WÜRZBURG

„Deutschland war und ist ein Land der Chöre“

Christian Wulff (links), Bundespräsident a.D., Präsident des Deutschen Chorverbandes, nahm die Kooperations-Urkunde von JMU-Präsident Alfred Forchel (rechts) entgegen. Bei der Feierstunde wurden wertvolle Ausstellungsstücke aus dem Nachlass des Deutschen Sängermuseums präsentiert.
Christian Wulff (links), Bundespräsident a.D., Präsident des Deutschen Chorverbandes, nahm die Kooperations-Urkunde von JMU-Präsident Alfred Forchel (rechts) entgegen. Bei der Feierstunde wurden wertvolle Ausstellungsstücke aus dem Nachlass des Deutschen Sängermuseums präsentiert. Foto: Patty Varasano

Es war nicht der erste Aufenthalt von Christian Wulff in Mainfranken: „Wenn man als Hannoveraner aus dem norddeutschen Flachland mit dem Zug in Würzburg an den Weinbergen Halt macht, ist das immer ein besonderer Moment, verbunden mit dem Gefühl, dass man ein anderes Land mit einer anderen Kultur erreicht hat“, sagte der Alt-Bundespräsident im Rahmen eines Besuchs an der Julius-Maximilians-Universität (JMU).

Gekommen war Wulff in seiner neuen Funktion: Er wurde im Februar zum Präsidenten des Deutschen Chorverbandes gewählt und ist außerdem Vorsitzender des Stiftungsrates des Forschungszentrums des Deutschen Chorwesens in Feuchtwangen. Aus den Händen von Uni-Präsident Alfred Forchel nahm er eine Urkunde entgegen, mit der das Forschungszentrum zum mittlerweile sechsten „An-Institut“ der Alma Julia befördert wurde. Die Ehrenbezeichnung „an der Universität Würzburg“ vergibt die JMU an ausgewählte wissenschaftliche Einrichtungen, die eng mit ihr kooperieren.

Forschungszentrum arbeitet am „Lexikon des Chores“

Bindeglied zwischen Feuchtwangen und Würzburg ist Friedhelm Brusniak: Er leitet seit 1989 das Forschungszentrum und ist seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Musikpädagogik an der Universität. Bei der Chorforschung gehe es „um historische, psychologische, soziologische und pädagogische Fragestellungen“, erläuterte Brusniak: „Auch Chöre reagieren auf den gesellschaftlichen Wandel. Junge Leute müssen aus der Geschichte heraus in die Zukunft schauen.“ Eines der aktuellen Projekte des Forschungszentrums ist ein „Lexikon des Chores“, an dem Experten aus der ganzen Welt beteiligt sind.

Christian Wulff, nach eigenen Worten übrigens ein eher schlechter Sänger und daher auch nicht selbst in einem Chor aktiv, setzt große Erwartungen in die Arbeit des Dokumentations- und Forschungszentrums: „Deutschland war und ist ein Land der Chöre und sollte es nach meiner Überzeugung auch bleiben.“ Das gemeinsame Singen im Chor habe viele positive Effekte: „Singen ist lebensverlängernd, es steigert Glückshormone und reduziert Stress. In Chören kommen die Menschen zusammen, und das ist in unserer digitalisierten Welt von noch größerer Bedeutung als früher.“

„Modernisierung von Chören ist ein großer Auftrag“

Mit der Gründung des An-Instituts werde der Tatsache Rechnung getragen, dass das Chorwesen in Deutschland tief verwurzelt sei und die Gesellschaft präge. Entscheidende Herausforderung sei es, dass Kinder und Jugendliche auch in Chören singen und mitarbeiten: „Die Verjüngung, Erneuerung und Modernisierung von Chören ist ein großer Auftrag. An der Universität Würzburg sehen wir die größte Gewähr, dass durch die Forschungsarbeit die Tradition mit der heutigen Lebenswirklichkeit von Sängerinnen und Sängern gekoppelt wird“, betonte Wulf: „Das Forschungszentrum muss eine Art Think Tank der deutschen Chorlandschaft sein, um Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten.“

Das Forschungszentrum in Feuchtwangen steht in einer langen Tradition: Es ist der Nachfolger einer Forschungsstelle, die von 1925 bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg am Deutschen Sängermuseum in Nürnberg bestand. Weil in Feuchtwangen zufällig Gebäude frei waren, wurde dort der Nachfolger eingerichtet, erläuterte Brusniak. Von den ursprünglich etwa 30 000 Exponaten seien rund 3000 erhalten geblieben, die die Grundlage der historischen Forschung bilden.

Historische Stücke werden digitalisiert

Dazu gehören unter anderem die ältesten Chorzeitschriften der Welt aus dem 19. Jahrhundert. Einige der wertvollsten Stücke der Sammlung wurden im Rahmen der Feierstunde im Senatssaal der Neuen Universität am Sanderring präsentiert. Die Universitätsbibliothek hat die Aufgabe übernommen, die historischen Stücke zu digitalisieren und sie damit nicht nur der Nachwelt zu erhalten, sondern auch dauerhaft für die Forschung zur Verfügung zu stellen.

Christian Wulff, Bundespräsident a.D., Präsident des Deutschen Chorverbandes, ließ sich sei der Feierstunde in Würzburg Ausstellungsstücke aus dem Nachlass des Deutschen Sängermuseums zeigen. Alexander Arlt vom Lehrstuhl für Musikpädagogik erläutert die wertvollen Schriftstücke.
Christian Wulff, Bundespräsident a.D., Präsident des Deutschen Chorverbandes, ließ sich sei der Feierstunde in Würzburg Ausstellungsstücke aus dem Nachlass des Deutschen Sängermuseums zeigen. Alexander Arlt vom Lehrstuhl für Musikpädagogik erläutert die wertvollen Schriftstücke. Foto: Patty Varasano

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