Würzburg/Kitzingen

Antwort auf den Samstagsbrief: Vom Zauber der deutschen Sprache

Voller schöner deutscher Wörter: der Duden. Foto: Uli Deck, dpa

Sehr geehrte, liebe Frau Alice Natter, Freude schöner Götterfunken, führt uns die liebe Frau Natter nach Elysium, dem Reich der Seligen, damit der Tag der deutschen Sprache ein wahrer Festtag werde und wir glückselig feuertrunken den bindenden Zauber der deutschen Sprache gemeinsam verspüren!

Und um weiter bei Schiller zu bleiben: Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur; Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr. Wir freuen uns über Ihre Bemühungen, den Reichtum der deutschen Sprache zu zeigen. Wenngleich gespickt mit veralteten bzw. obsoleten Wörtern, zeigen doch die vielen französischen Fremdwörter die Offenheit der deutschen Sprache und deren Fähigkeit sie zu integrieren; ganz nach Goethes Vorstellung: die deutsche Sprache darf sich dem Fremden nicht verschließen, sie muss es verschlingen. So konnte aus der Modefarbe Blau mit einem Anflug von zeitgemäßer Dekadenz das Wörtchen „blümerant“ werden.

Es freut uns außerordentlich, dass sie Freude beim Hintexten bedrohter deutscher Wörter empfinden. Viele Wörter verdienten es, häufiger verwendet zu werden, damit sie nicht als angestaubt oder gar altbacken wahrgenommen werden. „Üb´ immer Treu und Redlichkeit“, heißt es in einem alten Spruch, der wohlfeile Tugenden einfordert , die das zivilisierte, tolerante Zusammenleben sicherstellen. Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit , gepaart mit Anstand und Respekt können Stoßdämpfer für das friedvolle Zusammenleben sein.

„Achte auf deine Sprache, sie sind der Anfang deiner Taten „(abgewandelt nach dem chinesischen Sprichwort : „Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten“), möchte ich für eine gepflegte Sprache als Voraussetzung für einen würdevollen Umgang miteinander werben. Durch einen gesitteten Sprachgebrauch sollte auch das Miteinander in angenehme Bahnen gelenkt werden.

Unser neuer Sprachpreisträger Thorsten Drechsler hat in einem seiner Texte sehr anschaulich herausgearbeitet, dass wir, besonders wenn es um unsere Gefühlswelt geht, also darum unseren Gemütszustand zu beschreiben, sehr oft wortverloren suchend umherirren und erst mühsam mit viel Übung und Muße den gerade in der deutschen Sprache vorhandenen Wortschatz heben können.

Die große Freude Ihrer Anerkennung unseres Anliegens, die Sprachkultur zu fördern, läßt unsere Herzen höher schlagen und rückt unsere Seelen eine wenig näher ans Elysium.

Seien Sie herzlich gegrüßt,

Dr. med. Bernhard Sturn, Arzt

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