SENNFELD

Varietéfestival als Potpourri der Außergewöhnlichkeiten

TJ Wheels aus Berlin begeisterte beim Varietéfestival in Sennfeld mit seiner Jonglage auf Rollschuhen in der Halfpipe. Foto: Josef Lamber

Rund eine dreiviertel Stunde Fahrzeit, 60 Kilometer, sind es von Kleineibstadt im Landkreis Rhön-Grabfeld zur Freizeitanlage ins markante rote Zelt des Internationalen Varietéfestivals in Sennfeld. Monika und Harald Dittrich waren zum ersten Mal da, hatten sich Karten in der ersten Reihe gekauft, freuten sich auf einen unterhaltsamen Abend. Und schwups waren sie Teil der Show, der Harald und die Monika, die offenbar nicht schnell genug in Deckung gingen, als der Comedian Christoph Engels mit seinen feuerroten Pumuckel-Haaren und seinem grasgrünen Anzug an ihnen vorbeisauste. Bereut aber haben sie es nicht, im „Potpourri der Außergewöhnlichkeiten“, wie Engels die Show nannte, Teil zu sein.

Am Schluss standen alle 1600 Besucher der ausverkauften Premiere und feierten die Künstler einer bemerkenswerten Varieté-Traumreise durch Afrika, Asien, die USA, Südamerika und Europa, die Dirk Denzer, Regisseur und Intendant des von ihm 2004 ins Leben gerufenen Festivals orchestrierte. Es ist das bisher erfolgreichste Festival, die Auslastung der Shows bis 13. Mai liegt bei 98 Prozent. „Grenzenlos sein, grenzenlos denken“, ist Denzers Motto, das sich nicht nur philosophisch im Programm widerspiegelt, sondern grundsätzlich im Können der Artisten. Wie kann man sich nur so verbiegen wie der Russe Andrej Romanofsky oder das mongolische Duo Lodoi? Wie kann man in luftiger Höhe so balancieren wie die Rola-Bola-Artisten Les Sandros aus Frankreich?

Ganze Bandbreite der Varietékunst

Die Varieté-Weltreise mit 13 Nummern ließ Denzer in Afrika beginnen. Die Kenianer Mambo Jambo bewiesen sich als Feuer- und Reifenspringer wie als menschliche Pyramidenbauer und gelenkige Limbo-Tänzer. Varieté lebt auch vom Kontrast, den die Gaucho-Performance des argentinischen Duos Sarah Luis Jean bot – das Trommelgewitter mit Seilen, Rücken an Rücken stehend, an deren Enden kleine Holzkugeln waren, war optisch und akustisch spannend.

Und Varieté lebt von Komik, womit wir wieder bei Harald und Monika angekommen sind. Warum Christoph Engels nicht für Deutschland, sondern Absurdistan an den Start ging und das gleich vier Mal, war schon nach seiner ersten Performance klar, als er mit einer laufenden Motorsäge, einer Gurke und einer Grapefruit jonglierte. Und ganz ehrlich, dass Engels vorher den guten Harald brüllen ließ „Ja, genau, das wollen wir sehen“ erwies sich im Nachhinein als fast schon hellseherisch. Die Zuschauer waren begeistert, auch später, als Engels bei seiner absurden Hochrad-Slapstick-Nummer den fast zwei Meter großen Wolfgang mit einspannte. Mal herzlich lachen, die Welt und Probleme um sich herum vergessen und einfach nur unterhalten zu werden, ist eine besondere Kunst, die dem Varieté eigen ist.

Balance-Akt auf Rollschuhen

Hoch im Kurs bei Dirk Denzer standen zur Eröffnung Rollschuh-Artisten – zu Recht. Das italienische Duo Giurintano verband Kraft, Ausdauer, Mut und Eleganz in atemberaubenden Pirouetten und Figuren. Immer wieder ein beeindruckender Show-Act ist der Berliner TJ Wheels, der mit seinen Rollschuhen in einer kleinen Halfpipe Bewegungen mit einer Leichtigkeit ausführte, bei denen jeder Laie nach drei Sekunden Knoten in den Beinen hätte. Und dazu wird mit Keulen, Bällen oder Ringen jongliert, als wäre es das Normalste der Welt.

Genau das ist die Kunst des Varietés, das Außergewöhnliche leicht erscheinen zu lassen. Das gilt insbesondere für die finnischen Schleuderbrettartisten Aaron und Lukas. Gestreckter Salto, dreifacher Salto, meterhoch in der Luft und zielsicher zurück auf das vielleicht einen halben Meter breite Sprungbrett – atemberaubend. Oder um es mit Harald zu sagen: „Ja, genau, das wollen wir sehen.“

Das 6. Internationale Varietéfestival dauert bis 13. Mai. Weitere Vorstellungen: 5. Mai, 6. Mai (Familientag), 7. Mai (Magische Momente), 8./9. Mai (Varieté Wow), 10./11. Mai (Spirit Dreams), 12./13. Mai (Abschlussgala).

Wenn er im Spiel ist, muss das Publikum ran: Wolfgang (links) und Monika helfen Comedian Christof Engels auf sein Hochra... Foto: Josef Lamber
Atemberaubend: Die Rola Bola-Nummer des französischen Duos Les Sandros auf dem stilisierten Eifelturm. Foto: Josef Lamber

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