WÜRZBURG

Arnulf Rating blättert in der Zeitung - und analysiert

Arnulf Rating liest Zeitung - und macht sich Gedanken.
Arnulf Rating liest Zeitung - und macht sich Gedanken. Foto: Foto:Thomas Räse

Arnulf Rating war einer der Mitinitiatoren der legendären Berliner Polit-Kabarettgruppe „Die 3 Tornados“. Zwischen seiner Gründung im Jahr 1977 und der Auflösung 1990 war das Trio die stilprägende Formation der Alternativszene der 80er Jahre. Lange her?

40 Jahre später knüpft Rating im Würzburger Bockshorn mit seinem brandneuen Solo „Tornado“ nicht nur mit dem Titel an diese frühen Jahre seiner Bühnenkarriere an. In knallroten Schuhen, leuchtend blauem Sakko und elegantem Nadelstreifen-Zweiteiler legt er sofort in höchstem Tempo los. Er blättert in einem bunt gemischten Packen diverser Tageszeitungen, darunter auch die Freitagsausgabe dieser Zeitung – und ist so blitzschnell mittendrin im aktuellen Zeitgeschehen: Wahlergebnisse, Sondierungsgespräche, „Paradise Papers“, Trump und skurrile Formen der Brauchtumspflege.

Rasant und geistreich, blitzgescheit und nie um eine Pointe verlegen zeigt uns Rating die kleinen und wichtigen Details hinter den großen Schlagzeilen. Und er rechnet ab mit den Ehemaligen seiner Anarchisten-Wohngemeinschaft, von denen einer heute selbst seinen Porsche Cayenne als Beitrag für eine bessere Umwelt sieht.

Doch Rating bleibt nicht bei den Oberflächen-Phänomenen stehen. Im zweiten Teil wird er grundsätzlich und präsentiert uns mit dem Psychologen Edward Bernays einen der ersten PR-Manager. Profund und kurzweilig stellt uns Rating einen Sozialpsychologen vor, der früh die Möglichkeiten der Massenbeeinflussung durch Propaganda erkannt und in die Praxis umgesetzt hat, etwa beim plötzlichen Stimmungsumschwung der US-Bevölkerung in der Frage des Kriegseintritts der USA im Jahr 1916.

Mühelos schlägt Rating von dort den Bogen in unsere Gegenwart und die modernen Formen der Manipulation durch Algorithmen: „68 Likes reichen Big Data für ein vollständiges Persönlichkeitsprofil. Natürlich wissen wir das. Und machen trotzdem mit“, zieht Rating ein ernüchterndes Fazit. Das ist es, was ihn auch nach 40 Jahren Kabarett immer noch motiviert: uns dieses Mitmachen immer wieder neu bewusst zu machen.

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