiten senken kann. Dazu zählen neben Krebs vor allem Stoffwechsel-assoziierte Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Im Tierversuch zeigen eine generelle Kalorien-Einschränkung aber auch das Intervallfasten lebensverlängernde Effekte, was natürlich beim Menschen so noch nicht belegt werden konnte. Doch Achtung: Intervallfasten kann bei Patienten mit bestehendem Diabetes relevante Risiken einer Unterzuckerung bergen, vor allem, wenn parallel Blutzucker-senkende Medikamente verabreicht werden. Das ärztlich zu begleiten, ist eine echte Herausforderung.

Das heißt, Fasten bei Krebs hat positive Effekte?

Geier: Wie gesagt, Fasten erhöht die Lebenserwartung im Tierexperiment und beeinflusst Alterungsprozesse, aber auch Krebshäufigkeit positiv. Beim Menschen konnte gezeigt werden, dass Fasten in Intervallen das Ansprechen des Tumors auf Chemotherapie oder Strahlentherapie verbessern kann. Die Mechanismen sind noch weitestgehend unklar, dürften aber mit Veränderungen in Zellsignalen, Gefäßwachstum und programmiertem Zelltod von Tumorzellen zusammenhängen. Aber: Eine solche Kalorienrestriktion birgt für Krebspatienten das Risiko, während der toxischen und belastenden Therapie zu große Gewichtsverluste zu erleiden und zu viel von der wichtigen Muskelmasse zu verlieren. Ernährungsmedizinisch wird bei Krebspatienten eher eine kalorienreiche Ernährung empfohlen.

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