Würzburg

Absagen und Verschiebungen: Corona erreicht die Kultur

Die Staatsregierung verbietet Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern. Das trifft vor allem die großen Hallen. Doch auch das Mainfranken Theater stellt den Betrieb ein.
Erstmal kein Schockrock meets Classic in Würzburg: Das Konzert mit Alice Cooper in der s.Oliver Arena soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Foto: dpa, Joel Carrett

Das Thema Corona erreicht die Kultur: Analog zu den Beschlüssen der bayerischen Staatsregierung, staatliche Theater, Konzertsäle und Opernhäuser ab dem 11. März bis Ende der Osterferien zu schließen - also bis einschließlich 19. April -, hat der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Christian Schuchardt, angeordnet, dass das Mainfranken Theater ebenfalls ab sofort bis einschließlich 19. April sämtliche Vorstellungen und Konzerte aussetzt. Dies teilte das Mainfranken Theater mit. Abgesagt ist auch die für Freitag, 13. März, geplante vierte Ausgabe der Würzburger Meisterkonzerte mit dem Amatis Trio in der Hochschule für Musik Würzburg.

Die Aussetzung am Theater mit seinen 738 Plätzen trifft unter anderem die Premiere von Richard Wagners "Rheingold", die für Samstag, 14. März, angesetzt war. "Wir bringen ,Rheingold' raus, aber eben später", sagt Pressesprecherin Britta Grigull. Die Disposition arbeite nun mit Hochdruck an entsprechenden Ausweichterminen. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit und können an der Theaterkasse getauscht werden. Diese bleibt zu den regulären Öffnungszeiten in Betrieb. Das Mainfranken Theater werde rechtzeitig über Neuerungen und die Wiederaufnahme des Spielbetriebs informieren, so die Mitteilung weiter.

Wo immer es geht, versuchen die Veranstalter, den Kartenkäufern neue Termine anzubieten

Das ebenfalls verhängte befristete Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern berührt darüber hinaus vor allem die großen Hallen, also in Würzburg die Posthalle, das CCW und die s.Oliver Arena. Laut Stefan Fischer, stellvertretender Geschäftsführer der Congress Tourismus Würzburg (CTW), die zuständig ist für die Vermietung des CCW, war der Beschluss der Staatsregierung von allen in der Branche dringend erwartet worden und beende nun Spekulationen um das Thema Corona.

Da durften sie noch: Am 25. Februar kamen 2000 Fans zu Wanda in die Posthalle. Foto: Silvia Gralla

 Thriller-Autor Sebastian Fitzek hätte im Rahmen des Literatur-Festivals MainLit auftreten sollen – die Organisatoren arbeiten derzeit an einem Ausweichtermin, so MainLit-Geschäftsführer Jochen Bähr. Wer dies nicht in Aspruch nehmen wolle, bekomme natürlich sein Eintrittsgeld zurück. Im Falle von Gregor Gysi, dessen Auftritt wegen des Wintereinbruchs am 27. Februar auf den 22. März verlegt wurde, hätten nur zwei Gäste ihre Karten zurückgegeben. Bähr ist zuversichtlich, dass es diesmal ähnlich ablaufen wird: "Fitzek zieht auch im Mai", glaubt er.

Wo immer es geht, versuchen die Veranstalter, den Kartenkäufern neue Termine anzubieten. So etwa für "Rock meets Classic" mit Alice Cooper, das am Freitag, 13. März, in der s.Oliver Arena geplant war. Laut Katharina Försch von der Würzburger Manfred Hertlein Veranstaltungs GmbH finden seit dem Beschluss aus München überall intensive Gespräche zwischen Künstlern, Veranstaltern und den Hausherren der Veranstaltungsorte statt.

Viel hängt für Veranstalter und Hallenbetreiber von der Dauer der Auflagen ab

"Die Lage ist äußerst bedrohlich", sagt Jojo Schulz von der Würzburger Posthalle. Sie ist sowohl Veranstaltungsort als auch selbst Veranstalter. Es gibt 15 Festangestellte und 70 Minijobber. Hier sind die Auftritte von Kummer (14. März) und Loredana (27. März) mit jeweils 3000 verkauften Karten betroffen, außerdem Meute mit 2000 Karten. Auch hier werde versucht, Ausweichtermine zu finden, das sei Aufgabe der Veranstalter im Austausch mit den Tournee-Veranstaltern, so Schulz.

Komplett wegen Corona abgesagt war schon vor dem Münchner Beschluss die Veranstaltung "Skate & Brake" am Sonntag – "unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zur Eindämmung von COVID-19 (Coronavirus) und in Absprache mit den lokalen Gesundheitsbehörden", heißt es auf der Homepage der Posthalle.

Derzeit in Schweinfurt zu Gast: "Der Schimmelreiter" mit dem Theater Schloss Maßbach. Foto: Charlotte Wahler

"Hilfskonzepte wie Erleichterung der Kurzarbeit werden bei uns nicht greifen", sagt Jojo Schulz. "Auch Bürgschaften oder Stundungen können die Verluste nicht aufwiegen." Viel hänge von der Dauer der Auflagen ab. "Es kommen minütlich neue Hiobsbotschaften", so Schulz. "Wie wir uns fühlen? Alleingelassen. Wir entnehmen alle Infos der Presse."

Keine Absage gibt es bislang am Theater der Stadt Schweinfurt, das über 750 Plätze verfügt. "Wir spielen", sagt Theaterleiter und Kulturamtschef Christian Federolf-Kreppel. Derzeit ist das Theater Schloss Maßbach mit "Der Schimmelreiter" zu Gast, am Freitag hat das Programm "Behlcanto" mit dem Tenor Daniel Behle hier Weltpremiere. Völlig unberührt von Corona ist allerdings auch Schweinfurt nicht. Das Gastspiel der Kibbutz Contemporary Dance Company aus Israel, geplant für 19. und 20 März, wird nicht stattfinden – die Company darf ihr Land nicht verlassen. Doch Federolf-Kreppel hat bereits Ersatz gefunden: Die Zfin Malta National Dance Company wird in Schweinfurt ihr Deutschland-Debüt geben.

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