Würzburg

Armstrong und Prégardien verzahnen Schubert und Mozart

Schuberts "Winterreise", durchsetzt mit Klavierwerken von Mozart: Bei Kit Armstrong und Julian Prégardien wird daraus beim Mozartfest ein faszinierender Musikroman.
Julian Prégardien
Julian Prégardien Foto: Thomas Obermeier

Auch eine originelle Idee: Schuberts Liederzyklus "Winterreise" bei 30 Grad im Schatten. In diesem Fall im Kaisersaal der Würzburger Residenz beim Mozartfest. Noch origineller (und weitaus faszinierender): die Idee, die 24 Lieder in Blöcke aufzuteilen und Klavierwerke von Mozart einzuschieben. Kit Armstrong und Julian Prégardien hatten sie, und sie funktioniert. Im Eröffungskonzert hatte ein ähnliches Konzept noch etwas anstrengend gewirkt, hier geht es fast gespenstisch schlüssig auf.

Was einerseits an der Werkauswahl liegt und andererseits an der Inszenierung: der Pianist Armstrong und der Tenor Prégardien haben die Klavierstücke sehr sorgfältig zusammengestellt, dabei auf vergleichbar empfindsame und dunkle Emotionen geachtet, vor allem aber auf passende Tonarten. So beginnt der Zyklus nach dem Rondo in a-Moll KV 511 im naheliegenden d-Moll, und auf das Lied "Erstarrung" in c-Moll folgt der dritte Satz aus der Klaviersonate KV 457 ebenfalls in c-Moll.

Tiefes Eintauchen in ein Wechselbad der Gefühle

So werden verblüffende Parallelen hörbar, fast scheint es, als verschwömmen Lieder und Klavierwerke zu einer Art Hörspiel oder Musikroman. Erzählt aus zwei Perspektiven, aber mit verwandten Mitteln. Kit Armstrong spielt, als erfinde er in eben diesem Moment die Musik. Oder als improvisiere er. Julian Prégardien schöpft nahezu alle stimmlichen Möglichkeiten aus, von gerauntem Chanson-Tonfall bis zum jähen, beinahe heldischen Ausbruch.

Es ist ein tiefes Eintauchen in ein Wechselbad der Gefühle – selten etwa wirkt ein Wechsel von Moll nach Dur (und zurück) so hoffnungsvoll (oder eben entmutigend) wie in "Gute Nacht" oder im "Wegweiser". Todessehnsucht, Selbstmitleid, sarkastische Weltwut, verklärte Erinnerung, trotziges Auflehnen oder stille Resignation – ein Winter der Seele ohne Aussicht auf Frühling. Und doch zutiefst beglückend.

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