WÜRZBURG

Trommeln? Einfach weglassen.

Der Mann braucht keine Instrumente, keine Band, nur seine Stimme und ein paar Sänger: Faada Freddy.
Der Mann braucht keine Instrumente, keine Band, nur seine Stimme und ein paar Sänger: Faada Freddy. Foto: Patty Varasano

So viel Fingerschnippen, Auf-die-Brust-Klopfen, Grooven war bei einem Eröffnungskonzert des Africa Festivals nie. So viel Lufttrompete auch nicht. Faada Freddy steht am Bühnenrand und bläst fiktiv wie schönstes Blech! Der Sänger aus dem Senegal, schick mit schwarzem Anzug, Hut und roter Bauchbinde, braucht keine Instrumente für coolen Rhythm&Blues. Ihm reichen die Stimmbänder. Und seine fünf Mitsänger. Dingding-aah. Dingding-aah. Diggidingding-ahh. Schlagzeug? Trommeln? Bass? Machen die alles selber.

Wo er herkomme, klopfen sich beim Gospel alle auf die Brust. Oder klatschen in die Hände, sagt Faada Freddy zum Ursprung seiner Musik. Und da steht er also, am Donnerstagabend im großen Zirkuszelt auf den Würzburger Mainwiesen, und macht Soul und Rap – allein mit dem, was die menschliche Stimme, der menschliche Körper vermag. Sein Bassist schlägt sich rhythmisch ans Herz, der Brustkorb vibriert – Body Percussion legt sich unter den A-Cappella-Gesang.

Musik zu machen ohne Schlagwerk, Gitarren oder Trompeten – das hat Tradition im Senegal. In seinem Heimatland begann Faada Freddy mit politischem Rap, heute lebt er in Paris, füllt dort immer größere Konzertsäle und macht nun auch international Karriere mit dem Mix aus afrikanischem Rhythmus, amerikanischem Rap, Pop und Gospel. Dazu ein charmantes Lächeln – und das Würzburger Festivalpublikum hat er schnell eingenommen. Mal lässt er seine Stimme in der Höhe Saltos schlagen, dann holt er einen Lovesong aus den tiefsten Tiefen hervor. Musik für die Seele. Dingding-aah, dingding-aah, diggidingding. Es wummert, es klackert, es kracht, als hätten die sechs auf der Bühne hinter der Zeltplane heimlich eine Combo versteckt.

Aber dann! Als wollte er zeigen, wie es mit Instrumenten geht, bietet Wally Seck als zweiter Act des Abends mächtig Personal und Trommel-Instrumentarium auf. Und falls es im Publikum bei Faada Freddy noch zu leise gewesen sein sollte: Bei Wally Seck wird es mächtig, mächtig laut. Nur so viel: Er gilt als neuer Star des Senegals, aus den Fußstapfen des nationalen Supersängers Youssou N'dour längst herausgetreten. Sein aktuelles Album „Xel“ schrieb Musikgeschichte und ist das am meisten gekaufte Album des westafrikanischen Landes.

Sein Konzert in Würzburg: Viel Trommelei! Wuchtiges Klanggewitter, Einheitsbrei ohne Dynamik und schlecht abgemischt dazu. Wenn man zwischen der Übermacht der Rhythmusinstrumente die eigentlich schöne Stimme des Liedermachers mal erahnen kann, ist man froh. Aber die Westafrikaner im Zirkusrund feiern! Wally-Seck-Sprechchöre, Fahne, „Senegal“-Rufe. Eine Party zu Ehren des Schwerpunktlandes des Festivals. Mit Ohrenstöpsel eben.

Sieht hier fast schmächtig aus, macht aber lässige und vor allem laute Musik: Senegals neuer Superstar Wally Seck
Sieht hier fast schmächtig aus, macht aber lässige und vor allem laute Musik: Senegals neuer Superstar Wally Seck Foto: Patty Varasano

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