WÜRZBURG

16 Saiten und ein Fazit: wow!

Spiegelung: Bassistin Kinga Glyk auf der schwimmenden Hafensommerbühne. Patty Varasano
Spiegelung: Bassistin Kinga Glyk auf der schwimmenden Hafensommerbühne. Patty Varasano Foto: Patty Varasano

Am Ende kommt sie noch einmal alleine auf die Bühne, greift ihr Instrument, hockt sich in den Schneidersitz und spielt, was sie in jenem YouTube-Clip spielte, der sie gemacht hat. „Tears in Heaven“ von Eric Clapton. Oder besser: eine hingebungsvolle, viel weitreichendere Interpretation einer Melodie, die von Himmelstränen erzählt. Virtuos, fingerfertig, intensiv – und eben nicht gespielt auf Gitarre, sondern auf ihrem Bass.

Mehr als nur eine Youtube-Berühmtheit . . .

Das Video, 2016 in einer Dachwohnung aufgenommen, haben Millionen von Menschen inzwischen angeklickt und gehört. Und wenn es die sozialen Netzwerke, die viralen Kommunikationskanäle nicht gäbe, dann würde Kinga Glyk vielleicht in diesem Sommer in ihrer Heimat, in Polen, in der Familiencombo ihres Schlagzeuger-Vaters Musik machen, wie viele Jahre schon. So aber tourt die 21-Jährige mit ihrem Trio – samt Schlagzeuger-Vater - durch Europa von Club zu Festival zu Club. Und zeigt am ersten Hafensommerwochenende in Würzburg, weshalb sie kein Insidertipp und kein One-Hit-Sternchen blieb, sondern irgendwie zu Recht als gepriesene Hoffnung des Jazz und E-Bass-Sensation gilt.
 

Fotoserie

Hafensommer "Sixteen Strings"

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Entdeckung beim Entdeckerfestival: ein Gitarrenduo von Übersee

Es ist der groovige-rockige Abend der 16 Saiten. Und über die ersten zwölf fetzen, rasen, tanzen in Hälfte eins die beiden Gitarristen von „Opal Ocean“, der Hafensommer will ja ein Festival der Entdeckungen sein. Und Alex Champ aus Frankreich und der Neuseeländer Nadav Tabak, die als Straßenmusiker in Australien zusammenfanden und jetzt erstmals durch Europa touren, sind schon mal die erste in diesem Jahr.

Cooles Zusammenspiel zweier Gitarren: Alex Champ und Nadav Tabak von „Opal Ocean“ beim Abend „Sixteen Strings“.
Cooles Zusammenspiel zweier Gitarren: Alex Champ und Nadav Tabak von „Opal Ocean“ beim Abend „Sixteen Strings“. Foto: Patty Varasano

Mal nach hispanischen Volksweisen, mal nach Heavy-Metal, mal nach einer wunderbaren Mischung aus ganz Vielem klingend machen die beiden Akustikgitarristen zu zweit so viel Sound und Rhythmus, als hätten sie noch ein halbes Dutzend Bandmitglieder hinter und neben sich.

Junger Star und ein Trio der Gleichberechtigten

Kinga Glyk, der junge Star auf den vier Stahlseiten, kommt dann mit Musikern neben sich: Mit Irek Glyk am Schlagzeug und Rafael Stepien an Piano und sonstigen Tastaturen. Und als Trio dreier Gleichberechtigter spielen sie auch. Mal übernimmt klassisch das Piano die Führung und übernimmt, dann steigert Irek Glyk über Minuten sein Schlagzeugspiel vom sanften Streicheln und schlichten Klopfen zum furiosen Rhythmusrausch über alle verfügbaren Trommeln, Pauken, Becken. Und Kinga Glyk, sie setzt auf Zehenspitzen tänzelnd, wippend, schaukeln mal einzelne Töne, hört ihnen nach. Und legt dann los und lässt das zarte „Hope“, ihre Komposition über die Hoffnung, fett und wuchtig enden.

Intensives Spiel auf den vier Stahlsaiten: Kinga Glyk beim Hafensommer.
Intensives Spiel auf den vier Stahlsaiten: Kinga Glyk beim Hafensommer. Foto: Patty Varasano

Variabel, dynamisch, viersaitig vielseitig – Kinga Glyk, die Musikerin mit Hut, zeigt sich mit ihrem Trio wunderbar verspielt. Begleitet von Kiliani-Kreischen, Bierzeltgesängen und zweisekündigen Sky-Fall-Schreien vom Volksfest am anderen Flussufer in den ruhigen, lyrischen, innigen Passagen. Und in den mächtigen, funkigen, krachenden Momenten die Welt drumrum vergessen machend. Nach einer guten Stunde lässt die junge Musikerin das Publikum ihre Akkorde zweistimmig nachsingen und setzt eine weitere Basslinie obenauf. „Nicht schüchtern sein, seid laut!“, heißt Glyks Mission für ein bisschen Verrücktsein. Fazit des Abends in drei Buchstaben: Wow.

Intensives Spiel auf den vier Stahlsaiten: Kinga Glyk beim Hafensommer.
Intensives Spiel auf den vier Stahlsaiten: Kinga Glyk beim Hafensommer. Foto: Patty Varasano
Gleichberechtigt im Trio: Rafal Stepien, Kingy Glyk und Irek Glyk an Piano, E-Bass, Schlagzeug auf der Hafensommerbühne.
Gleichberechtigt im Trio: Rafal Stepien, Kingy Glyk und Irek Glyk an Piano, E-Bass, Schlagzeug auf der Hafensommerbühne. Foto: Patty Varasano
Cooles Zusammenspiel zweier Gitarren: Alex Champ und Nadav Tabak von „Opal Ocean“ beim Abend „Sixteen Strings“.
Cooles Zusammenspiel zweier Gitarren: Alex Champ und Nadav Tabak von „Opal Ocean“ beim Abend „Sixteen Strings“. Foto: Patty Varasano
Mit SkyFall und Riesenrad grüßt leuchtend Kiliani: Konzert von Kinga Glyk auf der Bühne am Heizkraftwerk im Alten Hafen.
Mit SkyFall und Riesenrad grüßt leuchtend Kiliani: Konzert von Kinga Glyk auf der Bühne am Heizkraftwerk im Alten Hafen. Foto: Patty Varasano

Rückblick

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